Carl Hofer (1878–1955)

Karl Christian Ludwig Hofer



ullstein bild – Frieda Riess


Der in Karlsruhe geborenen Carl Hofer absolviert nach dem Besuch der Volksschule eine kaufmännische Lehre in der Müller‘schen Buchhandlung in Karlsruhe. Seine künstlerische Ausbildung beginnt 1896 an der dortigen Akademie der bildenden Künste als Stipendiat. Er erhält Unterricht von Leopold Graf von Kalckreuth (1855–1928), Robert Poetzelberger (1856–1930) und Hans Thoma (1839–1924), dessen Meisterschüler er wird. Gemeinsam mit seinem Studienfreund Emil Rudolf Weiss (1875–1942) reist er nach Paris. Hier beschäftigt er sich intensiv mit der französischen Malerei, v. a. mit Paul Cézanne (1839–1906). Zeitgleich lernt er den Kunstkritiker Julius Maier-Graefe (1878–1935) kennen, der ein wichtiger Förderer wird. 1901 ist er wieder in Karlsruhe, da sein kurzfristiges Stipendium beendet wurde. Er begegnet Hans Reinhart (1880–1963), dessen Vater, der Kaufmann Theodor Reinhart (1849–1919), ein weiterer wichtiger Unterstützer Hofers wird. Dank der finanziellen Hilfe Reinharts kann Hofer die Meisterklasse von Kalckreuth an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart besuchen.
1903 zieht er nach Rom, wo er regen Kontakt zu anderen deutschen Kunstschaffenden hat, wie dem Bildhauer Hermann Haller (1880–1950) sowie dem Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin (1864–1945). 1908 zieht er nach Paris, wo er sich neue künstlerische Inspiration erhofft. Im Oktober 1910 kann er für mehrere Monate nach Indien reisen, da die Firma von Reinhart dort mehrere Zweigstellen hat. 1913 besucht er das Land erneut. Die Eindrücke dieser Reisen prägen seine bildlichen Motive der nächsten Jahre. Kurz nach seiner Rückkehr zieht er, den bevorstehenden Krieg ahnend, nach Berlin. 1914 organisiert Paul Cassirer (1871–1926) die erste umfangreiche Ausstellung zu seinem Schaffen
Den Sommer 1914 verbringt Hofer im nordfranzösischen Ambleteuse. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, gerät er in französische Gefangenschaft. Durch die Bemühungen Reinharts wird Hofer 1917 in die Schweiz entlassen. 1919 zieht er wieder nach Berlin. Die Zwanzigerjahre sind für ihn eine erfolgreiche Phase. 1920 folgt er dem Ruf der Berliner Kunsthochschule. 1923 wird er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, neun Jahre später sitzt er im dortigen Senat. 1927 wird er Jury-Mitglied des Carnegie Instituts, Pittsburgh, USA, und reist nun öfter durch die Vereinigten Staaten. Seine Bilder spiegeln seine Eindrücke dieser Zeit und zeigen ausgelassene Tänzer und Bar-Szenen. Anlässlich seines 50. Geburtstages finden zahlreiche Ausstellungen in Deutschland statt. Auch wird er in den Vorstand der »Berliner Secession« gewählt und Teil des erweiterten Vorstandes des »Deutschen Künstlerbundes«.
Erste Diffamierungen erfolgen bereits 1931 in der von Goebbels herausgegebenen Zeitschrift »Angriff«, die Hofer öffentlich missbilligt und sich damit klar gegen den aufkommenden Nationalsozialismus positioniert. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 endet Hofers Karriere abrupt. Er wird zusammen mit Oskar Schlemmer (1888–1943) und anderen Lehrern auf einem Plakat in der Kunsthochschule als »Vertreter des zersetzenden liberalistisch-marxistisch-jüdischen Ungeistes« diskreditiert. Daraufhin erfolgt seine Beurlaubung und 1934 seine Entlassung. 1937 werden über 300 seiner Werke aus den Depots der deutschen Museen konfisziert, wovon einige in der Ausstellung »Entartete Kunst« in München zu sehen sind. Er erhält ein Arbeits-, Ausstellungs- und Verkaufsverbot. 1938 wird er von der Preußischen Akademie ausgeschlossen. Trotz aller Einschränkungen kann er weiter malen und einige Bilder heimlich verkaufen. Seine Werke werden in zahlreichen nationalen und internationalen Galerien gezeigt, v. a. in der Berliner Galerie Nierendorf (1933, 1934, 1937 und 1938). In der Internationalen Gemäldeausstellung des Carnegie Instituts sind seine Bilder während des NS-Regimes regelmäßig zu sehen. Weitere amerikanische Institutionen präsentieren seine Werke. 1943 wird Hofers Berliner Atelier und darin unzählige seiner Werke durch einen Bombenangriff zerstört. Er kann im Sanatorium in Potsdam-Neubabelsberg bis zum Kriegsende einen Unterschlupf finden. In den kommen zwei Jahren malt er viele Zweitfassungen der zuvor vernichteten Bilder.
Kurz nach Kriegsende wird Hofer zum Direktor der Hochschule für Bildende Künste in Berlin und ist an deren Wiederaufbau maßgeblich beteiligt. Für kurze Zeit ist er Mitherausgeber der Zeitschrift »Bildende Kunst«. 1950 wird er Präsident des neu gegründeten »Deutschen Künstlerbundes«. Er erhält in den kommenden Jahren zahlreiche Ehrungen, drunter den Orden »Pour le Mérite« (1952) und das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1953). Sowohl national als auch international werden seine Werke ausgestellt. 1953 wird seine Autobiografie »Erinnerungen eines Malers« veröffentlicht. 1955 erleidet er mehrere Schlaganfälle und stirbt kurz darauf in Berlin.

