Emil Nolde (1867–1956)

Hans Emil Hansen



Fotograf unbekannt; akg-images


Nolde wird als Emil Hansen nahe der deutsch-dänischen Grenze geboren. In Flensburg absolviert er eine vierjährige Ausbildung zum Holzbildhauer und Möbelzeichner. 1892 geht er für fünf Jahre in die Schweiz, wo er im Industrie- und Gewerbemuseum St. Gallen einen Lehrauftrag erhält. Dort lernt er Hans Fehr (1874–1961) kennen, der ein lebenslanger Freund und Förderer wird. Der erfolgreiche Verkauf von Postkarten mit grotesken Gebirgsdarstellungen ermutigt Nolde, fortan als freier Künstler zu leben, und sichert zunächst seinen Lebensunterhalt.
In den folgenden Jahren reist Nolde viel und bildet sich künstlerisch weiter: In München besucht er die Malschule von Friedrich Fehr (1862–1927), in Dachau die von Adolf Hölzel (1853–1934). Anschließend studiert er an der Académie Julian in Paris. Ab 1900 lebt er in Kopenhagen und auf Jütland, 1902 zieht er nach Berlin. Die Sommer verbringt er auf der Ostseeinsel Alsen. 1902 legt er seinen Geburtsnamen Hansen ab und nennt sich seitdem nach seinem Geburtsort Nolde. 1906 werden einige seiner Werke in der Galerie Ernst Arnold in Dresden gezeigt, wo ihn die »Brücke«-Künstler entdecken. Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) bittet Nolde daraufhin, der »Brücke« beizutreten. Trotz Bedenken seinerseits wird er aktives Mitglied der Künstlergruppe und bleibt es bis 1907. Er lernt den Hamburger Kunstsammler Gustav Schiefler (1875–1935) kennen, der mit Edvard Munch (1863–1944) in Kontakt steht und beide miteinander bekannt macht. 1908 wird Nolde Mitglied der »Berliner Secession«, die 1910 das Gemälde »Pfingsten« zurückweist. Ein sich mehr und mehr verschärfender Konflikt mit dem Präsidenten Max Liebermann (1947–1935), führt zum Ausschluss Noldes, der daraufhin der »Neuen Secession« beitritt.
Im Oktober 1913 reist Nolde als inoffizielles Mitglied der »Medizinisch-demografischen Deutsch-Neuguinea-Expedition« in die deutschen Schutzgebiete der Südsee. Auf dieser Reise fertigt er zahlreiche Aquarelle und Skizzen an. Auf der Rückreise vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überrascht, erreicht er schließlich Alsen und kann dort, unbehelligt von den Kriegsereignissen, die Erlebnisse der Südsee-Reise in Gemälde umsetzen. 1916 verlegt er seine Sommeraufenthalte nach Utenwarf. Die Jahre zwischen den Kriegen sind für Nolde sehr erfolgreich: Zahlreiche Ausstellungen zeigen seine Arbeiten und mehrere Publikationen über sein Werk erscheinen. Er reist viel. 1920 wird er durch eine Grenzverschiebung zum dänischen Staatsbürger. 1926 kauft Nolde in Seebüll ein Grundstück und errichtet dort ab 1927 nach eigenen Plänen ein Sommerhaus. 1931 wird er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste.
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten begrüßt Nolde, der sich als urdeutscher Künstler wahrnimmt. Er versucht Mitglied des sogenannten »Kampfbundes« und damit anerkannter Staatskünstler zu werden. Sein Antrag wird jedoch abgelehnt. 1934 tritt Nolde der »Nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig« (NSAN) bei, die ein Jahr später Teil der NSDAP-Nord wird. Er unterschreibt, neben vielen weiteren Künstlern, den Hitler-begrüßenden »Aufruf der Kulturschaffenden«, der im Völkischen Beobachter am 17. August 1934 veröffentlicht wird.
Nach erfolgreichen Ausstellungen in diversen Galerien und kontinuierlichen Verkäufen seiner Werke wird seine Kunst schließlich offiziell als »entartet« bewertet. Mehr als 1000 Werke werden in den Depots der Museen konfisziert, knapp die Hälfte davon eine noch 1935/36 erworbene Sammlung seiner fast kompletten Druckgrafik im Folkwang-Museum in Essen. Mehr als 30 Exponate in der Ausstellung »Entartete Kunst« stammen von Nolde, darunter auch in Museen beschlagnahmte Leihgaben des Künstlers. Auf seine Parteimitgliedschaft verweisend gelingt es ihm schließlich, diese zurückzuerlangen und nicht mehr in der Femeschau gezeigt zu werden. Einige der eingezogenen Werke werden 1939 in der Galerie Fischer, Luzern, versteigert. Trotz allem verkauft er nach wie vor sehr erfolgreiche seine Werke. Sein Ausschluss aus der Reichskulturkammer 1941 bedeutet Berufs-, Verkaufs- und Ausstellungsverbot. 1944 wird Noldes Berliner Wohnung bei einem Bombenangriff zerstört, darin mehr als 3000 seiner Papierarbeiten sowie seine Sammlung von Werken befreundeter Künstler. Trotz alledem bleibt Nolde bis 1945 ein treuer Anhänger des nationalsozialistischen Regimes.
Nach Hitlers Selbstmord beginnt Nolde sich als Opfer und Verfolgter des Nationalsozialismus darzustellen. 1946 wird er vom Entnazifizierungsausschuss Kiel entlastet. Die wenigen Stimmen, die auf Noldes nationalsozialistische Gesinnung hinweisen, werden kaum gehört. Im Gegenteil sind seine Werke auf vielen nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen, darunter auf der documenta in Kassel und der Biennale in Venedig. Auch erhält er viele Ehrungen und Auszeichnungen. Bis zu seinem Tod lebt Nolde in Seebüll. Testamentarisch verfügt er die Gründung der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, in die sein gesamter Nachlass eingeht.

