Sammlung Scheidt



Fotograf unbekannt; Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (Abt. 60)


Friedrich Arnhard Scheidt wird 1916 als Sohn des Textilfabrikanten Wilhelm Scheidt geboren und führt die Geschäfte des 1681 in Kettwig an der Ruhr gegründeten Unternehmens seit 1949 fort. Die zunehmende Konkurrenz von kostengünstigeren Tuchproduzenten aus dem Ausland führt 1962 zu der Schließung der Tuchfabrik und 1974 zu der Schließung der Kammgarnspinnerei. Das Unternehmen besteht heute noch als Grundstücksgesellschaft Kettwig mbH & Co. KG.
Scheidt sammelt bis zu seinem Lebensende vornehmlich zeitgenössische Kunst. Dem Autor des Werkverzeichnisses der Gemälde Noldes, Martin Urban, nach erwirbt er 1954 Noldes »Araber«. Bereits fünf Jahre später möchte er das Ölbild anscheinend veräußern, denn er liefert es 1959 bei dem Schweizer Auktionshaus Klipstein & Kornfeld zur Auktion 95 ein. Unverkauft geht es wieder an Scheidt zurück, bis es ihm 1971 in der Auktion 142 des Auktionshauses gelingt, es an Lothar-Günther Buchheim zu verkaufen.
Scheidt fördert auch zeitgenössische Künstler. In den 1960er-Jahren lernt er auf einer USA-Reise des Düsseldorfer Kunstvereins das Künstler-Paar Eva Hesse (1936–1970) und Tom Doyle (1928–2016) kennen und bietet ihnen die leerstehenden Räume seiner Fabrik als Atelier an, da er sich besonders für Doyles Steinarbeiten interessiert. Scheidt motiviert Eva Hesse, sich figuraler Kunst zu widmen. Im Gartenhaus von Scheidt entstehen ihre ersten skulpturalen Arbeiten. Zum hundertjährigen Bestehen des Heimat- und Verkehrsvereins Kettwig e.V. stiftet Scheidt für den Tuchmacherplatz der Stadt die Bronzeskulptur »Weberbrunnen« des Künstlers Wolfgang Liesen (geb. 1936), mit der sich Liesen auf die lange Tuchmachertradition der Stadt Kettwig, die eng an die Familien- und Unternehmensgeschichte Scheidts gekoppelt ist, bezieht. Friedrich Arnhard Scheidt stirbt 1999. Sein Nachlass befindet sich in der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln.

JL + CD