CD
Biografie

Der in Karlsruhe geborenen Carl Hofer absolviert nach dem Besuch der Volksschule eine kaufmännische Lehre in der Müller‘schen Buchhandlung in Karlsruhe. Seine künstlerische Ausbildung beginnt 1896 an der dortigen Akademie der bildenden Künste als Stipendiat. Er erhält Unterricht von Leopold Graf von Kalckreuth (1855–1928), Robert Poetzelberger (1856–1930) und Hans Thoma (1839–1924), dessen Meisterschüler er wird. Gemeinsam mit seinem Studienfreund Emil Rudolf Weiss (1875–1942) reist er nach Paris. Hier beschäftigt er sich intensiv mit der französischen Malerei, v. a. mit Paul Cézanne (1839–1906). Zeitgleich lernt er den Kunstkritiker Julius Maier-Graefe (1878–1935) kennen, der ein wichtiger Förderer wird. 1901 ist er wieder in Karlsruhe, da sein kurzfristiges Stipendium beendet wurde. Er begegnet Hans Reinhart (1880–1963), dessen Vater, der Kaufmann Theodor Reinhart (1849–1919), ein weiterer wichtiger Unterstützer Hofers wird. Dank der finanziellen Hilfe Reinharts kann Hofer die Meisterklasse von Kalckreuth an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart besuchen.
1903 zieht er nach Rom, wo er regen Kontakt zu anderen deutschen Kunstschaffenden hat, wie dem Bildhauer Hermann Haller (1880–1950) sowie dem Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin (1864–1945). 1908 zieht er nach Paris, wo er sich neue künstlerische Inspiration erhofft. Im Oktober 1910 kann er für mehrere Monate nach Indien reisen, da die Firma von Reinhart dort mehrere Zweigstellen hat. 1913 besucht er das Land erneut. Die Eindrücke dieser Reisen prägen seine bildlichen Motive der nächsten Jahre. Kurz nach seiner Rückkehr zieht er, den bevorstehenden Krieg ahnend, nach Berlin. 1914 organisiert Paul Cassirer (1871–1926) die erste umfangreiche Ausstellung zu seinem Schaffen
Den Sommer 1914 verbringt Hofer im nordfranzösischen Ambleteuse. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, gerät er in französische Gefangenschaft. Durch die Bemühungen Reinharts wird Hofer 1917 in die Schweiz entlassen. 1919 zieht er wieder nach Berlin. Die Zwanzigerjahre sind für ihn eine erfolgreiche Phase. 1920 folgt er dem Ruf der Berliner Kunsthochschule. 1923 wird er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, neun Jahre später sitzt er im dortigen Senat. 1927 wird er Jury-Mitglied des Carnegie Instituts, Pittsburgh, USA, und reist nun öfter durch die Vereinigten Staaten. Seine Bilder spiegeln seine Eindrücke dieser Zeit und zeigen ausgelassene Tänzer und Bar-Szenen. Anlässlich seines 50. Geburtstages finden zahlreiche Ausstellungen in Deutschland statt. Auch wird er in den Vorstand der »Berliner Secession« gewählt und Teil des erweiterten Vorstandes des »Deutschen Künstlerbundes«.
Erste Diffamierungen erfolgen bereits 1931 in der von Goebbels herausgegebenen Zeitschrift »Angriff«, die Hofer öffentlich missbilligt und sich damit klar gegen den aufkommenden Nationalsozialismus positioniert. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 endet Hofers Karriere abrupt. Er wird zusammen mit Oskar Schlemmer (1888–1943) und anderen Lehrern auf einem Plakat in der Kunsthochschule als »Vertreter des zersetzenden liberalistisch-marxistisch-jüdischen Ungeistes« diskreditiert. Daraufhin erfolgt seine Beurlaubung und 1934 seine Entlassung. 1937 werden über 300 seiner Werke aus den Depots der deutschen Museen konfisziert, wovon einige in der Ausstellung »Entartete Kunst« in München zu sehen sind. Er erhält ein Arbeits-, Ausstellungs- und Verkaufsverbot. 1938 wird er von der Preußischen Akademie ausgeschlossen. Trotz aller Einschränkungen kann er weiter malen und einige Bilder heimlich verkaufen. Seine Werke werden in zahlreichen nationalen und internationalen Galerien gezeigt, v. a. in der Berliner Galerie Nierendorf (1933, 1934, 1937 und 1938). In der Internationalen Gemäldeausstellung des Carnegie Instituts sind seine Bilder während des NS-Regimes regelmäßig zu sehen. Weitere amerikanische Institutionen präsentieren seine Werke. 1943 wird Hofers Berliner Atelier und darin unzählige seiner Werke durch einen Bombenangriff zerstört. Er kann im Sanatorium in Potsdam-Neubabelsberg bis zum Kriegsende einen Unterschlupf finden. In den kommen zwei Jahren malt er viele Zweitfassungen der zuvor vernichteten Bilder.
Kurz nach Kriegsende wird Hofer zum Direktor der Hochschule für Bildende Künste in Berlin und ist an deren Wiederaufbau maßgeblich beteiligt. Für kurze Zeit ist er Mitherausgeber der Zeitschrift »Bildende Kunst«. 1950 wird er Präsident des neu gegründeten »Deutschen Künstlerbundes«. Er erhält in den kommenden Jahren zahlreiche Ehrungen, drunter den Orden »Pour le Mérite« (1952) und das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1953). Sowohl national als auch international werden seine Werke ausgestellt. 1953 wird seine Autobiografie »Erinnerungen eines Malers« veröffentlicht. 1955 erleidet er mehrere Schlaganfälle und stirbt kurz darauf in Berlin.

