Provenienzforschung

Am Buchheim Museum der Phantasie wird seit Oktober 2017 Provenienzforschung im Rahmen von Förderprojekten des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste (2 Förderjahre in Vollzeit) und der Landestelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (1 Förderjahr in Vollzeit) betrieben. Die Forschung findet auf Grundlage einer freiwilligen Selbstverpflichtung der privaten Buchheim Stiftung gegenüber der Washingtoner Erklärung von 1998 statt und dient der Identifizierung von NS-Raubkunst. Ab Februar 2022 richtet die Buchheim Stiftung eine unbefristete Teilzeitstelle ein, um die Forschung kontinuierlich fortzusetzen und damit einen aktiven Beitrag zur Klärung von Fragen zu unrechtmäßigen Entziehungen von Kulturgütern in Deutschland zu leisten.

Gegenstand des Haupt-Projektes waren seit einer zweiten Projektphase ab 01.10.2019 108 Gemälde der Klassischen Moderne aus der Sammlung des Buchheim Museums, die vor 1946 oder in unbekanntem Jahr entstanden sind und die nicht von der Hand Lothar-Günther Buchheims oder seiner Mutter, der Künstlerin Charlotte Buchheim (1891–1964), stammen. Ziel war die möglichst lückenlose Erforschung und nachhaltige Dokumentation der Vorbesitzer-Chronik dieser Gemälde für den Zeitraum 1933 bis 1945. Im Falle der Identifizierung von NS-verfolgungsbedingt entzogenen Gemälden wird eine faire und gerechte Lösung für die rechtmäßigen Eigentümer bzw. die heutigen Erben und das Museum angestrebt.

Im Unterschied zu öffentlichen Sammlungen verfügen Privatsammlungen selten über Inventarbücher. So ist es auch in der Sammlung Buchheim. In dem erst nach dem Tod Diethild Buchheims 2014 an die Stiftung vererbten Archiv bzw. der Privatbibliothek wurden bisher auch kaum Ankaufsunterlagen aufgefunden. So musste und muss zuvorderst der Erwerbungskontext der Kunstwerke durch das Ehepaar Buchheim recherchiert werden, um damit einen Ausgangspunkt für die Provenienzforschung zu ermitteln. Im Ergebnis konnten für 27 Gemälde konkrete Erwerbsnachweise sowie Vorbesitzer zwischen 1933 und 1945 identifiziert werden, so dass ein NS-verfolgungsbedingter Entzug ausgeschlossen werden konnte. Für 71 untersuchte Gemälde konnte die Provenienz für den Zeitraum zwischen 1933 bis 1945 jedoch nicht eindeutig geklärt werden. Für einige wenige, 8 Gemälde, erbrachten die Recherchen auch Hinweise auf einen möglichen NS-verfolgungsbedingten Entzug. Insbesondere für diese Werke werden die Recherchen priorisiert fortgesetzt. Seit Oktober 2019 wurden die beforschten Werke veröffentlicht, sobald die uns bis zu diesem Zeitpunkt bekannten Quellen ausgeschöpft waren. Alle Ergebnisse dieses Projekts stehen seit 01.02.2022 online. Dies geschieht zum einen, um transparent und weltweit zugänglich die Recherchen zu publizieren, zum anderen aber auch, um mit Hilfe der Öffentlichkeit Lücken in den Provenienzen schließen zu können.

Das große Projekt wurde durch ein ebenfalls gefördertes kurzfristiges Projekt unterbrochen, das die im Herbst 2018 gezeigte Ausstellung Dix & Pechstein. Der Erste Weltkrieg in Bildern mit vorbereitet hat. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse im Bereich NS-Raubkunst sind seit Oktober 2019 in der Online-Sammlungsdatenbank veröffentlicht.

Wir bedanken uns bei den Fördereinrichtungen, die diese Forschung überhaupt erst ermöglicht haben, und hoffen auch auf Unterstützung für das zukünftig geplante Projekt zur Identifizierung von NS-Raubkunst innerhalb eines Konvoluts von Papierarbeiten der Brücke-Künstler aus den Beständen des Buchheim Museums.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit und zur Wahrung des Datenschutzes wurde auf das Onlinestellen von Primärquellen verzichtet, verwendete Literatur ist mit den Objekten und handelnden Personen verknüpft. Gern erteilen wir auf Nachfrage weitere Auskunft.


Das Projekt Sammlung Online