Sitzende in rotem Kleid

Georg Tappert

um 1923

Öl auf Karton, auf Leinwand

Bildmaß 64,0 x 74,0 cm
Rahmenmaß 93,0 x 84,0 x 5,0 cm


Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See


Inventarnummer: 0.00080

Malerei, Ölfarben

KVZ/WVZ: Wietek 223


Sammlungsbereich: Gemälde

Künstler/in: Tappert


© VG Bild-Kunst, Bonn; Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg
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Beschreibung

Das in leuchtenden Primärfarben gemalte Porträt einer »Frau in rotem Kleid« von Georg Tappert ist im Werkverzeichnis von Gerhard Wietek (1923–2012) ohne Datierung geführt. Wietek ordnete es aber in eine Werkgruppe mit Porträts eines Modells »Fräulein Rosenberg« ein, die um 1923 entsteht. Dabei handelt es sich um eine Bekannte Tapperts und seiner ersten Frau, Kathleen Bagot (1890–1925), die er zwischen 1921 und 1923 in wechselnden Posen und Kostümen aus dem Varieté in mindestens 12 Gemälden und vielen Zeichnungen darstellt. In Tapperts Taschenkalender von 1921/22, überliefert im schriftlichen Nachlass von Georg Tappert im Deutschen Kunstarchiv Nürnberg, finden sich zwei Anschriften dieses Modells, eingetragen von Tappert 1921. Dort befinden sich auch Karteikarten von Wietek, die er für die Erarbeitung des Werkverzeichnisses zu den Gemälden von Georg Tappert mit Hilfe von Tapperts letzter Ehefrau, Annalise Tappert, geb. Friedrich (1932–2018), ab 1970 angelegt hat. Laut Auskunft von Gesa Bartholomeyczik, die mit Wietek eng zusammengearbeitetet hat und Kennerin von Tapperts Oeuvre ist, hatte der Künstler sein Werk bis zu seinem Tod 1957 unter Verschluss gehalten. Erst danach wird es, insbesondere durch das Engagement von Annliese Tappert in Zusammenarbeit mit Wietek, den sie in den 1950er-Jahren kennengelernt hatte, der Öffentlichkeit bekannt. So muss auch dieses Gemälde erst nach 1957, vielleicht sogar erst in den 1970er-Jahren durch den Nachlass in den Kunstmarkt gelangt sein, denn auf der Karteikarte zu Nr. 223 ist als Besitzer »Nachlass (Hamburg)« vermerkt. Der Zusatz mit Bleistift »an Blaeser« bezieht sich darauf, dass das Damenporträt an die Galerie Norbert Blaeser in Düsseldorf zum Verkauf weitergegeben wurde. Weiterhin hat Wietek für das Gemälde dokumentiert, dass die Leinwand 1974 neu aufgezogen wurde. Dieser Umstand und das Gründungsjahr der Galerie 1973 legen die Vermutung nahe, dass das Damenporträt erst nach 1974 an die Galerie zum Verkauf abgegeben worden ist.
Bartholomeyczik gibt weiterhin an, dass das Gemälde 1983 im Besitz der Galerie Erwin Raab, die heute nicht mehr existiert, in Thannhausen ist. Ob es von Nobert Blaeser an die Galerie verkauft wird oder ob es unbekannte Eigentümer zwischen diesen Stationen gibt, konnte im Rahmen des Forschungsprojektes nicht geklärt werden. Gesichert ist jedoch, dass das Bild ohne Angaben zu seiner Herkunft bei Christie’s in London am 02.12.1986 in der Auktion »Impressionist and Modern Watercolours and Drawings – Modern Paintings – Drawings and Sculpture« als Nr. 380 zum Verkauf angeboten wird. Dort bleibt es unverkauft und wird laut Auskunft einer Christie’s-Mitarbeiterin an den Einlieferer zurückgegeben. Vermutlich erwirbt Buchheim das Damenporträt zwei Jahre später, am 08.06.1988, bei Sotheby’s München als Nr. 106. Laut freundlicher Auskunft eines Mitarbeiters gibt es zu dieser Versteigerung jedoch keine Akten mehr im Archiv in München und auch im Privatarchiv der Eheleute Buchheim konnte bisher keine Rechnung für den Erwerb des Gemäldes gefunden werden.

Die Provenienz des Gemäldes für den Zeitraum von 1933 bis 1945 ist rekonstruierbar und unbedenklich. Sie schließt einen NS-verfolgungsbedingten Entzug aus, die Provenienz für diesen Zeitraum ist lückenlos, eine weitere Überprüfung ist nicht notwendig.

JL

Beschriftungen

Keilrahmen o. m. Nass-Stempel (um 180° gedreht, in Blau): N° [...]/65
Keilrahmen l. m. Nass-Stempel (in Blau): N° [...]/70
Keilrahmen u. m. l. beschriftet (in blauem Kugelschreiber): 9424 / R 9418
Keilrahmen u. m. Nass-Stempel (um 180° gedreht, in Schwarz): GK685
Keilrahmen u. r. beschriftet (in weißer Kreide): GK685 1[letzte Ziffer eingekreist, evtl. nur senkrechter Strich]

Provenienz

nach 1957: Nachlass (Hamburg)
vmtl. 1970-er Jahre: Galerie Norbert Blaeser, Düsseldorf, vmtl. in Kommission
[...]
1983: Galerie Erwin Raab, Thannhausen
[...]
02.12.1986: Christie's, London, Impressionist and Modern Watercolours and Drawings - Modern Paintings - Drawings and Sculpture, Nr. 380, unverkauft, an unbekannten Einlieferer zurück
[...]
08.06.1988: Sotheby's, München, Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts, Nr. 106
08.06.1988-22.02.2007: Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing, vmtl. erworben auf Sotheby's Auktion, München
seit 22.02.2007: Buchheim Stiftung, Feldafing/Bernried, erworben im Erbgang von Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und in konkludenter Schenkung von Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing

JL

Sammlung Buchheim

Ausstellungen

EXPRESSIONISTEN. SAMMLUNG BUCHHEIM, Haus der Kunst, München, 29.07.1998–18.10.1998

Literatur

EXPRESSIONISTEN. SAMMLUNG BUCHHEIM, hrsg. i. Auftrag der »Freunde des Buchheim-Museums und der Buchheim Stiftung e. V.«, m. Texten von Christoph Vitali, Carla Schulz-Hoffmann, Hans Krieger, Clelia Segieth, Lothar-Günther Buchheim, Ellen Maurer, Ausst.-Kat. Haus der Kunst, München (29.07.–18.10.1998), Feldafing: Buchheim Verlag, 1998, Kat. Nr. 756

DEUTSCHE KUNST DES 20. JAHRHUNDERTS, Sotheby's, München (08.06.1988), Kat. Nr. 106, Abb. S. o. P.

Impressionist And Modern Paintings And Sculptures (Part II), Christie's, London, 02.12.1986, Kat. Nr. 380, Abb. S. 107, Erw. S. 107

Gerhard Wietek: GEORG TAPPERT. EIN WEGBEREITER DER DEUTSCHEN MODERNE 1880–1957, München: Verlag Karl Thiemig AG, 1980, Kat. Nr. 223, Abb. S. 192