Hans Purrmann (1880–1966)

Hans Marsilius Purrmann



© Buchheim Stiftung, Bernried; Foto: Lothar-Günther Buchheim


Hans Purrmann wird in Speyer geboren. Nach einer kurzen Schulzeit beginnt er 1893 eine Lehre zum Stubenmaler im väterlichen Betrieb. In dieser Zeit entstehen erste Bilder vom Umland von Speyer. Anschließend besucht er die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. Hier lernt er Rudolf Levy (1875–1944) kennen. Ab 1897 setzt er sein Studium an der Münchner Akademie der Bildenden Künste fort. Zunächst ist er in der Zeichenklasse von Gabriel von Hackl (1843–1926), später in der Malklasse von Franz von Stuck (1863–1928). 1902 erhält er das Henry-Hilgard-Stipendium zur Förderung der Kunst und des Kunstgewerbes in der Pfalz. In seiner Studienzeit entstehen wichtige und langjährige Freundschaften, wie zu Wilhelm Wittmann (1845–1899), Eugen von Kahler (1882–1911) und Albert Weisgerber (1878–1915).
Dank Stucks Engagement kann Purrmann 1903/04 an den Frühjahrsausstellungen der »Münchener Secession« teilnehmen. Die Sommermonate 1903/04 besucht er Kahler in Svinar bei Prag. Hier entstehen einige Landschaftsdarstellungen. Den Winter 1904/05 verbringt Purrmann in Berlin und belegt Kurse an der Malschule von Arthur Lewin-Funcke (1866–1937). Der Berliner Kunsthändler Paul Cassirer (1871–1926) übernimmt die Vertretung des Künstlers. Purrmann wird Mitglied der »Berliner Secession«.
Im November 1905 zieht Purrmann nach Paris, wo er sich mit vielen seiner bereits übergesiedelten Freunde im Café du Dôme trifft. Hier beschäftigt er sich intensiv mit Henri Matisse (1869–1954) und der Malerei der Fauvisten und beginnt ihre Werke zu sammeln. Purrmann freundet sich mit der Familie Stein an, wichtigen Förderern der Pariser Avantgarde, und nimmt an ihren regelmäßigen Treffen teil. 1907 reist er gemeinsam mit Othon Friesz (1879–1949) nach L’Estaque bei Marseille, dem ehemaligen Künstlerdorf, um dort die Motive Paul Cézannes (1839–1906) zu entdecken. 1908 folgt eine gemeinsame Reise mit Matisse durch mehrere deutsche Städte. Im selben Jahr regen Purrmann und Sarah Stein (1870–1953) Matisse zur Gründung einer Malschule an. Purrmann übernimmt die Organisation der »Académie Matisse«. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges reist er durch Europa. So nutzt er einige Aufenthalte in Südfrankreich und Korsika, um zu malen. Auf seinen Reisen durch Deutschland, gemeinsam mit Matisse, England, gemeinsam mit Kahler, und die Niederlande besucht er viele Galerien und Museen und studiert die Kunst von Cézanne, William Turner (1755–1851) und Rembrandt (1606–1669).
Als der Erste Weltkrieg ausbricht, befindet sich Purrmann in Beilstein bei Heilbronn. Er verliert seine Wohnung und sein Atelier in Paris, wo viele Bilder seiner Sammlung gelagert sind. Er hält sich nun öfter in Stuttgart auf. Purrmann meldet sich freiwillig zum Militärdienst, wird aber wegen der seltenen Nervenerkrankung, die ihn seit seiner Geburt einschränkt, freigestellt. In den kommenden Jahren beschäftigt er sich intensiv mit Druckgrafik. Ab 1916 wohnt er wieder in Berlin und kann seine Werke erfolgreich verkaufen. 1918 findet die erste Einzelausstellung von Purrmanns Werken in der Galerie Cassirer statt.
