Leo von König (1871–1944)

Freiherr Friedrich Wilhelm Edgar Leo von König



Foto: Willy Römer; © bpk / Kunstbibliothek, SMB, Photothek Willy Römer


Leo von König wird in Braunschweig in die Adelsgeschlechter der Freiherren von König und derer von Cramm geboren. Sein Vater ist preußischer General der Kavallerie. In seiner Kindheit und Jugend zieht die Familie oft um, nach Potsdam, Berlin und schließlich nach Hamburg. Als sich abzeichnet, dass der Sohn keine Offizierslaufbahn einschlagen möchte, unterstützen die Eltern sein Ziel, Künstler zu werden. In Hamburg beginnt er 1887 eine Lehre beim Bildhauer Carl Boerner (1828–1905) und besucht die Kunstgewerbeschule. Anschließend wird von König Schüler an der Berliner Zeichenschule von Ernst Hancke (1834–1914) und in der Vorbereitungsklasse für die Akademie von Franz Lippisch (1859–1941). 1889 wird er an der Königlichen Kunstschule angenommen und studiert dort bis 1893.

1894 geht von König für drei Jahre nach Paris und besucht dort Kurse an der Académie Julian. Nach mehreren Reisen und wechselnden Wohnsitzen lässt er sich 1900 in Berlin nieder. 1901 wird er Mitglied der »Berliner Secession« und 1905 des »Deutschen Künstlerbunds«. Seit 1904 mit Julius Meier-Graefe (1867–1935) befreundet, reist von König 1908 gemeinsam mit ihm nach Portugal und Spanien.

Von 1909–11 steht Leo von König einer Meisterklasse an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin vor. 1910 wird er in den Vorstand der »Berliner Secession« gewählt, tritt am Ende des Jahres nach schwierigen Auseinandersetzungen innerhalb der Vereinigung jedoch aus der Secession aus. 1912 zieht er in ein Haus am Schlachtensee, für das Georg Kolbe (1877–1947) mehrere Skulpturen fertigt. Wegen eines Herzleidens wird von König vom Kriegsdienst befreit. 1915 wird er erneut Mitglied der »Berliner Secession« und engagiert sich kurz darauf auch wieder im Vorstand, 1927 wird er »Obmann des Vorstands«. Nach der Neubildung der »Berliner Secession« 1934 wird er als erster Vorsitzender vorgeschlagen und gewählt. Zeitlebens setzt von König sich für Stilpluralismus ein und engagiert sich für junge Künstler, indem er sie auch persönlich durch Ankäufe oder Zuwendungen unterstützt.

Aus Anlass seines 60. Geburtstags erscheinen mehrere Publikationen , und in der Nationalgalerie wird der Künstler mit einer Ausstellung gewürdigt. 1932 zieht von König nach Charlottenburg. Drei Jahre später wird er in den Vorstand des »Deutschen Künstlerbunds« gewählt und in die Kommission für die Ausstellung Berliner Kunst in München berufen. Nachdem viele der für die Schau ausgewählten Werke wieder entfernt worden waren, kündigt er ebenso wie seine Kollegen Georg Kolbe und Arno Breker (1900–1991) seine Mitarbeit an dem Projekt auf. Nichtsdestotrotz ist er 1936 Mitglied der Kommission für die Kunstausstellung anlässlich der Olympiade in Berlin und auch selbst mit einem Gemälde darin vertreten. Führende Nationalsozialisten wie Joseph Goebbels (1897–1945) oder Bernhard Rust (1883–1945) lassen sich von ihm porträtieren. Zu seinem 65. Geburtstag erscheint eine Monografie des Freundes Reinhold Schneider (1903–1958). Bei der Eröffnung der ersten Großen Deutschen Kunstausstellung beschädigt Adolf Hitler (1889–1945) mutwillig ein dort ausgestelltes Gemälde des Künstlers und lässt dessen Werke abhängen. In der Folge wird seine in den öffentlichen Museen gezeigte Kunst in die Depots verbracht. Aus Anlass des 70. Geburtstags Leo von Königs plant die Galerie Buchholz eine Einzelausstellung, die jedoch von den Behörden verhindert wird. In München kann die Galerie Günther Franke dagegen den Künstler mit einer kleinen Schau zu seinem Geburtstag würdigen. Zu seinem 80. Geburtstag erscheint eine Monografie von Bruno Kroll (1895–1984).

