Hiltgund von Debschitz (1921–2017)

Hiltgund Gebhardt



Fotograf unbekannt; Familienbesitz


Hiltgund Gebhardt wird in Cham im Bayerischen Wald als Tochter des dortigen Säge- und Hobelwerkdirektors in ein musisch interessiertes Elternhaus geboren. 1937/38 nimmt sie Privatstunden in Bildhauerei und Zeichnen beim Reformpädagogen Albrecht Leo Merz (1884–1967). Dieser hatte eine Kunstschule in Stuttgart betrieben, die er auf staatliche Verordnung 1933 schließen musste. Bei Kriegsausbruch muss Debschitz ihre Ausbildung abbrechen. Sie heiratet 1940 den Maler und Grafiker Dietrich von Debschitz (1901–1972), Sohn des Gründers der Münchner Debschitzschule, an der auch Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) ein Semester studiert hatte.
Nach dem Krieg lebt Hiltgund von Debschitz am Chiemsee. 1949 beginnt sie mit ersten Malereien, dekoriert, angeregt von bayerischen Bauernschränken ihre Küchenmöbel mit Stillleben. Als sie 1950 eine Ausstellung amerikanischer »naiver Kunst« sieht, begeistert sie sich vor allem für die Werke von Grandma Moses (1860–1961). Sie beginnt eine Serie mit Bildern der Bayerischen Schlösser, mit Klöstern und Winterbildern, auch Ansichten von Paris und Venedig entstehen. 1954 hat sie eine erste Ausstellung in der Galerie Gurlitt in München. Wolfgang Gurlitt (1888–1965) unterstützt sie einige Jahre, indem er ihr monatlich ein Bild abkauft. Er ist der Anreger ihrer Kinderporträts, ein Thema, das sie bis zum Lebensende nicht mehr loslässt. Regelmäßig beteiligt Debschitz sich an den jährlichen Sommerausstellungen der Gemeinschaft Bildender Künstler aus dem Chiemgau. 1970 nimmt sie an einer Ausstellung zu naiver, surrealistischer und phantastischer Kunst im Kunstsalon Wolfsberg in Zürich teil. 1984 richtet ihr ihre Geburtsstadt Cham eine Einzelschau aus.
Ab 1955 unternimmt Debschitz ausgedehnte Reisen nach Frankreich, Italien, die Niederlande und Jugoslawien. 1970 beginnt sie vermehrt zu zeichnen. Detaillierte Naturstudien und andere Federzeichnungen entstehen. Ab 1974 verbringt Hiltgund von Debschitz das Sommerhalbjahr auf der Kykladeninsel Paros, wo sie ab 1978 auch wieder bildhauerisch tätig wird. In den 1990er-Jahren beginnt sie eine Serie unter dem Titel »Just Play«, in der sie die auf ihrer Terrasse aus Strandgut gefügten Stillleben in Skizzen, Ölkreidezeichnungen oder Gemälde umsetzt. Ab Beginn der 2000er-Jahre lebt sie wieder ganzjährig am Chiemsee und entdeckt mit der Fertigung von Quilts die Abstraktion für sich. 2006 und 2011 werden ihre textilen Arbeiten gemeinsam mit frühen Werken und Bildern aus der »Just Play«-Serie im Werkstattatelier Michael Feuchtmeir in Rimsting ausgestellt. Hiltgund von Debschitz stirbt in München.

