Lovis Corinth (1858–1925)

Franz Heinrich Louis Corinth



ullstein bild – Süddeutsche Zeitung Photo / Scherl


Lovis Corinth wird in Tapiau, Ostpreußen, heute Russland geboren. Nach dem Besuch des Kneiphöfischen Gymnasiums in Königsberg beginnt seine umfassende künstlerische Ausbildung an der dortigen Kunstakademie bei Otto Günther (1838–1884). Studienreisen der Akademie nach Berlin und Thüringen prägen seine realistischen Darstellungen von Landschaft und Mensch.
Auf Empfehlung Günthers schreibt er sich 1880 an der Münchner Kunstakademie ein, zuerst bei Franz Defregger (1835–1921), anschließend bei Ludwig Löfftz (1845–1910) sowie Wilhelm Trübner (1851–1917). Seine Studienkollegen Hans Olde (1855–1917) und Bernt Grönvold (1859–1923) werden langjährige Freunde bleiben. Corinth muss sein Studium 1882/83 für den einjährigen Militärdienst unterbrechen, anschließend reist er durch Italien. 1884 studiert er in Antwerpen bei Paul Eugène Gorge (1856–1941), wechselt aber kurz darauf nach Paris an die Académie Julian zu Tony Robert-Fleury (1837–1911) und William Adolphe Bouguereau (1825–1905). Im Sommer 1886 reist er mit Olde an die Ostseeküste und fertigt weitere Porträt- und Landschaftsdarstellungen an. Seine Werke werden in dieser Zeit kaum beachtet.
1891 zieht er nach München und kann ein Werk im Glaspalast im Alten Botanischen Garten ausstellen – dem Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst in München. Der erhoffte Erfolg bleibt allerdings aus. Vom Malerfreund Otto Eckmann (1865–1902) angeleitet, erlernt er die Technik des Radierens. Er tritt der Anfang 1892 gegründeten »Neuen Secession« bei, wird aber kurz darauf wie viele weitere junge Maler wieder ausgeschlossen, nachdem sie vergeblich versucht hatten, ihre Ausstellungsmöglichkeiten mit Gründung der »Freien Vereinigung der XXIV« zu verbessern.
Von der Münchner Kunstszene enttäuscht, umso mehr als sein Gemälde »Salome« von der Jury der Secession zurückgewiesen wurde, zieht Corinth 1900 nach Berlin. Hier kann er erfolgreich im Laufe der nächsten Jahre an den Ausstellungen der »Berliner Secession« teilnehmen. 1901 gründet er eine Malschule, die sich schnell etabliert. Im selben Jahr wird er Mitglied der »Berliner Secession«. Bereits 1902 wird er in den Vorstand gewählt. In den nächsten Jahren ist er künstlerisch sehr produktiv und kann seine Werke erfolgreich ausstellen und gewinnbringend verkaufen. Er stattet mehrere Theaterstücke aus. 1906 beginnt Corinth an seiner »Selbstbiographie« zu schreiben. 1911 wird er zum Vorsitzenden der »Berliner Secession«. Im Winter desselben Jahres erleidet er einen Schlaganfall, der zu einer halbseitigen Lähmung führt. 1913 veröffentlicht Georg Biermann die erste Monografie zu Corinth und Paul Cassirer veranstaltet eine große Retrospektive.
Im April 1914 reist Corinth nach Monte Carlo und Rom, wo er die von Raffael ausgemalten Stanzen im Vatikan besucht. Der drohende Krieg unterbricht seinen Aufenthalt in St. Moritz. Den Ausbruch des Ersten Weltkrieges begrüßt Corinth, wie viele andere auch, da er sich dadurch einen Neuanfang erhofft. 1915 wird er wieder Vorsitzender der »Berliner Secession«. 1917 veröffentlicht Karl Schwarz (1885–1962) ein erstes umfangreiches Verzeichnis über »Das graphische Werk von Lovis Corinth«. Im selben Jahr besucht Corinth Tapiau, das ihn zum Ehrenbürger ernannt hat. Zum 60. Geburtstag veranstaltet die »Berliner Secession« eine große Ausstellung zu Corinths Schaffen. Er erhält von der Berliner Akademie den Professorentitel. Das Ende des Krieges, der Zusammenbruch des Kaiserreichs und die Novemberrevolution zerstören seine Hoffnungen auf eine politische und künstlerische Neuerung.
Ab 1919 zieht sich Corinth immer weiter von der Gesellschaft zurück. Fortan lebt und malt er in Urfeld am Walchensee. Hier entstehen zahlreiche Gemälde, die große öffentliche Anerkennung finden. Die letzten Lebensjahre des Künstlers sind weiterhin erfolgreich. 1921 erhält er von der Albertus-Universität in Königsberg die Ehrendoktorwürde. 1922 gestaltet er das Bühnenbild für eine Faust-Inszenierung am Berliner Lessing-Theater. 1923 wird zu seinem 65. Geburtstag eine Ausstellung im Kronprinzenpalais organisiert. 1925 ernennt die Bayerische Akademie Corinth zum Ehrenmitglied. Bis kurz vor seinem Tod malt er. Corinth stirbt an einer Lungenentzündung in Zandvoort bei Amsterdam, sein Leichnam wird nach Berlin überführt und der Künstler erhält ein Ehrengrab. Corinths »Selbstbiographie«, an der er bis zum Schluss geschrieben hat, wird posthum veröffentlicht. Eine erste Monografie, die Alfred Kuhn verfasst hat, erscheint kurz nach Corinths Tod. 1926 werden in Berlin und München zwei Gedächtnisausstellungen organisiert.
In der Zeit des Nationalsozialismus wird Corinths Spätwerk als »entartet« diffamiert. 1937 werden fast 300 Werke aus den Depots der Museen entfernt und beschlagnahmt. Viele werden in der der Ausstellung »Entartete Kunst« gezeigt und einige 1939 in der Galerie Fischer, Luzern, versteigert.

