Der Künstler und seine Frau

Leo von König

1935

Öl auf Leinwand

Bildmaß 199,0 x 93,5 cm


Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See


Inventarnummer: 0.00069

Alternativer Titel: Doppelselbstbildnis

Dargestellte Personen: Leo von König, Anna von König

Malerei, Ölfarben

KVZ/WVZ: Bechter 1935/06


Sammlungsbereich: Gemälde

Künstler/in: Leo von König


Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg
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Beschreibung

Der Porträtist Leo von König (1871–1944) schafft mit dieser Darstellung von 1935 ein Doppelbildnis von sich und seiner Frau, Anna von König, geb. Hansemann (1897–1992). Von König wählt hierfür ein Ganzkörperformat, das ihn in eine blaue Hose gekleidet, mit weißem Hemd, einer Weste und einem blauen Jackett in seinem Atelier stehend zeigt. Vage sind im Hintergrund Leinwände und Bilder zu erkennen, die an der Wand lehnen. Durch die Betrachtung im Spiegel sind die Seiten vertauscht. Seine linke Hand hat der Maler leger in die Hosentasche gesteckt, mit seiner rechten Malerhand hält er vielleicht einen Pinsel. Oder ist es nur die Hosenfalte, auf der seine Hand liegt? Anna von König umarmt ihn von hinten. Es ist ein Bild, auf dem das Paar stolz, entspannt und in Harmonie zueinander dargestellt ist.

Die Freundschaft zwischen Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und der Familie von König, die ihren Ursprung vermutlich in der räumlichen Nähe hat, seit die Familie von König 1943 von Berlin nach Tutzing an den Starnberger See zieht, ist durch Korrespondenzen aus dem Privatarchiv der Eheleute Buchheim belegt. Buchheim ist sogar einer der Sargträger auf Leo von Königs Beerdigung. Die Verwendung des Spitznamens »Blub«, wie Buchheim sich in seinem 1995 erschienenen Roman DIE FESTUNG von Leos Tochter Esther von König (1923–2014), in einem Telefonat ansprechen lässt, ist auch in einem Brief von Anna von König an Buchheim überliefert. Dennoch scheint sich Buchheim an dieser Stelle eine erzählerische Freiheit zu nehmen, denn in den letzten Kriegsmonaten, in denen sein Roman zeitlich angesiedelt ist, ist die Beziehung zwischen der Familie und dem Kunststudenten und Kriegsberichter noch nicht gefestigt genug, um Spitznamen im Umgang miteinander zu verwenden. So siezen Anna und Esther von König sich mit Buchheim in Briefen von 1944 und 1945 noch. Die Schilderung des Telefonats zwischen Buchheim und Esther von König, in dem sie ihn anfleht, das Atelier ihres Vaters, Leo von König, der am 19.04.1944 verstirbt, vor dem Einmarsch der Siegermächte in Berlin auszuräumen, be- und verarbeitet Buchheim sprachlich mit kleinen Änderungen in seinen Buch-Manuskripten zu der FESTUNG. Änderungen in dem chronologischen Ablauf der Ereignisse der letzten Kriegsmonate nimmt er in keinem der Manuskripte gegenüber dem Roman vor.
Inwieweit die dort geschilderten Ereignisse als reale Geschehnisse angesehen werden können, bleibt ungewiss. Mindestens zwei Besuche im verwaisten Atelier muss es jedoch gegeben haben, wie aus Briefen aus dem Privatarchiv der Eheleute Buchheim hervorgeht. In einem Brief wird am 05.07.1948 ein Streit zwischen dem Kunsthändler Ferdinand Möller (1882–1956) und Buchheim thematisiert. Es geht um einen Transport nach Köln, der von Buchheim organisiert wurde, damit er, wie Möller vermutet, den »Inhalt des Ateliers Herrn von Königs« , als Beipack mit Möllers Bildern schicken konnte und den er nun Möller berechnen will. Darüber hinaus erwähnt Buchheim gegenüber Möllers Ehefrau, Maria Möller-Garny (1886–1971), in einem Brief vom 26.09.1948 den gemeinsamen Besuch des Ateliers von König mit Ferdinand Möller an zwei Tagen und verweist darauf, dass er bei dieser Gelegenheit ein »seinerzeit [also bei einem früheren Besuch, womöglich also 1944] wegen seiner Wertlosigkeit zurückgelassenes Bild von Kallmann [Hans Jürgen Kallmann (1908–1991)]« , das ihn absolut nicht interessiert habe, mitgenommen habe, um bei der Hausmeister-Familie vor Ort einen Grund für den Besuch des Ateliers angeben zu können.
Im Roman beschreibt Buchheim, dass er sich im Mai 1944 in Berlin aufhält und sich in Folge des Telefonats mit Esther von König, die er im Roman »Ruth« nennt, zu Leo von Königs Atelier begibt, es ausräumt, eine beschwerliche Eisenbahnfahrt auf sich nimmt und bepackt mit einer »Bilderrolle« und einer für Esther von König geretteten Bildhauerdrehscheibe am Bahnhof von Tutzing ankommt. Der Weitertransport erfolgt mit einem Leiterwagen zur Familie von König ins Brahmshaus. Dort angekommen, schenkt ihm Anna von König, im Buch »die Baronin« genannt, aus Dank das Doppelbildnis, »das hier mit Leo und mir! Das liebst Du ja!«

