Friedrich Karl Gotsch (1900–1984)

Friedrich Karl Müller



Fotograf unbekannt; Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Deutsches Kunstarchiv, NL Seel, Eberhard, I,B-47 (0001)


Friedrich Karl Müller wird in Pries, heute ein Stadtteil Kiels, geboren. Gotsch ist der Mädchenname seiner Mutter, den er ab Anfang der 1920er-Jahre als Künstlernamen verwendet. Durch die Nähe zu Dänemark wächst er zweisprachig auf. Nach seinem bestandenen Abitur meldet er sich 1917 freiwillig zu den Marinefliegern. Nach dem Krieg studiert er an der Universität Kiel Volkswirtschaft, Philosophie und Kunstgeschichte.
Seine künstlerische Ausbildung beginnt 1919 in der Malschule von Hans Ralfs (1883–1945), einem Kieler Expressionisten. Sie werden lebenslange Freunde. Hier lernt Gotsch die Kunst Edvard Munchs (1863–1944) kennen. Im selben Jahr nimmt Gotsch an einer Ausstellung im Kieler Kunsthaus teil. 1920 schreibt er sich an der Dresdner Kunstakademie ein. Zuerst studierte er bei Otto Hettner (1875–1931), anschließend als Meisterschüler bei Oskar Kokoschka (1886–1980). 1922 ermöglicht Kokoschka seinem Studenten einen einwöchigen Aufenthalt in St. Peter an der Nordsee. Ein Jahr später reist Gotsch, dank einer weiteren finanziellen Unterstützung seines Professors, in die USA, vornehmlich nach New York. Des Weiteren vermittelt Kokoschka Gotsch an den Fotografen Hugo Erfurth (1874–1948), der in Kiel eine Kunsthandlung eröffnet hat. Zur gleichen Zeit lernen sich Gotsch und Will Grohmann (1887–1968) kennen, der die erste Monografie zum Künstler schreibt. 1926 zieht Gotsch nach Paris und studiert dort an der Académie Colarossi. Zwei Jahre später reist er durch Italien und Südfrankreich. 1932 lebt er für kurze Zeit in München.
Bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 lebt Gotsch in Berlin. Er wird als »entarteter« Künstler diffamiert und erhält ein Ausstellungsverbot. In den kommenden Jahren lebt er von kleineren schriftstellerischen Tätigkeiten und Illustrationen für die Zeitung. Seine Freundschaften und Kontakte zu jüdischen und »kulturboltschewistischen« Personen, Künstlern und Kunsthändlern werden ihm zum Verhängnis. 1935 wird er von der Gestapo zum ersten Mal verhört. Er wird nach seinem Geständnis entlassen, aber daraufhin ständig kontrolliert. In dieser Zeit entstehen wenige Werke, die finanzielle Situation sowie fehlendes Malmaterial zwingen ihn, seine künstlerische Produktion fast vollständig zu beenden. Auch unterbinden die Nationalsozialisten die zwei Ausstellungen, die in der Galerie Nierendorf (1936) und der Galerie von der Heyden (1940) stattfinden sollen. 1939 wird er zum Kriegsdienst eingezogen und ist für die Überprüfung und Übersetzung von aus Skandinavien stammenden Briefen verantwortlich. Zunächst ist er in Berlin stationiert. Nach mehreren Versetzungen dient er in Dänemark, wo er Anfang 1945 in englische Kriegsgefangenschaft gerät. Er flüchtet zu Fuß nach Schleswig-Holstein und zieht nach St. Peter-Ording auf der Halbinsel Eiderstedt. Der Großteil seines Schaffens, das in seinem Atelier lagerte, wird durch einen Bombenangriff zerstört. Einige Werke wurden von Freunden ausgelagert, aber sie gelten bis heute als verschollen.
Bereits 1946 werden in der Hamburger Kunsthandlung Meyer Werke von Gotsch gezeigt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist er hauptsächlich kulturpolitisch aktiv. Gemeinsam mit dem Maler Ernst Witt (1901–1977) gründet er in St. Peter eine Zweigstelle der Hamburger Künstlervereinigung DER BAUKREIS mit einer kleinen Malschule. Gleichzeitig unterrichtet er in Hamburg. Erst ab 1951 beginnt er wieder, frei künstlerisch tätig zu werden und erhält große öffentliche Aufmerksamkeit. Von 1951 bis 1954 ist er im Kieler Kultursenat. 1955 erfolgt die erste große Einzelausstellung in der Kestner-Gesellschaft in Hannover, die nachfolgend in vielen weiteren Museen gezeigt wird. Er erhält viele Ehrungen, darunter 1962 den Villa-Romana-Preis und 1971 den Titel eines Ehrenprofessors von Schleswig-Holstein. Hanns Theodor Flemming (1915–2005) veröffentlicht 1963 eine weitere Monografie zum Künstler. Im Jahr darauf überschreibt Gotsch dem Genfer Kunstsammler Oscar Ghez (1905–1998) seine noch erhaltenen und alle zukünftigen Werke. Eine Entscheidung, die der Künstler bald darauf bereut. Es gelingt ihm, das Eigentum an seinen zukünftigen Werken zurückzuerlangen. 1968 wird die Friedrich-Karl-Gotsch-Stiftung gegründet, um das Schaffen des Künstlers öffentlich zu vertreten. Anlässlich seines 80. Geburtstags finden in Berlin, Bonn und Kiel Ausstellungen statt. Friedrich Karl Gotsch stirbt im Alter von 84 Jahren in Schleswig.

