Julius Himpel (1914–1985)

Roiderer



Foto: Helmut Stöckelhuber (Ausschnitt); Buchheim Museum, Bernried / Schenkung aus Privatbesitz


Der in Gauting bei München geborene Julius Himpel lernt nach seiner Schulzeit Porzellanmalerei in Berchtesgaden. Später studiert er bei Josef Hillerbrand (1892–1981) an der Akademie für angewandte Kunst in München. Ab 1937 dient Himpel als Gebirgsjäger, wird 1943 schwer verwundet und verliert ein Bein. Nach dem Krieg ermöglichen ihm Stipendien Reisen nach Frankreich, wo ihn besonders die Werke Paul Cézannes (1839–1906) und Georges Braques (1882–1963) beeindrucken. Ihre Kunst spiegelt sich in seinem Oeuvre ebenso wider wie die von Pablo Picasso (1881–1973), Henri Matisse (1869–1954) und Fernand Léger (1881–1955). Daneben reist Himpel mehrfach nach Italien, studiert die Frührenaissance und begeistert sich für die Fresken Pierro della Francescas (um 1410/20–1492) in Arezzo.

Von 1946 bis 1968 lehrt Himpel Freihandzeichnen und Kunstgeschichte an der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer und Schnitzer in Oberammergau. Parallel geht er immer seiner eigenen Kunst nach. Er fertigt eine Vielzahl von Zeichnungen, die er zu Themen wie »Antike«, »Dreißigjähriger Krieg«, »1001 Nacht« oder »Altes Testament« und »Neues Testament« ordnet. Ein Zyklus widmet sich dem bayerischen Landleben und dem geselligen Beisammensein in den Wirtshäusern, die er selbst ausgiebig frequentiert. Daneben entstehen Leinwandgemälde, angewandte Arbeiten und Wandmalereien. So gestaltet er beispielsweise acht Türen in der Volksschule Oberammergau. Seit 1948 ist Himpel als Illustrator, insbesondere für Kinderbücher tätig. Im Buchheim Verlag erscheinen zu Texten von Lothar-Günther Buchheim 1960 JACKIE, DAS RENNPFERD und 1961 ONKEL MAX. Andere Illustrationen veröffentlicht Himpel zu Erzählungen von Karl Heintz. Mit ihm zusammen verwirklicht er für den Bayerischen Rundfunk das Zeichenfilmprojekt »Der Osterhase von Ampfing«.

Bereits 1949 erhält Himpel im Gautinger Kunstverein eine große Ausstellung, die von seinem Nachbar, dem Kunsthistoriker Werner Haftmann (1912–1999), eingeleitet und von Carl Orff (1895–1982) musikalisch unterlegt wird. Zwei Jahre später zeigt er seine Arbeiten im Münchner Lenbachhaus, das einige seiner Werke erwirbt. Auch international ist Himpel an Ausstellungen beteiligt. So ist 1957/58 eines seiner Gemälde in der Ausstellung ARTE TEDESCA DAL 1905 AD OGGI in Rom und Mailand zu sehen, wo auch viele Gemälde der »Brücke«-Künstler aus der Sammlung Buchheim gezeigt werden.
1961 zieht Himpel nach Pöcking. Er stirbt nach einem selbst verursachten Autounfall bereits mit 70 Jahren in München und wird in Feldafing begraben.

RK

17.08.2021

Galerie

Ausstellungen

ARTE TEDESCA DAL 1905 AD OGGI. A CURA DELLA HAUS DER KUNST DI MONACO DI BAVIERA, Palazzo delle Esposizioni, Roma, 12/1957–01/1958

BAIRISCHE WIRTSHÄUSER. HANDZEICHNUNGEN VON JOHANNES ROIDERER, Stadtbücherei Schwabing-West, München, 16.01.1976–27.02.1976

DER WEG NACH GOLGATHA. BILDER VON JULIUS HIMPEL. AUSSTELLUNG ZUM LUTHERJAHR, Galerie im Landeskirchenamt, München, 18.06.1983–28.07.1983

JULIUS HIMPEL (1914–1985). BAYERISCHE WIRTSHAUSSZENEN. GEDÄCHTNISAUSSTELLUNG ZUM 85. GEBURTSTAG, Werdenfelser Heimatmuseum, Garmisch-Partenkirchen, 06.07.1999–15.10.1999

JULIUS HIMPEL. EIN BAYERISCHER KÜNSTLER ZEICHNET WELTTHEATER, Oberammergau Museum, Oberammergau, 06.09.2005–31.10.2005

JULIUS HIMPEL ZUM 100. GEBURTSTAG 1914–1985, Kunstverein Gauting e. V. im Rathaus, Gauting, 12.04.2014–11.05.2014

JULIUS HIMPEL 1914–1985, Rathaus Pöcking, Pöcking, 12.07.2014–20.07.2014

Literatur

Karl Heintz: DER FREMDE ZAUBERER, m. Bildern v. Julius Himpel, Ravensburg: Otto Maier Verlag, 1956

Karl Heintz: SPATZ PEPPERL, m. Bildern v. Julius Himpel, Ravensburg: Otto Maier Verlag, 1958

Lothar-Günther Buchheim: JACKIE, DAS RENNPFERD, m. Bildern v. Julius Himpel, Feldafing: Buchheim Verlag, [1960, Nachdruck]

Lothar-Günther Buchheim: ONKEL MAX, m. Bildern v. Julius Himpel, Feldafing: Buchheim Verlag, [1961, Nachdruck 2007]

Julius Himpel: DER SCHNEIDIGE JACOB, München: Georg Lentz Verlag, 1961

JULIUS HIMPEL. EIN BAYERISCHER KÜNSTLER ZEICHNET WELTTHEATER, m. Texten von Rudolf Härtl, Wilhelm Keller, Roland Lengauer, Ingrid Zimmermann, Michael Raab, Josef Blaschke, Helmut Dirnaichner, Roland Lengauer, Alfred Böschl, Helmut Stöcklhuber, Friedemann Gempf, Hubert Lang, Julius Himpel, Henning Prien, Franz J. Berchtold, Ausst.-Kat. Oberammergaumuseum (06.09.–31.10.2005)

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