Kunsthandlung Ludwig Schames



Anzeige aus: DAS KUNSTBLATT, H. 5, 1925, Bibliothek im Buchheim Museum der Phantasie


Ludwig Schames (1852–1922) kommt in Frankfurt am Main als Kind einer jüdischen Familie zur Welt. Zunächst absolviert er eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Paris und ist beeindruckt von der dortigen Kunstszene. 1885 kehrt er nach Frankfurt am Main zurück, wo er in das elterliche Geschäft für Bettfedern und Rosshaare einsteigt. Parallel hierzu beginnt er die in Paris aufgebauten Kontakte zu Malerfreunden auszubauen und Werke dieser Künstler zu sammeln. Gemeinsam mit Wilhelm S. Posen (Lebensdaten unbekannt) gründet er 1895 die »Kunsthandlung Posen & Schames« am Opernplatz 10 in Frankfurt am Main. Das Programm ist auf die Kunst der Moderne ausgerichtet mit einem Schwerpunkt auf Frankreich, aber auch deutsche Künstler werden ausgestellt. Ab 1906 führt Schames die Kunsthandlung als »Kunstsalon Ludwig Schames« alleine weiter. 1913 erfolgt ein Umzug an die Börsenstraße 2. Ausstellungskataloge seiner ab 1912 veranstalteten Ausstellungen dokumentieren sein Engagement als Förderer des deutschen Expressionismus. Besonders die Werke von Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) sowie Emil Nolde (1867–1956) werden regelmäßig in seinen Räumen gezeigt.
Als Ludwig Schames 1922 stirbt, kaufen sein Neffe Manfred Schames (1895–1955), gelernter Kaufmann, und dessen Frau Else, geb. Feist (Lebensdaten unbekannt), den Erben, Ludwigs Kindern Leon und Martha (Lebensdaten unbekannt), die Kunsthandlung ab. Er übernimmt in Nachfolge von Ludwig Schames ebenfalls die künstlerische Vertretung Kirchners. Ab 1928 muss Manfred Schames seine Geschäftsräume aufgrund finanzieller Einbrüche mehrmals verlegen. Als orthodoxer Jude erhält er 1933 offizielles Berufsverbot durch die Reichskammer der bildenden Künste. Er muss Kirchner bitten, Bilder und Zeichnungen zurückzunehmen. Nachweislich besitzt er jedoch noch Kunst. In der Progromnacht am 09.11.1938 wird Manfred Schames von den Nationalsozialisten verhaftet. Nachdem er im Dezember 1938 aus dem Internierungslager Buchenwald als »krank« entlassen wird, wird auch die Firma Schames aus dem Handelsregister gestrichen. Im Januar 1939 emigriert Manfred Schames zusammen mit seiner Familie nach Palästina. 1942 werden die in Deutschland in den Räumen einer Spedition verbliebenen Kunstwerke von der Gestapo beschlagnahmt und versteigert. Die Bemühungen des Ehepaars Schames und von ihren Erben um Entschädigung für entzogene Vermögenswerte, darunter auch den verlorenen Kunstbesitz, ziehen sich bis in die 1960er-Jahre. Nach wie vor gelten mindestens zwei Kunstwerke aus dem beschlagnahmten Besitz als verschollen und sind als solche auf Lostart.de gemeldet.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist kein Nachlass bekannt. Im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden haben sich Akten erhalten.

JL

20.10.2021

Ausstellungen

AUSSTELLUNG VON NEUEN GEMÄLDEN UND GRAFIK VON E. L. KIRHCNER 1916–1921. SCHWEIZER ARBEITEN VON E. L. KIRCHNER, Kunsthandlung Ludwig Schames, Frankfurt am Main, 22.01.1922–28.02.1922

Literatur

Andreas Hansert: »Freund und Vermittler der Expressionisten. Ludwig Schames und sein Frankfurter Kunstsalon«, in: EXPRESSIONISMUS IM RHEIN-MAIN-GEBIET. KÜNSTLER, HÄNDLER, SAMMLER, Ausst.-Kat. Museum Giersch, Frankfurt am Main (03.04.–17.07.2011), Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2011, S. 233–241