CD + RK
Biografie

Nolde wird als Emil Hansen nahe der deutsch-dänischen Grenze geboren. In Flensburg absolviert er eine vierjährige Ausbildung zum Holzbildhauer und Möbelzeichner. 1892 geht er für fünf Jahre in die Schweiz, wo er im Industrie- und Gewerbemuseum St. Gallen einen Lehrauftrag erhält. Dort lernt er Hans Fehr (1874–1961) kennen, der ein lebenslanger Freund und Förderer wird. Der erfolgreiche Verkauf von Postkarten mit grotesken Gebirgsdarstellungen ermutigt Nolde, fortan als freier Künstler zu leben, und sichert zunächst seinen Lebensunterhalt.
In den folgenden Jahren reist Nolde viel und bildet sich künstlerisch weiter: In München besucht er die Malschule von Friedrich Fehr (1862–1927), in Dachau die von Adolf Hölzel (1853–1934). Anschließend studiert er an der Académie Julian in Paris. Ab 1900 lebt er in Kopenhagen und auf Jütland, 1902 zieht er nach Berlin. Die Sommer verbringt er auf der Ostseeinsel Alsen. 1902 legt er seinen Geburtsnamen Hansen ab und nennt sich seitdem nach seinem Geburtsort Nolde. 1906 werden einige seiner Werke in der Galerie Ernst Arnold in Dresden gezeigt, wo ihn die »Brücke«-Künstler entdecken. Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) bittet Nolde daraufhin, der »Brücke« beizutreten. Trotz Bedenken seinerseits wird er aktives Mitglied der Künstlergruppe und bleibt es bis 1907. Er lernt den Hamburger Kunstsammler Gustav Schiefler (1875–1935) kennen, der mit Edvard Munch (1863–1944) in Kontakt steht und beide miteinander bekannt macht. 1908 wird Nolde Mitglied der »Berliner Secession«, die 1910 das Gemälde »Pfingsten« zurückweist. Ein sich mehr und mehr verschärfender Konflikt mit dem Präsidenten Max Liebermann (1947–1935), führt zum Ausschluss Noldes, der daraufhin der »Neuen Secession« beitritt.
Im Oktober 1913 reist Nolde als inoffizielles Mitglied der »Medizinisch-demografischen Deutsch-Neuguinea-Expedition« in die deutschen Schutzgebiete der Südsee. Auf dieser Reise fertigt er zahlreiche Aquarelle und Skizzen an. Auf der Rückreise vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überrascht, erreicht er schließlich Alsen und kann dort, unbehelligt von den Kriegsereignissen, die Erlebnisse der Südsee-Reise in Gemälde umsetzen. 1916 verlegt er seine Sommeraufenthalte nach Utenwarf. Die Jahre zwischen den Kriegen sind für Nolde sehr erfolgreich: Zahlreiche Ausstellungen zeigen seine Arbeiten und mehrere Publikationen über sein Werk erscheinen. Er reist viel. 1920 wird er durch eine Grenzverschiebung zum dänischen Staatsbürger. 1926 kauft Nolde in Seebüll ein Grundstück und errichtet dort ab 1927 nach eigenen Plänen ein Sommerhaus. 1931 wird er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste.
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten begrüßt Nolde, der sich als urdeutscher Künstler wahrnimmt. Er versucht Mitglied des sogenannten »Kampfbundes« und damit anerkannter Staatskünstler zu werden. Sein Antrag wird jedoch abgelehnt. 1934 tritt Nolde der »Nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig« (NSAN) bei, die ein Jahr später Teil der NSDAP-Nord wird. Er unterschreibt, neben vielen weiteren Künstlern, den Hitler-begrüßenden »Aufruf der Kulturschaffenden«, der im Völkischen Beobachter am 17. August 1934 veröffentlicht wird.
Nach erfolgreichen Ausstellungen in diversen Galerien und kontinuierlichen Verkäufen seiner Werke wird seine Kunst schließlich offiziell als »entartet« bewertet. Mehr als 1000 Werke werden in den Depots der Museen konfisziert, knapp die Hälfte davon eine noch 1935/36 erworbene Sammlung seiner fast kompletten Druckgrafik im Folkwang-Museum in Essen. Mehr als 30 Exponate in der Ausstellung »Entartete Kunst« stammen von Nolde, darunter auch in Museen beschlagnahmte Leihgaben des Künstlers. Auf seine Parteimitgliedschaft verweisend gelingt es ihm schließlich, diese zurückzuerlangen und nicht mehr in der Femeschau gezeigt zu werden. Einige der eingezogenen Werke werden 1939 in der Galerie Fischer, Luzern, versteigert. Trotz allem verkauft er nach wie vor sehr erfolgreiche seine Werke. Sein Ausschluss aus der Reichskulturkammer 1941 bedeutet Berufs-, Verkaufs- und Ausstellungsverbot. 1944 wird Noldes Berliner Wohnung bei einem Bombenangriff zerstört, darin mehr als 3000 seiner Papierarbeiten sowie seine Sammlung von Werken befreundeter Künstler. Trotz alledem bleibt Nolde bis 1945 ein treuer Anhänger des nationalsozialistischen Regimes.
Nach Hitlers Selbstmord beginnt Nolde sich als Opfer und Verfolgter des Nationalsozialismus darzustellen. 1946 wird er vom Entnazifizierungsausschuss Kiel entlastet. Die wenigen Stimmen, die auf Noldes nationalsozialistische Gesinnung hinweisen, werden kaum gehört. Im Gegenteil sind seine Werke auf vielen nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen, darunter auf der documenta in Kassel und der Biennale in Venedig. Auch erhält er viele Ehrungen und Auszeichnungen. Bis zu seinem Tod lebt Nolde in Seebüll. Testamentarisch verfügt er die Gründung der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, in die sein gesamter Nachlass eingeht.

