Franz Marc (1880–1916)

Franz Moritz Wilhelm Marc



Fotograf unbekannt; Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Deutsches Kunstarchiv, NL MarcFranz IA1-0116


Franz Marc wird in München als Sohn eines Malers geboren. Seine Mutter ist Elsässerin, die ihre Söhne zweisprachig erzieht. Marc will zunächst Pfarrer werden, schreibt sich dann an der Philosophischen Fakultät der Universität München ein. Nach seinem Militärdienst immatrikuliert er sich schließlich 1901 an der Kunstakademie München. Zunehmend widmet er sich aber dem Selbststudium und zeichnet auf der Staffelalm oberhalb von Kochel im bayerischen Voralpenland.

1903 kann er einen vermögenden Freund für mehrere Monate nach Paris begleiten. Er lernt die Kunst von Gustave Courbet (1819–1877) und Eugène Delacroix (1798–1863) kennen. Bei seiner Rückkehr bricht er das akademische Studium ab. 1906 reist er mit seinem Bruder nach Griechenland, im Jahr darauf erneut nach Paris. Diesmal beeindrucken ihn vor allem die Werke von Vincent van Gogh (1853–1890), Paul Gauguin (1848–1903) und August Rodin (1840–1917). Nach München zurückgekehrt, verdient er seinen Lebensunterhalt mit Unterricht in anatomischem Zeichnen.

1909 wird in der Modernen Galerie von Heinrich Thannhauser (1859–1934) und Franz Josef Brakl (1854–1935) die erste van-Gogh-Ausstellung in München gezeigt. Marc hilft bei der Installation und kann in der Folge auch eigene Werke bei den Galeristen ausstellen. 1910 lernt er August Macke (1887–1914) und wenig später dessen Mäzen Bernhard Koehler (1849–1927) kennen. Koehler sichert ihm im Tausch gegen Bilder ein monatliches Grundeinkommen. Marc zieht ins Voralpenland nach Sindelsdorf.

Nach dem Besuch der Ausstellungen der »Neuen Künstlervereinigung München« sucht Marc Kontakt zu Wassily Kandinsky (1866–1944), Alexej von Jawlensky (1864–1941), Gabriele Münter (1877–1962) und Marianne von Werefkin (1860–1938). 1911 wird er selbst Mitglied der Künstlervereinigung. Insbesondere mit Kandinsky verbinden ihn ähnliche Ansichten und künstlerische Intentionen. So verwundert es nicht, dass sie gemeinsam zur treibenden Kraft bei der Herausgabe des Almanachs DER BLAUE REITER werden. Selbst wird Marc 1912, bei dessen Erscheinen im Piper Verlag München, drei Aufsätze und drei Bilder beisteuern.

Im Dezember 1911 treten Marc, Kandinsky und Münter nach der Zurückweisung eines abstrakten Werks von Kandinsky für die Ausstellung der »Neuen Künstlervereinigung München« aus dieser aus. Marc und Kandinsky organisieren eine eigene, parallel stattfindende Ausstellung: Die 1. AUSSTELLUNG DER REDAKTION DER BLAUE REITER findet 1911/12 in der Galerie Thannhauser in München statt. Bei einem Berlinaufenthalt 1911 sucht Marc Kontakt zu dortigen Künstlerkreisen. So trifft er Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), Erich Heckel (1883–1970), Max Pechstein (1881–1955), Emil Nolde (1867–1956), Georg Tappert (1880–1957) und Wilhelm Morgner (1891–1917). Im Folgejahr wählt er auch bei den »Brücke«-Künstlern zahlreiche Grafiken für die zweite Ausstellung des »Blauen Reiter« aus. Diese reine Grafikausstellung findet im Februar und März 1912 in der neu gegründeten Galerie Hans Goltz in München statt. Ein zweiter Jahrgang des Almanachs erscheint nicht mehr.
Auf der bahnbrechenden Kölner SONDERBUNDAUSSTELLUNG ist Marc zwar mit fünf Arbeiten vertreten, im Vorfeld hatte es jedoch Konflikte mit der Kommission der Schau gegeben, die besonders ältere Werke des Künstlers ausgewählt hatte. Marc organisiert in Reaktion darauf gemeinsam mit Kandinsky die Ausstellung REFÜSIERTE BILDER DES SONDERBUNDES in der Sturm Galerie in Berlin. Ebenfalls 1912 findet in der Galerie Schames in Frankfurt eine Einzelausstellung Franz Marcs statt. Im Herbst besucht Marc gemeinsam mit August Macke Robert Delaunay (1885–1941) in Paris. Kubismus und Futurismus, die er bei der Kölner Sonderbundausstellung kennenlernt hatte, geben seiner Kunst neue Impulse. In Berlin lernt Marc Else Lasker-Schüler (1869–1945) kennen, zu der er eine enge Freundschaft entwickelt. 1913 ist er mit Macke im Organisationskomitee des ERSTEN DEUTSCHEN HERBSTSALONS in der Galerie Der Sturm. 1914 zieht Marc nach Ried bei Benediktbeuern. Bei Kriegsausbruch tritt er wie Macke direkt den Kriegsdienst an. Der Tod des Freundes nur wenige Monate darauf trifft ihn schwer. 1916 fällt er selbst auf einem Patrouillenritt bei Verdun. In der Münchener Neuen Secession und der Berliner Galerie Der Sturm werden ihm noch im selben Jahr Gedächtnisausstellungen eingerichtet.

