Werner Scholz (1898–1982)

Werner Ferdinand Ehrenfried Scholz



Fotograf unbekannt; Nachlass Werner Scholz


Werner Scholz wird als Sohn eines Architekten und einer Pianistin in Berlin geboren. 1916 beginnt er ein Studium an der dortigen Hochschule für bildenden Künste, meldet sich aber kurz darauf zum Kriegsdienst nach Frankreich. Er wird schwer verwundet und verliert den linken Unterarm. Nach dem Krieg setzt er sein Studium fort und bezieht ein Atelier am Nollendorfplatz.

Scholz begeistert sich für die Kunst der »Brücke«-Künstler und vor allem für Emil Nolde (1867–1956), der eines seiner Werke erwirbt. 1925 zeigt die Buch- und Kunsthandlung Ferdinand Ostertag in Berlin seine Werke in einer Einzelausstellung. Zu Beginn der 1930er-Jahre stellen ihn viele der namhaften Galerien für zeitgenössische Kunst aus: 1930 die Galerie Neumann-Nierendorf, Berlin, 1931 die Galerie Schames in Frankfurt und Herbert Tannenbaums (1892–1952) Kunsthaus in Mannheim, 1933 die Galerie für neue Kunst Fides in Dresden und die Galerie von der Heyde in Berlin. Auch in Museen wird seine Kunst gezeigt, so im Bauhaus in Dessau und im Essener Museum Folkwang. Die Nationalgalerie in Berlin und das Walraff-Richartz-Museum in Köln kaufen Werke von ihm an.

Schon früh erkennt Scholz die Gefahr für eine freie Gesellschaft, die vom Nationalsozialismus ausgeht. Seine sozial engagierte expressive Kunst tritt für ein anderes Weltbild ein. Als letzte Erwerbung in der Zeit des Nationalsozialismus kauft der Verein der Freunde der Nationalgalerie 1935 ein Gemälde von Werner Scholz an, das Direktor Eberhard Hanfstaengl (1886–1973) auch noch im Kronprinzenpalais, der modernen Abteilung der Nationalgalerie, ausstellt. Doch Scholz‘ Kunst wird in der Folge diffamiert, 1937 erhält er Ausstellungsverbot. Seine Werke in öffentlichem Besitz werden beschlagnahmt und auf den Ausstellungen »Entartete Kunst« an den Pranger gestellt. Der Kunsthändler Curt Valentin (1902–1954), einer von Scholz‘ frühen Förderern, emigriert als rassisch Verfolgter in die USA und zeigt dort bereits 1938 Werke von Scholz in einer Ausstellung seiner neu gegründeten Galerie in New York. 1939 verlässt Scholz Berlin und zieht nach Alpbach in Tirol. Sein Berliner Atelier behält er bis zu dessen Zerstörung 1944 im Bombenhagel bei.

Nach dem Krieg werden Scholz‘ Arbeiten wieder gezeigt. Die Galerie Günther Franke in München oder das Kunstkabinett von Hanna Bekker vom Rath widmen ihm kurz nach dem Krieg Einzelausstellungen. Auch in Amerika würdigt man sein Schaffen in musealen Einzelausstellungen. 1948 widmet Adolf Behne (1885–1948) Werner Scholz einen Band der von ihm herausgegebenen Reihe »Kunst der Gegenwart«. 1954/55 malt Scholz im Auftrag von Krupp sein »Stahl-Tryptichon« und weitere Bilder mit Industriethemen. In den Jahren darauf ist Scholz‘ Kunst in Ausstellungen im Karl Ernst Osthaus-Museum in Hagen, dem Museum Folkwang in Essen und dem Wallraff-Richartz-Museum in Köln zu sehen. 1968 veröffentlicht der Philosoph Hans-Georg Gadamer (1900–2002) eine Monografie zu Scholz.

Werner Scholz stirbt in Alpbach in Tirol.