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Literatur

Karl Hofer: ERINNERUNGEN EINES MALERS, Berlin: F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung (Walter Kahnert), 1953
KARL HOFER 1878–1955, Ausst.-Kat. Staatliche Kunsthalle Berlin (16.04.–14.06.1978), Badischer Kunstverein e.V., Karlsruhe (01.08.–17.09.1978), Berlin: Heenemann, 1978
Karl Bernhard Wohlert: KARL HOFER. WERKVERZEICHNIS DER GEMÄLDE, Bd. 1, hrsg. v. Markus Eisenbeis, Köln: Van Ham Art Publications, 2007
Karl Bernhard Wohlert: KARL HOFER. WERKVERZEICHNIS DER GEMÄLDE, Bd. 3, hrsg. v. Markus Eisenbeis, Köln: Van Ham Art Publications, 2007
Karl Bernhard Wohlert: KARL HOFER. WERKVERZEICHNIS DER GEMÄLDE, Bd. 2, hrsg. v. Markus Eisenbeis, Köln: Van Ham Art Publications, 2008
Karl Bernhard Wohlert: KARL HOFER. WERKVERZEICHNIS DER GEMÄLDE, Supplement-CD der Bilddaten, hrsg. v. Markus Eisenbeis, Köln: Van Ham Art Publications, 2008
KARL HOFER. VON LEBENSSPUK UND STILLER SCHÖNHEIT, hrsg. v. Katharina Henkel im Auftrag der Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo, Ausst.-Kat. Kunsthalle Emden (11.02.–17.06.2012), Köln: Wienand, 2012

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