CD + RK
Biografie

Lovis Corinth wird in Tapiau, Ostpreußen, heute Russland geboren. Nach dem Besuch des Kneiphöfischen Gymnasiums in Königsberg beginnt seine umfassende künstlerische Ausbildung an der dortigen Kunstakademie bei Otto Günther (1838–1884). Studienreisen der Akademie nach Berlin und Thüringen prägen seine realistischen Darstellungen von Landschaft und Mensch.
Auf Empfehlung Günthers schreibt er sich 1880 an der Münchner Kunstakademie ein, zuerst bei Franz Defregger (1835–1921), anschließend bei Ludwig Löfftz (1845–1910) sowie Wilhelm Trübner (1851–1917). Seine Studienkollegen Hans Olde (1855–1917) und Bernt Grönvold (1859–1923) werden langjährige Freunde bleiben. Corinth muss sein Studium 1882/83 für den einjährigen Militärdienst unterbrechen, anschließend reist er durch Italien. 1884 studiert er in Antwerpen bei Paul Eugène Gorge (1856–1941), wechselt aber kurz darauf nach Paris an die Académie Julian zu Tony Robert-Fleury (1837–1911) und William Adolphe Bouguereau (1825–1905). Im Sommer 1886 reist er mit Olde an die Ostseeküste und fertigt weitere Porträt- und Landschaftsdarstellungen an. Seine Werke werden in dieser Zeit kaum beachtet.
1891 zieht er nach München und kann ein Werk im Glaspalast im Alten Botanischen Garten ausstellen – dem Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst in München. Der erhoffte Erfolg bleibt allerdings aus. Vom Malerfreund Otto Eckmann (1865–1902) angeleitet, erlernt er die Technik des Radierens. Er tritt der Anfang 1892 gegründeten »Neuen Secession« bei, wird aber kurz darauf wie viele weitere junge Maler wieder ausgeschlossen, nachdem sie vergeblich versucht hatten, ihre Ausstellungsmöglichkeiten mit Gründung der »Freien Vereinigung der XXIV« zu verbessern.
Von der Münchner Kunstszene enttäuscht, umso mehr als sein Gemälde »Salome« von der Jury der Secession zurückgewiesen wurde, zieht Corinth 1900 nach Berlin. Hier kann er erfolgreich im Laufe der nächsten Jahre an den Ausstellungen der »Berliner Secession« teilnehmen. 1901 gründet er eine Malschule, die sich schnell etabliert. Im selben Jahr wird er Mitglied der »Berliner Secession«. Bereits 1902 wird er in den Vorstand gewählt. In den nächsten Jahren ist er künstlerisch sehr produktiv und kann seine Werke erfolgreich ausstellen und gewinnbringend verkaufen. Er stattet mehrere Theaterstücke aus. 1906 beginnt Corinth an seiner »Selbstbiographie« zu schreiben. 1911 wird er zum Vorsitzenden der »Berliner Secession«. Im Winter desselben Jahres erleidet er einen Schlaganfall, der zu einer halbseitigen Lähmung führt. 1913 veröffentlicht Georg Biermann die erste Monografie zu Corinth und Paul Cassirer veranstaltet eine große Retrospektive.
Im April 1914 reist Corinth nach Monte Carlo und Rom, wo er die von Raffael ausgemalten Stanzen im Vatikan besucht. Der drohende Krieg unterbricht seinen Aufenthalt in St. Moritz. Den Ausbruch des Ersten Weltkrieges begrüßt Corinth, wie viele andere auch, da er sich dadurch einen Neuanfang erhofft. 1915 wird er wieder Vorsitzender der »Berliner Secession«. 1917 veröffentlicht Karl Schwarz (1885–1962) ein erstes umfangreiches Verzeichnis über »Das graphische Werk von Lovis Corinth«. Im selben Jahr besucht Corinth Tapiau, das ihn zum Ehrenbürger ernannt hat. Zum 60. Geburtstag veranstaltet die »Berliner Secession« eine große Ausstellung zu Corinths Schaffen. Er erhält von der Berliner Akademie den Professorentitel. Das Ende des Krieges, der Zusammenbruch des Kaiserreichs und die Novemberrevolution zerstören seine Hoffnungen auf eine politische und künstlerische Neuerung.
Ab 1919 zieht sich Corinth immer weiter von der Gesellschaft zurück. Fortan lebt und malt er in Urfeld am Walchensee. Hier entstehen zahlreiche Gemälde, die große öffentliche Anerkennung finden. Die letzten Lebensjahre des Künstlers sind weiterhin erfolgreich. 1921 erhält er von der Albertus-Universität in Königsberg die Ehrendoktorwürde. 1922 gestaltet er das Bühnenbild für eine Faust-Inszenierung am Berliner Lessing-Theater. 1923 wird zu seinem 65. Geburtstag eine Ausstellung im Kronprinzenpalais organisiert. 1925 ernennt die Bayerische Akademie Corinth zum Ehrenmitglied. Bis kurz vor seinem Tod malt er. Corinth stirbt an einer Lungenentzündung in Zandvoort bei Amsterdam, sein Leichnam wird nach Berlin überführt und der Künstler erhält ein Ehrengrab. Corinths »Selbstbiographie«, an der er bis zum Schluss geschrieben hat, wird posthum veröffentlicht. Eine erste Monografie, die Alfred Kuhn verfasst hat, erscheint kurz nach Corinths Tod. 1926 werden in Berlin und München zwei Gedächtnisausstellungen organisiert.
In der Zeit des Nationalsozialismus wird Corinths Spätwerk als »entartet« diffamiert. 1937 werden fast 300 Werke aus den Depots der Museen entfernt und beschlagnahmt. Viele werden in der der Ausstellung »Entartete Kunst« gezeigt und einige 1939 in der Galerie Fischer, Luzern, versteigert.