1919 wird Purrmann Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Im selben Jahr kauft er ein Fischerhaus in Langenargen am Bodensee. Hier wird er sich bis 1935 regelmäßig aufhalten. 1922–1927 verbringt er die Wintermonate in Italien und Rom, wo er sich ein Atelier anmietet, und beschäftigt sich mit der italienischen Landschaft, der antiken Architektur und den alten Meistern, vor allem Tizian (um 1488–1576). Neben der Malerei veröffentlicht Purrmann viele Aufsätze, die sich mit dem aktuellen Kunstgeschehen auseinandersetzen. Sein künstlerisches Schaffen findet große öffentliche Aufmerksamkeit und ihm werden zahlreiche Einzelausstellungen ausgerichtet. Zum 50. Geburtstag erhält er den Ehrenpreis des Reichsministeriums des Inneren. Den Sommer 1930 verbringt Purrmann gemeinsam mit dem Malerkollegen Heinrich Brüne (1869–1945) in der provenzalischen Hafenstadt Sanary-sur-Mer, wo er äußert produktiv ist. 1931 erhält Purrmann den Auftrag, die Stirnseite des Tagungssaales im Kreistag zu Speyer zu gestalten. Als die Leinwände für das Triptychon Mitte 1932 fertiggestellt sind, werden sie in der Akademie der Künste in Berlin präsentiert. Kurz nach ihrer Anbringung im Tagungssaal erfolgt eine diffamierende Diskussion und die Forderung nach ihrer Abnahme. Sie werden schließlich mit einer Hakenkreuzfahne verhängt.
Weitere Diffamierungen folgen in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes. 1933 ist ein Werk Purrmanns in der Femeausstellung der Badischen Kunsthalle Karlsruhe, die als Vorläufer der späteren »Entartete Kunst«-Ausstellung gilt, zu sehen. Trotz der politischen Anfeindungen werden seine Bilder noch einige Male ausgestellt und zum Verkauf angeboten: 1934 im Kronprinzenpalais sowie in der Düsseldorfer Galerie Vömel und 1936 in der Galerie Nierendorf in Berlin. Mitte 1935 wird Purrmann in die Ankaufskommission der Staatlichen Museen zu Berlin berufen. Ende des Jahres wird er überraschenderweise Leiter der Deutschen Künstlerstiftung Villa Romana in Florenz. Unter den 13 Anwärtern befanden sich mehrere Nationalsozialisten, darunter ein vom Propagandaministerium gestellter Kandidat. 1937 werden knapp 50 seiner Werke als »entartet« beschlagnahmt. Für kurze Zeit werden drei Werke in der Ausstellung »Entartete Kunst« in München gezeigt. Einige der konfiszierten Werke erhält Bernhard Böhmer (1892–1945), der im Auftrag des Deutschen Reiches beschlagnahmte Kunstwerke gewinnbringend ins Ausland verkaufen soll. Bis zum Sturz Mussolinis am 25. Juli 1943 muss sich Purrmann vielen weiteren Angriffen aussetzen. Dennoch kann er weiterhin künstlerisch arbeiten, Kontakt zu anderen Malern, wie Leo von König (1871–1944), aufbauen und an einigen Ausstellungen teilnehmen.
Nach dem Tod Mussolinis werden alle Deutschen aufgefordert, Florenz zu verlassen. 1943 kann Purrmann in die Schweiz fliehen. Seinen gesamten Besitz, darunter seine Kunstsammlung, muss er zurücklassen. 1944 zieht er nach Montagnola bei Lugano, wo viele weitere Kunstschaffende Zuflucht finden, darunter Hermann Hesse (1877–1962). Purrmann lebt bis zu seinem Tod in Montagnola. Ab 1949 werden zahlreiche Ausstellungen organisiert, u. a. im Kunstmuseum Luzern und im Kunsthaus Zürich. Er wird Ehrenmitglied der Hochschule der Bildenden Künste in München. Anlässlich von Purrmanns 70. Geburtstag wird er zum Ehrenbürger von Speyer ernannt. Es erfolgt eine große Ausstellung seiner Werke im Kunstmuseum Luzern sowie eine Wanderausstellung durch mehrere deutsche Städte. Die erste Monografie, geschrieben von Edmund Hausen (1897–1963), dem ehemaligen Leiter des Kunstgewerbemuseums in Kaiserslautern, erscheint. Purrmann wird Jury-Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. Er nimmt seine schriftstellerische Tätigkeit wieder auf und veröffentlicht mehrere Beiträge. Bis zu seinem Tod reist er durch ganz Europa, besucht viele Ausstellungen und erhält weitere Ehrungen. Es folgen zahlreiche Retrospektiven zu seinem Gesamtwerk.

