Auktionshaus Georg Horn


Zum Kasseler Auktionshaus Georg Horn, das nach der Einschätzung des Inhabers Georg Horn 700–800 Versteigerungen veranstaltet hat, wurde bisher kaum geforscht.
Johann Georg Hubert Horn (1885–?) kommt in Kassel zur Welt. Über seine Ausbildungsjahre ist bisher nichts bekannt. Ab Mitte 1912 wird er in der Mittel-Gasse 44, Kassel, als Versteigerer tätig. Spätestens 1925 ist er mit neuer Anschrift in der Oberen Karlstraße 21 gemeldet. 1926 zieht er ein paar Häuser weiter in die Obere Karlstraße 24. Zwischen 1929 und 1948 ist er in den Kasseler Adressbüchern als Auktionator in der Oberen Karlstraße 10 dokumentiert. Ab 1930 erweitert Horn seine geschäftlichen Tätigkeiten und wird auch als Makler und Taxator aktiv. 1935 bittet Horn in einem Schreiben an das Stadtverwaltungsgericht aufgrund der neu erlassenen Vorschriften um eine Konzession als Versteigerer im Polizeibezirk Kassel. Die Stadtverwaltung bestellt ihn ab 06.06.1935 als öffentlichen Versteigerer und ab 1937 als vereidigten Versteigerer. Den im Stadtarchiv Kassel erhaltenen Archivalien zu Horn nach verauktioniert er hauptsächlich Hausrat. Erst im Dezember 1939 erhält er die Versteigerungserlaubnis für Kunstgegenstände.
Während des Nationalsozialismus ist Horn laut der Recherchen des Kassler Vereins »Kassel-West – Stadtteilentwicklung im Vorderen Westen e. V.« für zahlreiche Versteigerungen von Objekten aus dem Besitz der aus Kassel deportierten Juden verantwortlich. Nachweislich wird im März 1944 der Hausrat der 1942 nach Piaski in Polen deportierten und dort verschollenen Martha Loeb (1882–1942) durch Horn zur Versteigerung angeboten. Die Stadt Kassel erwirbt dort das 1905 von Lovis Corinth (1858–1925) gemalte Porträt seines Sohnes Thomas (1904–1988) und Corinths »Fischerkind« für die Städtische Galerie. 1951 erfolgt die Restitution des Gemäldes »Baby Thomas« an die in den USA lebende Tochter Loebs, Hildegard Lieberg, geb. Loeb (1915–1972). Auktionskataloge des Auktionshauses Georg Horn sind im Stadtarchiv Kassel nicht überliefert.

JL