CD + RK

Ausstellungen

EMIL NOLDE. DIE GROTESKEN, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 23.07.2017–15.10.2017
NOLDES GEBURTSTAGSFEIER, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 05.08.2017–13.08.2017

Literatur

Gustav Schiefler: DAS GRAPHISCHE WERK EMIL NOLDES BIS 1910, m. Bildern v. Emil Nolde, Normalausgabe, Berlin: Julius Bard Verlag, 1911
Emil Nolde: JAHRE DER KÄMPFE, 1. Aufl., Berlin: Rembrandt Verlag, 1934
Emil Nolde: JAHRE DER KÄMPFE 1902–1914, hrsg. v. Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, 2., bearb. Aufl., Flensburg: Christian Wolff Verlag, [1957]
Emil Nolde: WELT UND HEIMAT. DIE SÜDSEEREISE 1913–1918. GESCHRIEBEN 1936, hrsg. v. Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, Köln: Verlag M. DuMont Schauberg, 1965
Martin Urban: EMIL NOLDE. WERKVERZEICHNIS DER GEMÄLDE, Bd. 2 1915–1951, München: C. H. Beck, 1990
Gustav Schiefler, Christel Mosel: EMIL NOLDE. DAS GRAPHISCHE WERK, Bd. 1 Die Radierungen, hrsg. v. Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, erg. Neuaufl., Köln: Verlag M. DuMont Schauberg, 1995 (1966)
Gustav Schiefler, Christel Mosel, Martin Urban: EMIL NOLDE. DAS GRAPHISCHE WERK, Bd. 2 Holzschnitte, Lithographien, Hektographien, hrsg. v. Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, überarb. u. erg. Neuaufl., Köln: Verlag M. DuMont Schauberg, 1996 (1967)
KIRCHNER, SCHMIDT-ROTTLUFF, NOLDE, NAY ... BRIEFE AN DEN SAMMLER UND MÄZEN CARL HAGEMANN 1906–1940, hrsg. v. Hans Delfs, Mario-Andreas von Lüttichau, Roland Scotti, 2004

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