Galerie Goldschmidt-Wallerstein



Anzeige aus: DER QUERSCHNITT, H. 5, 1921, Bibliothek des Buchheim Museums der Phantasie


Der Kunsthistoriker Fritz Goldschmidt (1886 –1934) macht sich als ehemaliger Mitarbeiter des Kaiser-Friedrich-Museums in Berlin und nach einigen Jahren Erfahrung im Kunsthandel, in denen er die Auktions-Kataloge bei Rudolf Lepke und Cassirer/Helbing bearbeitet, 1919 in Berlin mit einer Galerie selbstständig. Er ist Fachmann für alte Skulpturen und Bronzen. Sein ehemaliger Kollege aus dem Kaiser-Friedrich-Museum, Victor Wallerstein (1879–1944), bis dato Mitarbeiter von Paul Cassirer, steigt im Herbst 1919 bei ihm als Sozius ein. 1920 gründen sie unter neuem Namen und mit neuer Adresse die gemeinsame Galerie »Dr. Fritz Goldschmidt und Dr. Victor Wallerstein« am Berliner Schöneberger Ufer 36a. Der Schwerpunkt liegt auf alten Gemälden, Skupturen und Bronzen. Aus Wallersteins persönlichen Beziehungen zu zeitgenössischen Künstlern wie Erich Heckel (1883–1970) und Oskar Kokoschka (1886–1980) ergibt sich die Gründung einer Abteilung der Moderne, die 1921 Eröffnung feiert. Das Ausstellungsprogramm bis 1927 umfasst sowohl Einzel- als auch Gruppenausstellungen mit Werken von Béla Czóbel (1883 –1976), Lyonel Feininger (1871–1956), Walter Gramatté (1879 –1929), Walter Helbig (1878–1968), Wassily Kandinsky (1866–1944), Anton Kerschbaumer (1885–1931), Paul Klee (1879–1940), Käthe Kollwitz (1867–1945), Emil Nolde (1867–1956), Christian Rohlfs (1849–1938) und Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976). Aufgrund ihrer Erfahrung mit Bronzen und Skulpturen bietet die Galerie auch zeitgenössischen Bildhauern wie Herbert Garbe (1888–1945), Gerhard Marcks (1889–1981), Gustav Heinrich Wolff (1886–1934) und Emy Roeder (1890–1971) ein Forum. Finanzielle Schwierigkeiten führen 1928 zu einem Umzug der Galerie in neue Räume in der Victoriastraße 21. Wie lange die beiden Kunsthistoriker ihr Unternehmen noch fortsetzen konnten, ist ungesichert. Victor Wallerstein, der ebenso wie Fritz Goldschmidt jüdischer Herkunft ist, emigriert 1935 nach Italien, wo er 1944 verstirbt. Rudolf Wacker berichtet von Wallersteins Privatsammlung, in der sich Bilder von den in der Galerie ausgestellten Künstlern befunden haben müssen. Über das Schicksal Fritz Goldschmidts ist nichts bekannt. Auf dem Keilrahmen des Gemäldes »Holzfäller im Wald« von Béla Czóbel, Inv. 0.00062, befindet sich ein Papier-Klebeetikett der Galerie.

JL

Literatur

DAS KUNSTBLATT, hrsg. v. Paul Westheim, 6. Jg., H. 3 (März), Potsdam: Gustav Kiepenheuer, 1922, S. 96–119 (Alois Schardt: Natur und Kunst in der neueren Malerei (Im Anschluß an die Feininger-Ausstellung bei Wallerstein/Goldschmidt, Berlin))

DAS KUNSTBLATT, hrsg. v. Paul Westheim, 7. Jg., H. 10 (Oktober), Potsdam: Verlag Gustav Kiepenheuer, 1923, S. 294–295 (Wirtschaftslage und Aussichten des Kunstmarktes)