RK

12.11.2021

Ausstellungen

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Kölnisches Stadtmuseum, Köln, 02.04.1981–31.05.1981

EXPRESSIONISTES ALLEMANDS. COLLECTION BUCHHEIM, Musée d'Art Moderne, Strasbourg, 28.06.1981–23.08.1981

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Kunsthalle zu Kiel Christian-Albrechts-Universtität, Kiel, 02.09.1981–18.10.1981

НЕМЕЦКИЕ ЭКСПРЕССИОНИСТЫ ИЗ СОБРАНИЙ ФРГ (DEUTSCHE EXPRESSIONISTEN AUS SAMMLUNGEN DER BRD), Ermitage, Leningrad, 19.11.1981–02.01.1982

НЕМЕЦКИЕ ЭКСПРЕССИОНИСТЫ ИЗ СОБРАНИЙ ФРГ (DEUTSCHE EXPRESSIONISTEN AUS SAMMLUNGEN DER BRD), Puschkin Museum der Bildenden Künste, Moskau, 22.01.1982–07.03.1982

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Mittelrheinisches Landesmuseum, Mainz, 28.03.1982–09.05.1982

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Lehmbruck Museum, Duisburg, 19.05.1982–04.07.1982

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Akademie der Künste, Berlin, 29.08.1982–24.10.1982

EXPRESSIONISTES ALEMANYS. COL-LECCIÓ BUCHHEIM, Centre Cultural de la Caixa de Pensions, Barcelona, 09.12.1982–30.01.1983

EXPRESIONISTAS ALEMANES. COLECCIÓN BUCHHEIM, Bibliotheca Nacional, Madrid, 10.02.1983–30.03.1983

EXPRESSIONISTS, COLLECTION BUCHHEIM – בוכהיים אוסף אקספרסיוניסטים , Tel Aviv Museum, Tel Aviv, 31.05.1983–31.07.1983

EKSPRESSIONISTEJA. KOKOELMA BUCHHEIM (EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM), Ateneumin taidemuseo, Helsinki, 12.08.1983–18.09.1983

EXPRESSIONISM. THE BUCHHEIM COLLECTION, Port of History Museum Penn's Landing, Philadelphia, 06.10.1983–26.11.1983

EXPRESSIONISM. THE BUCHHEIM COLLECTION, Elvehjem Museum of Art University of Wisconsin, Madison, 17.12.1983–29.01.1984

EXPRESSIONISM. THE BUCHHEIM COLLECTION, The Minneapolis Institute of Arts, Minneapolis, 12.02.1984–25.03.1984

DER DEUTSCHE EXPRESSIONISMUS. SAMMLUNG BUCHHEIM – ブーフハイム・コレクションによる ドイツ表現派展, Museum für Moderne Kunst der Präfektur Kanagawa, Kamakura, 07.04.1984–06.05.1984

DER DEUTSCHE EXPRESSIONISMUS. SAMMLUNG BUCHHEIM – ブーフハイム・コレクションによる ドイツ表現派展, Kunstmuseum der Präfektur Miyagi, Sendai, 12.05.1984–24.06.1984

DER DEUTSCHE EXPRESSIONISMUS. SAMMLUNG BUCHHEIM – ブーフハイム・コレクションによる ドイツ表現派展, Städtisches Kunstmuseum, Himeji, 30.06.1984–29.07.1984

DER DEUTSCHE EXPRESSIONISMUS. SAMMLUNG BUCHHEIM – ブーフハイム・コレクションによる ドイツ表現派展, Kunstmuseum der Präfektur Mie, Tsu, 18.08.1984–07.10.1984

EKSPRESSIONISME, BUCHHEIM-SAMLINGEN (EXPRESSIONISMUS, BUCHHEIM-SAMMLUNGEN), Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, 20.10.1984–06.01.1985

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Haus der Kunst, München, 16.03.1985–12.05.1985

ΓΕΡΜΑΝΟΙ ΕΞΠΡΕΣΙΟΝΙΣΤΕΣ ΣΥΛΛΟΓΗ ΜΠΟΥΧΑΙΜ (EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM), Pinacothèque Nationale, Musée Alexandre Soutzos, Athen, 07.10.1985–10.12.1985

EXPRESSIONISTEN, SAMMLUNG BUCHHEIM, Kunstmuseum Luzern, Luzern, 01.07.1990–09.09.1990

Literatur

Adolf Behne: WERNER SCHOLZ. VIERUNDFÜNFZIG BILDER, Potsdam: Eduard Stichnote, 1948 (Kunst der Gegenwart, hrsg. v. Adolf Behne)

Hans-Georg Gadamer: WERNER SCHOLZ, Recklinghausen: Verlag Aurel Bongers, 1968

Ursula Peters: »Bannung des Dämons. Das Gemälde ›Teufel‹ von Werner Scholz aus dem Jahr 1946«, in: KULTURGUT, 2. Quartal 2005, S. 6–8

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