Zwei Boxer
Karl Röhrig (1886–1972)
um 1932
Bronze
Objektmaß 30,0 x 30,0 x 19,0 cm
Sammlung Joseph Hierling im Buchheim Museum der Phantasie
Inventarnummer: 2.00637
Alternativer Titel: Two Boxers
Objekt, Plastik
Sammlungsbereich:
Objekte
Künstler/in: Karl Röhrig
© Rechtsnachfolge des Künstlers; Foto: Waldemar Rejmer/Buchheim Museum
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Beschreibung
Die Bronzeplastik »Zwei Boxer« des Bildhauers Karl Röhrig zeigt zwei kämpfende männliche Figuren in einem dynamischen, körperlich angespannten Moment des Ringkampfs. Eine der beiden Personen holt nach vorne gelehnt zum Schlag aus, während sich die andere ausweichend nach hinten lehnt und mit erhobenem Arm versucht den Angreifer abzuwehren. Die Skulptur misst 30 × 30 × 19 cm und wurde im Guss an der Standplatte mit der Signatur »KR« versehen.Röhrigs Arbeit greift eine ästhetische und gesellschaftliche Perspektive auf: Im Umfeld der frühen 1930er-Jahre war der Boxsport als Symbol für körperliche Kraft, Disziplin und Konkurrenz im kulturellen Bewusstsein präsent — hier übersetzt in eine formale Skulptur, die Körperlichkeit und Spannung in Bronze einfängt. Das Objekt steht exemplarisch für die künstlerische Auseinandersetzung mit Körper- und Bewegungsformen zu jener Zeit.
Im schriftlichen Nachlass Röhrigs, der sich im Stadtarchiv München befindet, konnten wir keine Hinweise zu einer Ausstellungshistorie einer Plastik in Gips, Terrakotta oder Bronze mit dem Titel »Zwei Boxer« zu Röhrigs Lebzeiten finden. Auch auf der eigenhändigen Werkliste von Röhrig in Vorbereitung der monografischen Ausstellung KARL RÖHRIG UND DIE ANFÄNGE DER PROLETARISCH-REALISTISCHEN PLASTIK IN DEUTSCHLAND in der Neuen Münchner Galerie Dr. Hiepe im Januar 1972 tauchen die Boxer nicht auf. Dank der freundlichen Auskunft einer Mitarbeiterin des Von der Heydt-Museums in Wuppertal, wo sich ebenfalls ein Bronzeguss von »Zwei Boxer« von Karl Röhrig befindet, wissen wir, dass Röhrigs Nachlassverwalter, der Galerist Richard Hiepe (1930–1998), 1986 postum drei Güsse von einem Gips-Modell in der niederbayerischen Gießerei Slavko Oblak in Siegerstetten anfertigen ließ. Die dort gefertigten Bronzegüsse sind unnummeriert und im Guss mit »KR« signiert. Da es kein Werkverzeichnis zu Röhrigs bildnerischem Gesamtwerk gibt und sich auch in Röhrigs Nachlass nur vereinzelte Werkangaben befinden, kann nur vermutet werden, dass es sich aufgrund des Umstandes, dass der Sammler Joseph Hierling – Stifter der Bronzeplastik an die Buchheim Stiftung – diese zu einem undatierten Zeitpunkt von Hiepe erworben hat , um einen weiteren der drei 1986 angefertigten postumen Bronzegüsse handelt. Unterlagen zu dem Auftrag haben sich laut freundlicher telefonischer Auskunft der Gießerei Slavko Oblak nicht erhalten. Im Nachlass des Galeristen Hiepe, der sich im Archiv der Akademie der Künste in Berlin befindet, gibt es nach Prüfung der dortigen Mitarbeiterinnen keine Unterlagen zu Karl Röhrigs Werk. Wir bedanken uns für die entsprechende Auskunft.
Die Herkunftsrecherchen deuten darauf hin, dass das Entstehungsjahr dieses Bronzegusses der »Zwei Boxer« nach 1945 liegt, so dass ein NS-verfolgungsbedingter Entzug ausgeschlossen werden kann.
JL
28.01.2026
Beschriftungen
Standplatte m. r. signiert (im Guss): KRProvenienz
vmtl. 1986–o. J.: Neue Münchner Galerie Dr. Hiepe, München, vmtl. in Auftrag gegeben als postumer Bronzegusso. D.–2021: Joseph Hierling (geb. 1942), Tutzing, erworben von der Neuen Münchner Galerie Dr. Hiepe, München
seit 11.06.2021: Buchheim Stiftung, Feldafing/Bernried, erworben durch Zustiftung aus der Sammlung Joseph Hierling
JL
10.11.2025
Ausstellungen
AUSGESUCHT. WEITERE WERKE AUS DER SAMMLUNG, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 15.11.2025–15.03.2026Literatur
KARL RÖHRIG (1886–1972). KLEINE LEUTE. KARL RÖHRIG UND DIE AVANTGARDE DER SKULPTUR IN DEUTSCHLAND VON BARLACH BIS VOLL, hrsg. v. Erich Schneider, Ausst.-Kat. Kunsthalle Schweinfurt (15.07.–03.10.2011); Von der Heydt-Museum Wuppertal (01.04.–17.06.2012), 2011, Abb. S. 60Ingrid von der Dollen, Rainer Zimmermann, Gerhard Finckh: DIE SAMMLUNG JOSEPH HIERLING. EXPRESSIVER REALISMUS, Ausst.-Kat. Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt, 2009 [Schweinfurter Museumsschriften 166/2009, hrsg. v. Erich Schneider], Kat. Nr. 254, Abb. S. 266, Erw. S. 266
KARL RÖHRIG. 1886–1972: EIN LEBEN ZWISCHEN KUNSTGEWERBE UND ZEITKRITIK, Ausst.-Kat. Münchner Stadtmuseum, München (28.05.–29.08.1982), München: Stadtmuseum, 1982, Kat. Nr. 147, Abb. S. 56, Erw. S. 51