Auf der Biennale von Venedig sind Marcs Werke 1928 zu sehen. Zum 20. Todestag des Künstlers wird ihm 1936 eine Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft Hannover ausgerichtet, die anschließend in den Galerien Nierendorf und von der Heyde in Berlin gezeigt wird. Darüber hinaus erscheint das von Alois Schardt (1889–1955) gemeinsam mit Marcs Witwe Maria (1876–1955) verfasste erste Werkverzeichnis. Nach dem Ende der Olympiade, während der sich Deutschland noch als tolerantes und weltoffenes Land präsentieren will, wendet sich jedoch auch das Blatt für die Kunst Franz Marcs. Obwohl der Künstler als Kriegsheld gefeiert wird, beschlagnahmt man das gerade erst erschienene Werkverzeichnis. 1937 werden in der Aktion »Entartete Kunst« ca. 150 seiner Werke in öffentlichen Sammlungen konfisziert. »Der Turm der blauen Pferde« wird auf der gleichnamigen Ausstellung zunächst diffamiert, später zwar abgenommen, Marcs Kunst bleibt aber geächtet.

Nach dem Tod von Maria Marc geht der Nachlass 1955 an die Galerie Stangl. Gemäß ihres Vermächtnisses werden einige Werke an bedeutende Museen geschenkt. Der schriftliche Nachlass wird 1973 vom Deutschen Kunstarchiv erworben und 2005 durch Schenkung nochmals erweitert. Seit 1986 befindet sich in Kochel am See das Franz Marc Museum. Auf dem Friedhof des Ortes fanden Franz und Maria Marc ihre letzte Ruhe.

RK

Ausstellungen

DIE NEUE SECESSION BERLIN. IV. AUSSTELLUNG. GEMÄLDE, Neue Secession, Berlin, 18.11.1911–31.01.1912

DIE NEUE SECESSION BERLIN. V. AUSSTELLUNG. ZEICHNENDE KÜNSTE. PLASTIK, Neue Secession, Berlin, 03/1912

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Kölnisches Stadtmuseum, Köln, 02.04.1981–31.05.1981

EXPRESSIONISTES ALLEMANDS. COLLECTION BUCHHEIM, Musée d'Art Moderne, Strasbourg, 28.06.1981–23.08.1981

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Kunsthalle zu Kiel Christian-Albrechts-Universtität, Kiel, 02.09.1981–18.10.1981

НЕМЕЦКИЕ ЭКСПРЕССИОНИСТЫ ИЗ СОБРАНИЙ ФРГ (DEUTSCHE EXPRESSIONISTEN AUS SAMMLUNGEN DER BRD), Ermitage, Leningrad, 19.11.1981–02.01.1982

НЕМЕЦКИЕ ЭКСПРЕССИОНИСТЫ ИЗ СОБРАНИЙ ФРГ (DEUTSCHE EXPRESSIONISTEN AUS SAMMLUNGEN DER BRD), Puschkin Museum der Bildenden Künste, Moskau, 22.01.1982–07.03.1982

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Mittelrheinisches Landesmuseum, Mainz, 28.03.1982–09.05.1982

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Lehmbruck Museum, Duisburg, 19.05.1982–04.07.1982

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Akademie der Künste, Berlin, 29.08.1982–24.10.1982

EXPRESSIONISTES ALEMANYS. COL-LECCIÓ BUCHHEIM, Centre Cultural de la Caixa de Pensions, Barcelona, 09.12.1982–30.01.1983

EXPRESIONISTAS ALEMANES. COLECCIÓN BUCHHEIM, Bibliotheca Nacional, Madrid, 10.02.1983–30.03.1983

EXPRESSIONISTS, COLLECTION BUCHHEIM – בוכהיים אוסף אקספרסיוניסטים , Tel Aviv Museum, Tel Aviv, 31.05.1983–31.07.1983

EKSPRESSIONISTEJA. KOKOELMA BUCHHEIM (EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM), Ateneumin taidemuseo, Helsinki, 12.08.1983–18.09.1983

EXPRESSIONISM. THE BUCHHEIM COLLECTION, Port of History Museum Penn's Landing, Philadelphia, 06.10.1983–26.11.1983

EXPRESSIONISM. THE BUCHHEIM COLLECTION, Elvehjem Museum of Art University of Wisconsin, Madison, 17.12.1983–29.01.1984

EXPRESSIONISM. THE BUCHHEIM COLLECTION, The Minneapolis Institute of Arts, Minneapolis, 12.02.1984–25.03.1984

