Graphisches Kabinett J. B. Neumann



Anzeige aus: DER QUERSCHNITT, H. 5, 1921, Bibliothek des Buchheim Museums der Phantasie


Über die ersten Lebensjahre des in Skole, Galazien, geborenen Israel Ber Neumann (1887–1961) ist kaum etwas bekannt, eventuell war seine Familie im Hopfenhandel tätig. Als 18-Jähriger beginnt Neumann eine Ausbildung in einer Berliner Buchhandlung. Ein Aufenthalt in London, wo er in der Bibliothek des British Museums die Anfänge der Buchkunst studiert, bestärkt seine Leidenschaft für grafische Arbeiten. 1910 eröffnet er in Berlin auf dem Kurfürstendamm 33 seine erste Buch- und Kunsthandlung, das Graphische Kabinett J. B. Neumann, in dem er Grafik von zeitgenössischen deutschen und österreichischen Künstlern ausstellt. 1915 vollzieht er eine inhaltliche Trennung. Während die Buchhandlung am alten Standort bleibt, zieht er mit seiner Kunsthandlung in neue Räume auf den Kurfürstendamm 232. Diese weiht er mit einer Ausstellung des grafischen Werks von Edvard Munch ein. Nachdem 1918 in seinen Räumen die ersten tastenden Versuche einer dadaistische Lesung von Richard Huelsenbeck stattfinden, organisiert Neumann auch die erste Ausstellung mit Arbeiten von Künstlern des Dadaismus.
Anfang der 1920er-Jahre siedelt Neumann nach München über und eröffnet eine weitere Filiale in der Barer Straße 46. In Frankfurt und Düsseldorf kooperiert er mit ortsansässigen Galerien und in Bremen eröffnet er eine weitere Filiale. Aufgrund der zunehmenden Inflation verlässt Neumann Deutschland und emigriert 1923 nach New York. Sukzessive übernehmen Karl Nierendorf (1889–1947) die Leitung der Berliner Filiale und Günther Franke (1900–1976) die in München. Neumann gründet 1924 in New York die Galerie J. B. Neumann’s Print Room, die ab 1926 als New Art Circle Gallery firmiert und mit mehrjähriger Unterbrechung in den späten 1930er-Jahren bis 1953 besteht. Die Galerie wird zur Plattform des deutschen Expressionismus in den USA und zum Treffpunkt zeitgenössischer Künstler und Sammler. Neumann organisiert nicht nur Ausstellungen in seinen Räumlichkeiten, sondern zusammen mit Alfred Barr auch im Museum of Modern Art die erste Ausstellung moderner deutscher Künstler, in der er im Ausstellungskatalog allerdings nur als Leihgeber in Erscheinung tritt, »German Painting und Sculpture« (13.03.–26.04.1931).
Auch Conrad Felixmüller (1897–1977) profitierte von Neumanns Interesse für zeitgenössische Kunst, als dieser 1921 »einen Möbelwagen voller Bilder und einen hohen Stapel Grafik« von ihm erwirbt. Die Gemälde hinterlässt Neumann bei seiner Emigration als Lagerbestand Karl Nierendorf zur Rückgabe an den Künstler.


JL + CD