CD
Biografie

Hans Purrmann wird in Speyer geboren. Nach einer kurzen Schulzeit beginnt er 1893 eine Lehre zum Stubenmaler im väterlichen Betrieb. In dieser Zeit entstehen erste Bilder vom Umland von Speyer. Anschließend besucht er die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. Hier lernt er Rudolf Levy (1875–1944) kennen. Ab 1897 setzt er sein Studium an der Münchner Akademie der Bildenden Künste fort. Zunächst ist er in der Zeichenklasse von Gabriel von Hackl (1843–1926), später in der Malklasse von Franz von Stuck (1863–1928). 1902 erhält er das Henry-Hilgard-Stipendium zur Förderung der Kunst und des Kunstgewerbes in der Pfalz. In seiner Studienzeit entstehen wichtige und langjährige Freundschaften, wie zu Wilhelm Wittmann (1845–1899), Eugen von Kahler (1882–1911) und Albert Weisgerber (1878–1915).
Dank Stucks Engagement kann Purrmann 1903/04 an den Frühjahrsausstellungen der »Münchener Secession« teilnehmen. Die Sommermonate 1903/04 besucht er Kahler in Svinar bei Prag. Hier entstehen einige Landschaftsdarstellungen. Den Winter 1904/05 verbringt Purrmann in Berlin und belegt Kurse an der Malschule von Arthur Lewin-Funcke (1866–1937). Der Berliner Kunsthändler Paul Cassirer (1871–1926) übernimmt die Vertretung des Künstlers. Purrmann wird Mitglied der »Berliner Secession«.
Im November 1905 zieht Purrmann nach Paris, wo er sich mit vielen seiner bereits übergesiedelten Freunde im Café du Dôme trifft. Hier beschäftigt er sich intensiv mit Henri Matisse (1869–1954) und der Malerei der Fauvisten und beginnt ihre Werke zu sammeln. Purrmann freundet sich mit der Familie Stein an, wichtigen Förderern der Pariser Avantgarde, und nimmt an ihren regelmäßigen Treffen teil. 1907 reist er gemeinsam mit Othon Friesz (1879–1949) nach L’Estaque bei Marseille, dem ehemaligen Künstlerdorf, um dort die Motive Paul Cézannes (1839–1906) zu entdecken. 1908 folgt eine gemeinsame Reise mit Matisse durch mehrere deutsche Städte. Im selben Jahr regen Purrmann und Sarah Stein (1870–1953) Matisse zur Gründung einer Malschule an. Purrmann übernimmt die Organisation der »Académie Matisse«. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges reist er durch Europa. So nutzt er einige Aufenthalte in Südfrankreich und Korsika, um zu malen. Auf seinen Reisen durch Deutschland, gemeinsam mit Matisse, England, gemeinsam mit Kahler, und die Niederlande besucht er viele Galerien und Museen und studiert die Kunst von Cézanne, William Turner (1755–1851) und Rembrandt (1606–1669).
Als der Erste Weltkrieg ausbricht, befindet sich Purrmann in Beilstein bei Heilbronn. Er verliert seine Wohnung und sein Atelier in Paris, wo viele Bilder seiner Sammlung gelagert sind. Er hält sich nun öfter in Stuttgart auf. Purrmann meldet sich freiwillig zum Militärdienst, wird aber wegen der seltenen Nervenerkrankung, die ihn seit seiner Geburt einschränkt, freigestellt. In den kommenden Jahren beschäftigt er sich intensiv mit Druckgrafik. Ab 1916 wohnt er wieder in Berlin und kann seine Werke erfolgreich verkaufen. 1918 findet die erste Einzelausstellung von Purrmanns Werken in der Galerie Cassirer statt.
1919 wird Purrmann Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Im selben Jahr kauft er ein Fischerhaus in Langenargen am Bodensee. Hier wird er sich bis 1935 regelmäßig aufhalten. 