Interieur mit Frau auf Bett

Béla Czóbel

1922

Öl auf Leinwand

Bildmaß 97,0 x 87,0 cm
Rahmenmaß 101,0 x 92,0 x 6,0 cm


Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See


Inventarnummer: 0.00060

Alternativer Titel: Interior with Woman on Bed

Malerei, Ölfarben


Sammlungsbereich: Gemälde

Künstler: Czóbel


© VG Bild-Kunst, Bonn; Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg
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Beschreibung

Das Bild »Interieur mit Frau auf Bett« entsteht während Béla Czóbels früher Schaffensperiode 1922 in Berlin. Es ist die Darstellung eines Rauminneren. Eine Frau liegt ruhend auf einem Bett, das vertikal im Bildmittelgrund steht. Es ist eine kompositorisch geschickt angelegte Bildlinie, die den Blick des Betrachters auf die hinter dem Bett liegende türkis-blaue Wohnungstür lenkt. Die Tür ist geschlossen und setzt damit einen inhaltlichen Akzent der Begrenzung des Innenraums. Die Primärfarben, die Czóbel in dem Bild einsetzt, stehen in starkem Kontrast zu den schwarzen Umrandungen, die er für die Frauenfigur, aber auch für das Mobiliar im Zimmer nutzt.

Mit Beginn des Forschungsprojektes zur Provenienzforschung der Gemälde am Buchheim Museum konnte im Archiv des Buchheim Museums ein Typoskript identifiziert werden, in dem auf zwei Seiten mündliche Überlieferungen von Lothar-Günther und Diethild Buchheim zu den Erwerbungskontexten einiger Gemälde und Papierarbeiten ihrer Sammlung von einem unbekannten Autor dokumentiert wurden. Es sind Erinnerungsmomente, die oft nur stichwortartig oder in mündlicher Rede unter dem Titel »Erwerbungsgeschichten von Buchheim. LGB am 3.4.1998« zusammengefasst wurden. Die Archivalie stammt damit genau aus dem Jahr, in dem Lothar-Günther Buchheim vom 29.07. bis 18.10.1998 756 Objekte aus seiner Sammlung im Haus der Kunst in München ausstellt, darunter befindet sich auch »Interieur mit Frau auf Bett«. Angaben zur Herkunft dieses Bildes und aller anderen Werke finden sich im begleitenden Ausstellungskatalog nicht. Diethild Buchheim erinnert sich dem Typoskript nach aber, dass »die Czobels […] auch von Bernards« seien. Im Weiteren erläutert sie, dass Bernards Freunde von ihnen aus Paris seien. Dort hätte Lothar-Günther Buchheim auch eine Mappe mit Kaus-Lithografien entdeckt. Neben einem nicht genau bezifferten umfangreichen Konvolut an Litografien des Künstlers Max Kaus, erwirbt Lothar-Günther Buchheim vor September 1956 von dem Sammlerehepaar Käte (1883–?) und Victor Bernard (1888–?) mindestens auch das Gemälde »Drei Akte im Spiegel« von Otto Mueller. Die wenigen bisher im umfangreichen Archiv der Eheleute Buchheim aufgefundenen Briefe an das Ehepaar Bernard in Bellevue (Seine-et-Oise) datieren eine Bekanntschaft ab spätestens März 1958. Jedoch geben sie keine Auskunft über die Herkunft des Bildes.
Einige Jahr später, am 04.12.1963, gratuliert der Maler Hans Purrmann Lothar-Günther Buchheim jedoch zu dem Besitz dreier Bilder von Czóbel: er freue sich, »[...] dass Sie auch seine Bilder schön finden und sogar drei Bilder von ihm jetzt besitzen.« Aufgrund der zeitlichen Formulierung, die Purrmann in seinem Brief nutzt, wurde der Erwerbungszeitpunkt als »um/vor 04.12.1963« dokumentiert.

Recherchen zur Genese der Sammlung Robinson-Bernard erbrachten keine gesicherte Erkenntnis darüber, wann oder von wem Bernards dieses Interieurstück erwerben. Der Kurator des Czóbel-Museums in Szentendre (Ungarn) bestätigte, dass es nur sehr vereinzelt Archivmaterial über Czóbels Berliner Periode (1919–1925) und auch kein Werkstattbuch oder Inventar dieser Schaffenszeit gebe. Czóbels Werke werden in den 1920er-Jahren zwar in mehreren Berliner Galerien wie der Galerie Ferdinand Möller, in der Kunsthandlung Victor Hartberg, Kunsthandlung Alfred Heller, der Galerie Lutz & Co GmbH, der Galerie Lüders und der Kunsthandlung F. W. Brass ausgestellt, jedoch sind nur vereinzelt Kataloge zu diesen Ausstellungen überliefert, so dass eine eindeutige Identifizierung schwer fällt. Alfred Kuhn erwähnt in einer Ausstellungskritik über die Gruppenausstellung »Juryfreie Kunstschau«, die vom 19.09.–8.11.1925 im Landes-Ausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof in Berlin stattfindet, lobend einige Einlieferungen, darunter auch das Gemälde Czóbels »Interieur mit Frau«. Tatsächlich ist ein Gemälde mit genau diesem Titel in dem begleitenden Ausstellungskatalog unter Nr. 170 zusammen mit zwei anderen Gemälden Czóbels dokumentiert. Da aber Angaben wie Bildmaße, Bezeichnungen wie Signaturen oder das Entstehungsjahr fehlen, kann nicht eindeutig festgestellt werden, ob es sich bei dem 1925 in Berlin ausgestellten Gemälde um das Interieurstück des Buchheim Museum handelt.

