Élisée Maclet (1881–1962)

Elisée Jules Emile Maclet; Jules Maclet



Fotograf unbekannt; aus: Élisée Maclet (1881–1962), Ausst.-Kat. Gemälde-Galerie Abels, Köln, 1968, Frontispiz


Elisée Maclet wird als Sohn eines Gärtners in Lihons-en-Santerre in der Picardie geboren. In der Gemeindeschule fällt er dem selbst malenden Pfarrer durch sein Zeichentalent auf. Doch im Alter von 12 Jahren verlässt Maclet die Schule und arbeitet mit seinem Vater als Gärtner. In seiner raren Freizeit zeichnet er seine Umgebung: die Menschen des Ortes, die Kirche, die Landschaft und Stillleben. Eines Tages trifft er auf Pierre Puvis de Chavannes (1824–1898), der an den Ufern der Somme skizziert. Später berichtet Maclet, dass Puvis angeboten habe, sich um seine Ausbildung zu kümmern. Maclets Vater habe jedoch abgelehnt, da er Künstler für Hungerleider und Nichtsnutze hielt. Puvis soll erwidert haben, dass sein Sohn früher oder später das Gärtnern aufgegeben und seinem Talent als Maler folgen werde. 1906 nach dem frühen Tod seiner Mutter verlässt Maclet das väterliche Haus und geht nach Paris.

In Paris lebt er in Montmartre. Er findet eine Arbeit bei einem Hersteller von Eisenbetten und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Dann arbeitet er als Dekorateur im Varieté Moulin Rouge. Ein Freund aus seinem Heimatort, der bei der Eisenbahn an der Gare du Nord arbeitet, verschafft ihm eine Arbeit als Tellerwäscher im Speisewagen. Anschließend heuert er in der Kombüse eines Schiffes nach Indochina an. Zurück in Paris findet er in den Varietés und Nachtclubs erste Käufer für seine Bilder der malerischen Gassen auf dem Montmartre. Auch ein Rahmenbauer übernimmt regelmäßig Aquarelle von Maclet. Bei ihm lernt er Edgar Degas (1834–1917) kennen und darf ihn in seinem Atelier besuchen. Maclet taucht ein in die Künstlerkreise des Montmartre um Maurice Utrillo (1883–1955), Pablo Picasso (1881–1973), Maurice de Vlaminck (1876–1958), Max Jacob (1876–1944) und vielen anderen. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird Maclet eingezogen und als Krankenpfleger in Paris eingesetzt. In seiner Freizeit kann er weiterhin malen. Nach dem Krieg findet er Förderer wie die Schriftstellerin Colette (1873–1954) oder den Autor und Journalisten Francis Carco (1886–1958), der ihn zu sich nach Dieppe, an die Küste der Normandie einlädt.

1923 schließt Maclet einen Fünfjahresvertrag mit dem österreichischen Fabrikanten Baron von Frey (Lebensdaten unbekannt), der ihn zum Malen nach Südfrankreich schickt. Dort trifft er alte Bekannte wie Raoul Dufy (1877–1953) wieder oder wandert auf den Spuren seines großen Vorbilds Vincent van Gogh (1853–1890). Der Vertrag bietet Maclet ein festes Monatsgehalt plus die Utensilien zum Malen und das Reisegeld. Drei Monate Urlaub werden ihm darüber hinaus zugestanden. Maclet verpflichtet sich im Gegenzug, 48 Gemälde pro Jahr zu liefern. Einige der Bilder aus der Camargue, der Provence und von der Mittelmeerküste bis zum dem ligurischen Küstenort Sanremo behält von Frey für seine eigene Sammlung, den Großteil aber verkauft er an einige Museen, vor allem aber an potente Privatsammler in Europa und den USA. Der US-amerikanische Erfinder und Automobilhersteller Henry Ford (1863–1947) ist einer davon. 1928 reist Maclet nach Korsika, noch immer unterstützt von Baron von Frey. Doch als die Weltwirtschaftskrise auch dessen Vermögen schwinden lässt, wird der Vertrag nicht erneuert.

Maclet kehrt 1929 nach Nordfrankreich zurück, zunächst in die Bretagne, im Jahr darauf in die Picardie, schließlich wieder nach Paris. 1935 setzt eine schwere psychische Krankheit ein, so dass er mehrere Monate in einer Klinik verbringen muss und nie wieder ganz geheilt wird. Maclet zieht Bilanz und zeigt 1945 eine große Ausstellung seiner Werke unter dem Titel AUTOUR DU MOULIN (dt: Rund um die Mühle, also das Quartier Montmartre). 1957 wird ihm in einer Pariser Galerie eine Retrospektive ausgerichtet, die zu einem Anstieg der Preise für seine Kunst führt. Inwieweit der Künstler von dieser Hausse profitiert ist unklar. Maclet stirbt in Paris und ist in Lihons neben seinen Eltern begraben.

RK

13.01.2022

Literatur

ELISÉE MACLET (1881–1962). LA VIE ET L'OEUVRE, hrsg. v. Gilbert-Jean Malgras, m. e. Vorwort v. Georges Blache u. Texetn v. Jean Cottel, Marcel Guicheteau, Alain Jacob, Paris: C.P.I.P, 1982

Martine Willot, Bertrand Willot: ÉLISÉE MACLET. LE DERNIER MONTMARTROIS. RÉCIT BIOGRAPHIQUE, hrsg. v. Galerie Villain, m. Texten v. Thierry u. Charlotte Maclet sowie u. Mitwirkung v. Jean-Paul Villain, Paris: La vie d'artiste AWD, 2006

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