RK
Biografie

Hiltgund Gebhardt wird in Cham im Bayerischen Wald als Tochter des dortigen Säge- und Hobelwerkdirektors in ein musisch interessiertes Elternhaus geboren. 1937/38 nimmt sie Privatstunden in Bildhauerei und Zeichnen beim Reformpädagogen Albrecht Leo Merz (1884–1967). Dieser hatte eine Kunstschule in Stuttgart betrieben, die er auf staatliche Verordnung 1933 schließen musste. Bei Kriegsausbruch muss Debschitz ihre Ausbildung abbrechen. Sie heiratet 1940 den Maler und Grafiker Dietrich von Debschitz (1901–1972), Sohn des Gründers der Münchner Debschitzschule, an der auch Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) ein Semester studiert hatte.
Nach dem Krieg lebt Hiltgund von Debschitz am Chiemsee. 1949 beginnt sie mit ersten Malereien, dekoriert, angeregt von bayerischen Bauernschränken ihre Küchenmöbel mit Stillleben. Als sie 1950 eine Ausstellung amerikanischer »naiver Kunst« sieht, begeistert sie sich vor allem für die Werke von Grandma Moses (1860–1961). Sie beginnt eine Serie mit Bildern der Bayerischen Schlösser, mit Klöstern und Winterbildern, auch Ansichten von Paris und Venedig entstehen. 1954 hat sie eine erste Ausstellung in der Galerie Gurlitt in München. Wolfgang Gurlitt (1888–1965) unterstützt sie einige Jahre, indem er ihr monatlich ein Bild abkauft. Er ist der Anreger ihrer Kinderporträts, ein Thema, das sie bis zum Lebensende nicht mehr loslässt. Regelmäßig beteiligt Debschitz sich an den jährlichen Sommerausstellungen der Gemeinschaft Bildender Künstler aus dem Chiemgau. 1970 nimmt sie an einer Ausstellung zu naiver, surrealistischer und phantastischer Kunst im Kunstsalon Wolfsberg in Zürich teil. 1984 richtet ihr ihre Geburtsstadt Cham eine Einzelschau aus.
Ab 1955 unternimmt Debschitz ausgedehnte Reisen nach Frankreich, Italien, die Niederlande und Jugoslawien. 1970 beginnt sie vermehrt zu zeichnen. Detaillierte Naturstudien und andere Federzeichnungen entstehen. Ab 1974 verbringt Hiltgund von Debschitz das Sommerhalbjahr auf der Kykladeninsel Paros, wo sie ab 1978 auch wieder bildhauerisch tätig wird. In den 1990er-Jahren beginnt sie eine Serie unter dem Titel »Just Play«, in der sie die auf ihrer Terrasse aus Strandgut gefügten Stillleben in Skizzen, Ölkreidezeichnungen oder Gemälde umsetzt. Ab Beginn der 2000er-Jahre lebt sie wieder ganzjährig am Chiemsee und entdeckt mit der Fertigung von Quilts die Abstraktion für sich. 2006 und 2011 werden ihre textilen Arbeiten gemeinsam mit frühen Werken und Bildern aus der »Just Play«-Serie im Werkstattatelier Michael Feuchtmeir in Rimsting ausgestellt. Hiltgund von Debschitz stirbt in München.

RK

Ausstellungen

HILTGUND VON DEBSCHITZ, Galerie Wolfgang Gurlitt, München, 12/1960

HILTGUND VON DEBSCHITZ, Siemens & Halske, München, 05/1962

HILTGUND VON DEBSCHITZ. GSTADT, CHIEMSEE. ÖLBILDER, Galerie Wolfgang Gurlitt, München, 23.07.1964–17.08.1964

INTERNATIONALE NAIVE MALEREI, Galerie Wolfgang Gurlitt, München, 13.11.1969–03.01.1970

NAIVE, SURREALISTISCHE UND PHANTASTISCHE KUNST, Kunstsalon Wolfsberg, Zürich, 08.01.1970–31.01.1970

NAIVE MALEREI, Schloss Schönau, Bad Säckingen, 07–08/1974

HILTGUND VON DEBSCHITZ, Städtische Galerie im Cordonhaus, Cham, 04.03.1984–31.03.1984

STRAND-GUT. GEMÄLDE UND GRAPHIKEN VON HILTGUND VON DEBSCHITZ, Heimatverein Dießen und Umgebung e. V. im Taubenturm, Dießen, 07.03.1992–15.03.1992

Werke

Galerie


Weitere Künstler