Als das Charlottenburger Wohnhaus 1943 von einer Bombe getroffen wird, zieht von König wie seit langem geplant nach Bayern. Er kauft ein Haus in Tutzing am Starnberger See, in dem Johannes Brahms (1833–1897) 1873 gewirkt hatte. Im Jahr darauf stirbt Leo von König. Die Städtische Galerie im Lenbachhaus München widmet ihm fünf Jahre nach seinem Tod eine Gedächtnisausstellung.

RK

04.01.2022

Ausstellungen

LEO VON KÖNIG. GEBOREN AM 28. FEBRUAR 1871, Nationalgalerie, Berlin, Februar 1931

AUSSTELLUNG LEO VON KÖNIG. ZU EHREN DES SIEBZIGJÄHRIGEN, Galerie Günther Franke, München, 02/1941

GEDÄCHTNISAUSSTELLUNG LEO VON KÖNIG 1871–1944, Städtische Galerie München, München, 03.05.1949–31.05.1949

LEO VON KÖNIG. GEDÄCHTNISAUSSTELLUNG, Pfalzgalerie Kaiserslautern, Kaiserslautern, 25.08.1974–29.09.1974

Literatur

»Neuester Secessionsvers«, in: KLADDERADATSCH. HUMORISTISCH-SATIRISCHES WOCHENBLATT, verantwortlicher Redakteur: Paul Warncke, Berlin: Verlag von A. Hofmann & Comp., 63. Jg., H. 8 (20.02.1910), S. 30

IM KAMPF UM DIE KUNST. DIE ANTWORT AUF DEN »PROTEST DEUTSCHER KÜNSTLER«. MIT BEITRÄGEN DEUTSCHER KÜNSTLER, GALERIELEITER, SAMMLER UND SCHRIFTSTELLER, München: R. Piper & Co. Verlag, 1911, S. 38

LEO VON KÖNIG. GEBOREN AM 28. FEBRUAR, m. e. Einleitung v. Fritz Nemitz, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin (02/1931)

L. Vogel: LEO FREIHERR VON KÖNIG. ZU SEINEM 60. GEBURTSTAG AM 28. FEBRUAR 1931

Emil Szittya: LEO VON KÖNIG, Paris: Editions »La Zone«, [1931]

LEO VON KÖNIG, m. e: Einleitung v. Bruno Kroll, Berlin: Rembrandt Verlag, 1941

AUSSTELLUNG LEO VON KÖNIG. ZU EHREN DES SIEBZIGJÄHRIGEN, Ausstellungsfaltblatt Galerie Günther Franke, München (02/1941)

Anton Dörfler: LEO VON KÖNIG. SECHZIG BILDER, Königsberg: Kanter-Verlag, 1944

GEDÄCHTNISAUSSTELLUNG LEO VON KÖNIG 1871–1944, Ausst.-Kat. Städtische Galerie, München (03.–31.05.1949)

LEO VON KÖNIG. GEDÄCHTNISAUSSTELLUNG, m. e. Text v. Wilhelm Weber, Ausst.-Kat. Pfalzgalerie Kaiserlautern (25.08.–29.09.1974)

Alexandra Bechter: LEO VON KÖNIG 1871–1944. LEBEN UND WERK, Darmstadt: WP Druck & Verlag, 2001

LEO VON KOENIG. MALER DER BERLINER SECESSION, m. Texten von Alexandra Bechter, Ausst.-Kat. Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg/Augusteum (06.09.–21.10.2001), Niedersächsisches Landesmuseum Hannover (14.12.2001–10.02.2002), Schloß Wernigerode – Zentrum für Kunst und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts (07.03.–26.05.2002), Bremen: Donat Verlag, 2001

Anke Matelowski: DIE BERLINER SECESSION 1899–1937. CHRONIK – KONTEXT –SCHICKSAL, Wädenswil: Nimbus Kunst und Bücher, 2017 (Quellenstudien zur Kunst, Bd. 12)

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