Am 19.06.1959 wird »Selbstbildnis des Künstlers mit seiner Frau« auf der Auktion Nr. 455 als Nr. 178 im Kunsthaus Lempertz, Köln zum Verkauf angeboten. Als Einlieferer ist Buchheim dokumentiert, an den das Bild, weil sich kein Käufer findet, zurückgegeben wird. Ein entsprechender Hinweis findet sich in keinem der erhaltenen Exemplare des Auktionskataloges aus der Privatbibliothek der Eheleuten Buchheim.

Auch »Der Künstler und seine Frau« wird in den Leihvertrag von 1962, den Buchheim mit dem Freistaat Bayern abschließt, aufgenommen und mit der Inventarnummer L. 1023 versehen. Es wird in der Dokumentation der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit dem alternativen Titel »Doppelbildnis« geführt. Als Leihgabe Buchheims wird das Bild von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen im Rahmen der Ausstellung LEO VON KÖNIG. GEDÄCHTNISAUSSTELLUNG, die vom 25.08.–29.09.1974 in der Pfalzgalerie Kaiserlautern stattfindet, ausgestellt. Weitere Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland folgen.

Die Provenienz für den Zeitraum zwischen Entstehung des Doppelbildnisses im Jahr 1935 und 1945 ist nicht zweifelsfrei geklärt. Den überlieferten Schilderungen nach ist die Provenienz zwar lückenlos, jedoch handelt es sich bei der Quelle um einen Roman, in dem erzählerische Freiheiten verwendet wurden. Der Erwerbungskontext scheint für 1944 wahrscheinlich, ein Erwerb des Gemäldes durch Buchheim kann jedoch nur mit »vor Juni 1959« belegt werden. Bei Gelegenheit kann weiter geforscht werden.

JL

27.11.2021

Beschriftungen

rekto u. l. signiert und datiert (in schwarzer Farbe): L.v.König 35.
Querverstrebung m. Klebeetikett (bedruckt und in Schreibmaschine beschriftet): BAYERISCHE STAATS- / GEMÄLDESAMMLUNGEN / MÜNCHEN / Inv.-Nr. L: 1023 / [Siegel BStGS] / König Leo von / Selbstbildnis / (Doppelbildnis)
Querverstrebung m. Nass-Stempel (in Violett): 93
Keilrahmen l. u. Klebeetikett (bedruckt und in Schreibmaschine beschriftet): [BAYERI]SCHE STAATS- / [GEMÄLD]ESAMMLUNGEN / [M]ÜNCHEN / [Inv.-Nr.] L. 1023 / [Siegel BStGS] / [Leo] von KÖNIG : [Nachname unterstrichen] / [Doppe]lselbstbild
Rahmen verso Klebeetikett (bedruckt und in blauem Kugelschreiber beschriftet): HAUS DER KUNST MÜNCHEN / Ausstellung: 30er Jahre / Name des Künstlers: Leo von KÖNIG / Titel des Werkes: Doppelbildnis, 1935 / Leihgeber: L. G. Buchheim, Feldafing / Technik: Öl/Lwd. Maße: 199x93,5 Kat.-Nr.: 92
Rahmen verso Klebeetikett (bedruckt und in Schreibmaschine beschriftet): Kunsthaus Zürich, Heimplatz 1, CH-8001 Zürich / Zweck: DIE DREISSIGER JAHRE –Schau- / platz Deutschland 11.8.–2.10.197[7] / Künstler: Leo von König / Titel: Doppelbildnis 1935 / Besitzer: Sammlung L.G. Buchheim, Felda- / Adresse: fing / Kat.-Nr. 92