Die Berliner Galerie Goldschmidt-Wallerstein stellt Czóbel regelmäßig ab 1921 aus. Bereits auf der Einladungskarte zur Eröffnungsausstellung der modernen Abteilung, die zwischen 1921–1927 besteht, wird der Künstler namentlich neben Erich Heckel, Otto Mueller, Max Pechstein und anderen erwähnt. Laut einer Pressemitteilung vom Juni 1921 erweitert sich dieser Kreis noch durch Namen wie »Lyonel Feininger, Oskar Kokoschka und einige andere wichtige Vertreter der jüngeren Generation«. Für eben auch Gemälde und Druckgrafik einiger der genannten Künstler wie Otto Mueller, Erich Heckel, Lyonel Feininger und Emy Röder, die die beide Galeristen auch porträtierte, tritt Käte Bernard als Leihgeberin mehrerer Ausstellung der National-Galerie in Berlin und dem Schlesischen Museum der Bildenden Künste in Breslau zwischen 1919 und 1931 in Erscheinung, so dass eine Beziehung zwischen dem Galeristen-Duo und dem Käte Robinson-Bernard – damals noch als Frau von Hugo Robinson – wahrscheinlich scheint.
Eine Rückseitenautopsie des »Interieurs mit Frau auf Bett« erbrachte keine bestätigenden oder weiterführenden Erkenntnisse über die Herkunft des Bildes. Lediglich die Reste eines Klebeetiketts verweisen darauf, dass das Gemälde zu einem unbekannten Zeitpunkt und von einem unbekannten Autor markiert wurde.

Da die Provenienz des Bildes zwischen 1933 bis 1945 trotz umfangreicher Recherchen nicht eindeutig geklärt werden konnte, muss es als nicht zweifelsfrei unbedenklich eingestuft werden. Die Herkunft muss nach derzeitigem Forschungsstand weiter erforscht werden, weswegen wir uns über weiterführende Hinweise freuen.

JL

Beschriftungen

rekto u. r. signiert und datiert (in schwarzer Farbe): Czobel 22
Keilrahmen (Rahmen als Keilrahmen verwendet) o. m. beschriftet (in Bleistift): Oben
Rückwand o. l. Klebeetikett (Inv.-Nr. später ergänzt, bedruckt und in schwarzem Filzstift beschriftet): 677 Béla Czobel / Interieur mit Frau auf Bett 1922 / * / Leinwand, 97:87 cm / bez.u.r.: Czobel 22 / 0.00060
Rückwand o. l. Klebeetikett (bedruckt): Bitte nicht öffnen und zurück an: / [Phönix] Buchheim Musuem der Phantasie / Am Hirschgarten 1 / 82347 Bernried / Fon: +49-8158-997020 / Fax: +49-8158-997061 / info@buchheimmuseum.de
Rückwand o. l. Klebeetikett (bedruckt): BUCHHEIM / MUSEUM [Phönix] / MIROGARD PROTECT / nicht abkleben / do not tape
Rückwand o. r. beschriftet (in schwarzem Filzstift): 0.00060
Rückwand u. l. beschriftet (in schwarzem Filzstift): Czobel / "Mitterew" [?]

Provenienz

[...]
o. D.–vor/um 04.12.1963: vmtl. Käte Bernard-Robinson (1883–?) und Victor Bernard (1888–?), Berlin/Bellevue (Seine-et-Oise)
vor/um 04.12.1963–22.02.2007: Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing, vmtl. erworben von Käte Bernard-Robinson (1883–?) und Victor Bernard (1888–?), Bellevue (Seine-et-Oise)
seit 22.02.2007: Buchheim Stiftung, Feldafing/Bernried, erworben im Erbgang von Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und in konkludenter Schenkung von Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing

JL

Sammlung Buchheim

Ausstellungen

CZÓBEL RECONSIDERED 3.0, Ferenczy Museum Centre, Szentendre, 04.05.2018–07.04.2019
EXPRESSIONISTEN. SAMMLUNG BUCHHEIM, Haus der Kunst, München, 29.07.1998–18.10.1998

Literatur

CZÓBEL. A FRENCH HUNGARIAN PAINTER, Ausst.-Kat. Ferenczy Museum, Szentendre (30.05.–31.08.2014), 2014, Kat. Nr. 146, Abb. S. 98
EXPRESSIONISTEN. SAMMLUNG BUCHHEIM, hrsg. i. Auftrag der »Freunde des Buchheim-Museums und der Buchheim Stiftung e. V.«, m. Texten von Christoph Vitali, Carla Schulz-Hoffmann, Hans Krieger, Clelia Segieth, Lothar-Günther Buchheim, Ellen Maurer, Ausst.-Kat. Haus der Kunst, München (29.07.–18.10.1998), Feldafing: Buchheim Verlag, 1998, Kat. Nr. 677
KUNSTCHRONIK UND KUNSTMARKT: WOCHENSCHRIFT FÜR KENNER UND SAMMLER, 59. Jg., H. 32 (07.11.1925), Erw. S. vmtl. 529
JURYFREIE KUNSTSCHAU. MALEREI, PLASTIK, GARTENSCHAU, Ausst.-Kat. Landes-Ausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, Berlin (19.09.1925–08.11.1925), Berlin: Mann-Verlag, 1925, Kat. Nr. evtl. 170

Weitere Werke des Künstlers