CD
Biografie

Friedrich Karl Müller wird in Pries, heute ein Stadtteil Kiels, geboren. Gotsch ist der Mädchenname seiner Mutter, den er ab Anfang der 1920er-Jahre als Künstlernamen verwendet. Durch die Nähe zu Dänemark wächst er zweisprachig auf. Nach seinem bestandenen Abitur meldet er sich 1917 freiwillig zu den Marinefliegern. Nach dem Krieg studiert er an der Universität Kiel Volkswirtschaft, Philosophie und Kunstgeschichte.
Seine künstlerische Ausbildung beginnt 1919 in der Malschule von Hans Ralfs (1883–1945), einem Kieler Expressionisten. Sie werden lebenslange Freunde. Hier lernt Gotsch die Kunst Edvard Munchs (1863–1944) kennen. Im selben Jahr nimmt Gotsch an einer Ausstellung im Kieler Kunsthaus teil. 1920 schreibt er sich an der Dresdner Kunstakademie ein. Zuerst studierte er bei Otto Hettner (1875–1931), anschließend als Meisterschüler bei Oskar Kokoschka (1886–1980). 1922 ermöglicht Kokoschka seinem Studenten einen einwöchigen Aufenthalt in St. Peter an der Nordsee. Ein Jahr später reist Gotsch, dank einer weiteren finanziellen Unterstützung seines Professors, in die USA, vornehmlich nach New York. Des Weiteren vermittelt Kokoschka Gotsch an den Fotografen Hugo Erfurth (1874–1948), der in Kiel eine Kunsthandlung eröffnet hat. Zur gleichen Zeit lernen sich Gotsch und Will Grohmann (1887–1968) kennen, der die erste Monografie zum Künstler schreibt. 1926 zieht Gotsch nach Paris und studiert dort an der Académie Colarossi. Zwei Jahre später reist er durch Italien und Südfrankreich. 1932 lebt er für kurze Zeit in München.
Bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 lebt Gotsch in Berlin. Er wird als »entarteter« Künstler diffamiert und erhält ein Ausstellungsverbot. In den kommenden Jahren lebt er von kleineren schriftstellerischen Tätigkeiten und Illustrationen für die Zeitung. Seine Freundschaften und Kontakte zu jüdischen und »kulturboltschewistischen« Personen, Künstlern und Kunsthändlern werden ihm zum Verhängnis. 1935 wird er von der Gestapo zum ersten Mal verhört. Er wird nach seinem Geständnis entlassen, aber daraufhin ständig kontrolliert. In dieser Zeit entstehen wenige Werke, die finanzielle Situation sowie fehlendes Malmaterial zwingen ihn, seine künstlerische Produktion fast vollständig zu beenden. Auch unterbinden die Nationalsozialisten die zwei Ausstellungen, die in der Galerie Nierendorf (1936) und der Galerie von der Heyden (1940) stattfinden sollen. 1939 wird er zum Kriegsdienst eingezogen und ist für die Überprüfung und Übersetzung von aus Skandinavien stammenden Briefen verantwortlich. Zunächst ist er in Berlin stationiert. Nach mehreren Versetzungen dient er in Dänemark, wo er Anfang 1945 in englische Kriegsgefangenschaft gerät. Er flüchtet zu Fuß nach Schleswig-Holstein und zieht nach St. Peter-Ording auf der Halbinsel Eiderstedt. Der Großteil seines Schaffens, das in seinem Atelier lagerte, wird durch einen Bombenangriff zerstört. Einige Werke wurden von Freunden ausgelagert, aber sie gelten bis heute als verschollen.
Bereits 1946 werden in der Hamburger Kunsthandlung Meyer Werke von Gotsch gezeigt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist er hauptsächlich kulturpolitisch aktiv. Gemeinsam mit dem Maler Ernst Witt (1901–1977) gründet er in St. Peter eine Zweigstelle der Hamburger Künstlervereinigung DER BAUKREIS mit einer kleinen Malschule. Gleichzeitig unterrichtet er in Hamburg. Erst ab 1951 beginnt er wieder, frei künstlerisch tätig zu werden und erhält große öffentliche Aufmerksamkeit. Von 1951 bis 1954 ist er im Kieler Kultursenat. 1955 erfolgt die erste große Einzelausstellung in der Kestner-Gesellschaft in Hannover, die nachfolgend in vielen weiteren Museen gezeigt wird. Er erhält viele Ehrungen, darunter 1962 den Villa-Romana-Preis und 1971 den Titel eines Ehrenprofessors von Schleswig-Holstein. Hanns Theodor Flemming (1915–2005) veröffentlicht 1963 eine weitere Monografie zum Künstler. Im Jahr darauf überschreibt Gotsch dem Genfer Kunstsammler Oscar Ghez (1905–1998) seine noch erhaltenen und alle zukünftigen Werke. Eine Entscheidung, die der Künstler bald darauf bereut. Es gelingt ihm, das Eigentum an seinen zukünftigen Werken zurückzuerlangen. 1968 wird die Friedrich-Karl-Gotsch-Stiftung gegründet, um das Schaffen des Künstlers öffentlich zu vertreten. Anlässlich seines 80. Geburtstags finden in Berlin, Bonn und Kiel Ausstellungen statt. Friedrich Karl Gotsch stirbt im Alter von 84 Jahren in Schleswig.

CD

Ausstellungen

FRIEDRICH-KARL GOTSCH. GEMÄLDE AQUARELLE GRAFIK, Kunstverein Hannover, Hannover, 19.01.1964–23.02.1964

Literatur

Peter Goeritz, Marion Leuba: FRIEDRICH KARL GOTSCH 1900–1984. WERKVERZEICHNIS DER GEMÄLDE, hrsg. v. Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum. Friedrich-Karl-Gotsch-Stiftung, Schleswig, 1992

Werke

Galerie


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