Provenienz

1935–mind. 1936/vmtl. 1944: Leo von König (1871–1944), Berlin
vmtl. 1944/spät. vor 06/1959–22.02.2007: Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing
19.06.1959: Kunsthaus Lempertz, Köln, Auktion Nr. 455, Nr. 178, eingeliefert von Lother-Günther Buchheim (1918–2007), Feldafing, unverkauft an den Einlieferer zurück
09.08.1962–2001: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, entliehen von Lothar-Günther Buchheim (1918–2007), Feldafing
seit 22.02.2007: Buchheim Stiftung, Feldafing/Bernried, erworben im Erbgang von Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und in konkludenter Schenkung von Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing

JL

27.11.2021

Sammlung Buchheim

Ausstellungen

BRÜCKE & SECESSION, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 27.11.2021–26.06.2022

EXPRESSIONISTEN. SAMMLUNG BUCHHEIM, Haus der Kunst, München, 29.07.1998–18.10.1998

DIE DREIßIGER JAHRE. SCHAUPLATZ DEUTSCHLAND, Kunsthaus Zürich, Zürich, 15.07. o. 11.08.–18.09. o. 02.10.1977

DIE DREIßIGER JAHRE. SCHAUPLATZ DEUTSCHLAND, Museum Folkwang, Essen, 30.04.1977–03.07.1977

DIE DREIßIGER JAHRE. SCHAUPLATZ DEUTSCHLAND, Haus der Kunst, München, 11.02.1977–17.04.1977

Literatur

Alexandra Bechter: LEO VON KÖNIG 1871–1944. LEBEN UND WERK, Darmstadt: WP Druck & Verlag, 2001, Kat. Nr. 1935/06, Abb. S. 250

EXPRESSIONISTEN. SAMMLUNG BUCHHEIM, hrsg. i. Auftrag der »Freunde des Buchheim-Museums und der Buchheim Stiftung e. V.«, m. Texten von Christoph Vitali, Carla Schulz-Hoffmann, Hans Krieger, Clelia Segieth, Lothar-Günther Buchheim, Ellen Maurer, Ausst.-Kat. Haus der Kunst, München (29.07.–18.10.1998), Feldafing: Buchheim Verlag, 1998, Kat. Nr. 14

Lothar-Günther Buchheim: DIE FESTUNG, 1. Aufl., Hamburg: Hoffmann und Campe, 1995, Erw. S. 197

DIE DREISSIGER JAHRE. SCHAUPLATZ DEUTSCHLAND, Ausst.-Kat. Haus der Kunst, München (11.02.–17.04.1977), Museum Folkwang, Essen (30.04.–03.07.1977), Kunsthaus Zürich (15.07./12.08.–18.09./02.10.1977), Köln: DuMont Buchverlag, 1977, Kat. Nr. 92, Abb. S. 71 Abb. 78, Erw. S. 213

LEO VON KÖNIG. GEDÄCHTNISAUSSTELLUNG, m. e. Text v. Wilhelm Weber, Ausst.-Kat. Pfalzgalerie Kaiserlautern (25.08.–29.09.1974), Kat. Nr. 51

AUKTION 455, KUNST DES 20. JAHRHUNDERTS, GEMÄLDE, PLASTIK, AQUARELLE, HANDZEICHNUNGEN, GRAPHIK, Kunsthaus Math. Lempertz, Köln (19.06.1959), Kat. Nr. 178, Abb. S. Tafel 18, Erw. S. 32

Reinhold Schneider: GESTALT UND SEELE. DAS WERK DES MALERS LEO VON KÖNIG, Leipzig: Insel-Verlag, 1936, Kat. Nr. 63

Weitere Werke