1922–1927 verbringt er die Wintermonate in Italien und Rom, wo er sich ein Atelier anmietet, und beschäftigt sich mit der italienischen Landschaft, der antiken Architektur und den alten Meistern, vor allem Tizian (um 1488–1576). Neben der Malerei veröffentlicht Purrmann viele Aufsätze, die sich mit dem aktuellen Kunstgeschehen auseinandersetzen. Sein künstlerisches Schaffen findet große öffentliche Aufmerksamkeit und ihm werden zahlreiche Einzelausstellungen ausgerichtet. Zum 50. Geburtstag erhält er den Ehrenpreis des Reichsministeriums des Inneren. Den Sommer 1930 verbringt Purrmann gemeinsam mit dem Malerkollegen Heinrich Brüne (1869–1945) in der provenzalischen Hafenstadt Sanary-sur-Mer, wo er äußert produktiv ist. 1931 erhält Purrmann den Auftrag, die Stirnseite des Tagungssaales im Kreistag zu Speyer zu gestalten. Als die Leinwände für das Triptychon Mitte 1932 fertiggestellt sind, werden sie in der Akademie der Künste in Berlin präsentiert. Kurz nach ihrer Anbringung im Tagungssaal erfolgt eine diffamierende Diskussion und die Forderung nach ihrer Abnahme. Sie werden schließlich mit einer Hakenkreuzfahne verhängt.
Weitere Diffamierungen folgen in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes. 1933 ist ein Werk Purrmanns in der Femeausstellung der Badischen Kunsthalle Karlsruhe, die als Vorläufer der späteren »Entartete Kunst«-Ausstellung gilt, zu sehen. Trotz der politischen Anfeindungen werden seine Bilder noch einige Male ausgestellt und zum Verkauf angeboten: 1934 im Kronprinzenpalais sowie in der Düsseldorfer Galerie Vömel und 1936 in der Galerie Nierendorf in Berlin. Mitte 1935 wird Purrmann in die Ankaufskommission der Staatlichen Museen zu Berlin berufen. Ende des Jahres wird er überraschenderweise Leiter der Deutschen Künstlerstiftung Villa Romana in Florenz. Unter den 13 Anwärtern befanden sich mehrere Nationalsozialisten, darunter ein vom Propagandaministerium gestellter Kandidat. 1937 werden knapp 50 seiner Werke als »entartet« beschlagnahmt. Für kurze Zeit werden drei Werke in der Ausstellung »Entartete Kunst« in München gezeigt. Einige der konfiszierten Werke erhält Bernhard Böhmer (1892–1945), der im Auftrag des Deutschen Reiches beschlagnahmte Kunstwerke gewinnbringend ins Ausland verkaufen soll. Bis zum Sturz Mussolinis am 25. Juli 1943 muss sich Purrmann vielen weiteren Angriffen aussetzen. Dennoch kann er weiterhin künstlerisch arbeiten, Kontakt zu anderen Malern, wie Leo von König (1871–1944), aufbauen und an einigen Ausstellungen teilnehmen.
Nach dem Tod Mussolinis werden alle Deutschen aufgefordert, Florenz zu verlassen. 1943 kann Purrmann in die Schweiz fliehen. Seinen gesamten Besitz, darunter seine Kunstsammlung, muss er zurücklassen. 1944 zieht er nach Montagnola bei Lugano, wo viele weitere Kunstschaffende Zuflucht finden, darunter Hermann Hesse (1877–1962). Purrmann lebt bis zu seinem Tod in Montagnola. Ab 1949 werden zahlreiche Ausstellungen organisiert, u. a. im Kunstmuseum Luzern und im Kunsthaus Zürich. Er wird Ehrenmitglied der Hochschule der Bildenden Künste in München. Anlässlich von Purrmanns 70. Geburtstag wird er zum Ehrenbürger von Speyer ernannt. Es erfolgt eine große Ausstellung seiner Werke im Kunstmuseum Luzern sowie eine Wanderausstellung durch mehrere deutsche Städte. Die erste Monografie, geschrieben von Edmund Hausen (1897–1963), dem ehemaligen Leiter des Kunstgewerbemuseums in Kaiserslautern, erscheint. Purrmann wird Jury-Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. Er nimmt seine schriftstellerische Tätigkeit wieder auf und veröffentlicht mehrere Beiträge. Bis zu seinem Tod reist er durch ganz Europa, besucht viele Ausstellungen und erhält weitere Ehrungen. Es folgen zahlreiche Retrospektiven zu seinem Gesamtwerk.

CD

Ausstellungen

PURRMANN UND DER EXPRESSIONISMUS, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 02.04.2017–09.07.2017

Literatur

Christian Lenz, Felix Billeter: HANS PURRMANN. DIE GEMÄLDE. WERKVERZEICHNIS, Bd. 1 1895–1935, München: Hirmer Verlag, 2004
Christian Lenz, Felix Billeter: HANS PURRMANN. DIE GEMÄLDE. WERKVERZEICHNIS, Bd. 2 1935–1966, München: Hirmer Verlag, 2004
NEUE WEGE ZU HANS PURRMANN, hrsg. v. Felix Billeter, Christoph Wagner, Berlin: Gebr. Mann Verlag, 2016

Werke

Galerie


Weitere Künstler