Landschaft mit Baumgruppe

Fritz Bleyl

o. J.

Bleistift auf Maschinenpapier, aus Skizzenbuch herausgetrennt

Bildmaß 12,3 x 16,3 cm


Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See


Inventarnummer: 1.01985

Zeichnung, Schwarze Pigmente


Sammlungsbereich: Arbeiten auf Papier

Künstler/in: Fritz Bleyl


© Bleyl, Berlin/Solingen; Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg
Klicken Sie auf die Abbildung, um die Werkgalerie zu öffnen.

Beschreibung

Diese »Landschaft mit Baumgruppe« von Fritz Bleyl stammt aus einem Skizzenbuch, wie man an der unteren unregelmäßigen Blattkante erkennen kann, wo sie herausgetrennt wurde. Die namensgebende Baumgruppe befindet sich auf der linken Bildseite, ihre breiten Baumkronen werden vom Bildrand beschnitten. Im Zentrum der Darstellung liegt eine Wiese mit wildem Gras, das durch viele ungleich hohe Striche angedeutet ist. Die Wiese wird durch eine Heckengruppe auf der rechten Bildseite begrenzt, wodurch sie gleichermaßen von Bäumen und Hecken umrahmt wird. Es ist kein Entstehungsjahr für die Bleistiftzeichnung überliefert.

Auf der Rückseite des Originalpassepartouts, in dem Buchheim die Skizze bekommen hatte, das heute aber leider verloren ist, steht folgende Widmung: »Orig. Bleistiftskizze aus d. Skizzenbuch v. F. Bleyl – Geschenk v. Dr. Fritz Bleyl –1956«. Die im Privatarchiv der Eheleute Buchheim überlieferte Korrespondenz zwischen Diethild Buchheim (1922–2014) und Fritz Bleyls Sohn, Wolfgang Bleyl (1910–1991), belegt einen schriftlichen Austausch, der nach der Veröffentlichung von zwei Büchern zur »Brücke« 1954 im Buchheim Verlag steht. Die Künstlergruppe war von Fritz Bleyl gemeinsam mit den drei anderen Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), Erich Heckel (1883–1970) und Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) 1905 in Dresden gegründet worden. Es geht Wolfgang Bleyl bei seiner ersten Kontaktaufnahme mit dem Buchheim Verlag am 25.08.1955 vor allem darum, das Lebenswerk seines Vaters nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Bis heute ist Vielen nicht bewusst, dass er einer der Mitbegründer der »Brücke« ist.

Fritz Bleyl lebt – wie der Sohn in seinem ersten Brief erklärt – sehr zurückgezogen und ist durch eine Hörschädigung stark beeinträchtigt. Daher bietet Wolfgang Bleyl, stellvertretend für seinen Vater, Buchheim ergänzendes Material für kommende Projekte an. Auch ohne persönliche Widmung an Buchheim kann aufgrund dieses belegten Kontextes und der überlieferten Datierung der Schenkung auf 1956 begründet davon ausgegangen werden, dass sowohl diese als auch die andere Bleistiftskizze von Bleyl aus dem Bestand des Buchheim Museums (Inv. 1.01986) ein Geschenk des Künstlers an Lothar-Günther Buchheim bzw. das Ehepaar Buchheim in Reaktion auf die Monografie DIE KÜNSTLERGEMEINSCHAFT BRÜCKE. GEMÄLDE, ZEICHNUNGEN, GRAPHIK, PLASTIK, DOKUMENTE. ERICH HECKEL, ERNST LUDWIG KIRCHNER, OTTO MUELLER, EMIL NOLDE, MAX PECHSTEIN, KARL SCHMIDT-ROTTLUFF gewesen sein muss, die im Dezember 1956 erscheint und deren Autor Buchheim ist. Es gibt keinen Verweis auf Fritz Bleyl als Eigentümer der einzigen abgebildeten Künstlerpostkarte in der Monografie, die eine Zeichnung der Nürnberger Burg von Ernst Ludwig Kirchner zeigt, und die beiden reproduzierten Holzschnitte »Isabella« und »Alte Häuser« von Fritz Bleyl. Aus den Briefen im Archiv der Eheleute Buchheim geht jedoch gesichert hervor, dass Wolfgang Bleyl vier Künstlerpostkarten, von denen zwei Handzeichnungen von Kirchner sind, sowie Fotos von mehreren Grafiken von Fritz Bleyl für die Publikation bereitgestellt hatte, so dass es sich dabei wohl um die genannten Werke gehandelt haben dürfte.

Die Provenienz für die Bleistiftskizze ist für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 rekonstruierbar und unbedenklich. Sie schließt einen NS-verfolgungsbedingten Hintergrund aus, eine weitere Überprüfung ist nicht notwendig.

JL + RK

09.08.2023

Beschriftungen

verso u. r. beschriftet (in Bleistift): 1.01985
Originalpassepartout verso u. beschriftet (in Bleistift): Orig. Bleistiftskizze aus d. Skizzenbuch v. F. Bleyl – Geschenk v. Dr. Fritz Bleyl –1956

Provenienz

1956–08.03.2014: Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing, erworben vom Künstler als Geschenk
seit 08.03.2014: Buchheim Stiftung, Feldafing/Bernried, erworben im Erbgang von Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing

JL

09.08.2023

Sammlung Buchheim

Ausstellungen

LOTHAR-GÜNTHER BUCHHEIM UND DER KUNSTMARKT, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 16.03.2024–16.06.2024

Weitere Werke