DER DEUTSCHE EXPRESSIONISMUS. SAMMLUNG BUCHHEIM – ブーフハイム・コレクションによる ドイツ表現派展, Museum für Moderne Kunst der Präfektur Kanagawa, Kamakura, 07.04.1984–06.05.1984

DER DEUTSCHE EXPRESSIONISMUS. SAMMLUNG BUCHHEIM – ブーフハイム・コレクションによる ドイツ表現派展, Kunstmuseum der Präfektur Miyagi, Sendai, 12.05.1984–24.06.1984

DER DEUTSCHE EXPRESSIONISMUS. SAMMLUNG BUCHHEIM – ブーフハイム・コレクションによる ドイツ表現派展, Städtisches Kunstmuseum, Himeji, 30.06.1984–29.07.1984

DER DEUTSCHE EXPRESSIONISMUS. SAMMLUNG BUCHHEIM – ブーフハイム・コレクションによる ドイツ表現派展, Kunstmuseum der Präfektur Mie, Tsu, 18.08.1984–07.10.1984

EKSPRESSIONISME, BUCHHEIM-SAMLINGEN (EXPRESSIONISMUS, BUCHHEIM-SAMMLUNGEN), Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, 20.10.1984–06.01.1985

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Haus der Kunst, München, 16.03.1985–12.05.1985

ΓΕΡΜΑΝΟΙ ΕΞΠΡΕΣΙΟΝΙΣΤΕΣ ΣΥΛΛΟΓΗ ΜΠΟΥΧΑΙΜ (EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM), Pinacothèque Nationale, Musée Alexandre Soutzos, Athen, 07.10.1985–10.12.1985

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Kunstmuseum Luzern, Luzern, 01.07.1990–09.09.1990

EIN FEST FÜRS AUGE. BUCHHEIMS EXPRESSIONISTEN, Kunsthalle Emden Stiftung Henri und Eske Nannen Schenkung Otto van de Loo, Emden, 26.09.2015–17.01.2016

Literatur

IM KAMPF UM DIE KUNST. DIE ANTWORT AUF DEN »PROTEST DEUTSCHER KÜNSTLER«. MIT BEITRÄGEN DEUTSCHER KÜNSTLER, GALERIELEITER, SAMMLER UND SCHRIFTSTELLER, München: R. Piper & Co. Verlag, 1911, S. 75

DER BLAUE REITER, hrsg. v. Wassily Kandinsky u. Franz Marc, München: Piper & Co. Verlag, 1912, S. 1–4; 5–7; 8–12 (Geistige Güter Die »Wilden« Deutschlands Zwei Bilder)

DAS KUNSTBLATT, hrsg. v. Paul Westheim, 1. Jg., Weimar: Verlag Gustav Kiepenheuer, 1917, S. 72–80 (Walter Bombe: Franz Marc und der Expressionismus)

Alois Schardt: FRANZ MARC, Berlin: Rembrandt Verlag, 1936

FRANZ MARC. 1880–1916, m. Texten von Rosel Gollek, Johannes Langner, Frederick S. Levine, Carla Schulz-Hoffmann, Ausst.-Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München (27.08.–26.10.1980)

Claus Pese: FRANZ MARC. LEBEN UND WERK, Stuttgart, Zürich: Belser Verlag, 1989

FRANZ MARC. KRÄFTE DER NATUR. WERKE 1912–1915, hrsg. v. Erich Franz im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe Westfälisches Landesmuseum Münster, m. Texten von Erich Franz, Andrea Witte, Andrea Firmenich, Ursula Heiderich, Andreas Hüneke, Armin Zweite, Carla Schulz-Hoffmann, Peter-Klaus Schuster, Annegret Hoberg, Roland Mönig, Günter Meissner, Ausst.-Kat. Staatsgalerie moderner Kunst, München (02.12.1993–13.02.1994); Westfälisches Landesmuseum Münster (06.03.–15.05.1994), Ostfildern: Verlag Gerd Hatje, 1993

FRANZ MARC. DIE RETROSPEKTIVE, hrsg. v. Annegret Hoberg u. Helmut Friedel, m. Texten von Barbara Eschenburg, Annegret Hoberg, Isabelle Jansen, Ausst.-Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München (17.09.2005–08.01.2006), München, Berlin, London, New York: Prestel, 2005

Uwe Fleckner (Hrsg.): ANGRIFF AUF DIE AVANTGARDE. KUNST UND KUNSTPOLITIK IM NATIONALSOZIALISMUS, m. Texten v. Laura Lauzemis, Katrin Engelhardt, Gesa Jeuthe, Isgard Kracht, Berlin: Akademie-Verlag, 2007 (Schriften der Forschungsstelle »Entartete Kunst«, Bd. 1), S. 307–377 (Isgard Kracht: Verehrt und verfemt. Franz Marc im Nationalsozialismus)

FRANZ MARC. WERKVERZEICHNIS, hrsg. v. Annegret Hoberg und Isabelle Jansen für die Städtische Galerie im Lenbachhaus München und die Franz Marc Stiftung, Kochel am See, München: Verlag C. H. Beck, 2011

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