CD + RK

Ausstellungen

LOVIS CORINTH, Secessionshaus, Berlin, 19.01.1913–23.02.1913
LOVIS CORINTH. AUSSTELLUNG VON GEMÄLDEN UND AQUARELLEN ZU SEINEM GEDÄCHTNIS, Nationalgalerie, Berlin, 1926
LOVIS CORINTH. GEMÄLDE, AQUARELLE, ZEICHNUNGEN UND DRUCKGRAPHISCHE ZYKLEN, Kunsthalle Köln, Köln, 10.01.1976–21.03.1976
MAX BECKMANN – LOVIS CORINTH, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 10.05.2009–13.09.2009

Literatur

Lovis Corinth: LEGENDEN AUS DEM KÜNSTLERLEBEN, Berlin: Bruno Cassirer, 1909
Lovis Corinth: »Die neueste Malerei«, in: PAN, Halbmonatsschrift hrsg. v. Wilhelm Herzog und Paul Cassirer, 1. Jg., H. 13 (01.05.1911), S. 432–437
Karl Schwarz: DAS GRAPHISCHE WERK VON LOVIS CORINTH, Ausgabe C, Berlin: Fritz Gurlitt, 1917
Lovis Corinth: LEGENDEN AUS DEM KÜNSTLERLEBEN, 2. Aufl., Berlin: Bruno Cassirer, 1918
Karl Schwarz: DAS GRAPHISCHE WERK VON LOVIS CORINTH, 2. erw. Aufl., Normalausgabe, Berlin: Fritz Gurlitt Verlag, 1922
Lovis Corinth: SELBSTBIOGRAPHIE, Normalausgabe, Leipzig: Verlag von S. Hirzel, 1926
Charlotte Berend-Corinth: DIE GEMÄLDE VON LOVIS CORINTH. WERKKATALOG, München: Verlag F. Bruckmann, 1958
Karl Schwarz: DAS GRAPHISCHE WERK VON/THE GRAPHIC WORK OF LOVIS CORINTH, 3. erw. Aufl., San Francisco: Alan Wofsy Fine Arts, 1985
Charlotte Berend-Corinth, Beatrice Hernad: LOVIS CORINTH. DIE GEMÄLDE. WERKVERZEICHNIS, 2. Aufl., München: Bruckmann, 1992
LOVIS CORINTH. GESAMMELTE SCHRIFTEN. CHARLOTTE BEREND-CORINTH. MEIN LEBEN MIT LOVIS CORINTH, hrsg. v. Kerstin Englert, Berlin: Gebr. Mann Verlag, 1995
LOVIS CORINTH, hrsg. v. Peter-Klaus Schuster, Christoph Vitali, Barbara Butts, m. Texten von Andrea Bärnreuther, Bernhart Schwenk, Peter-Klaus Schuster, Maria Makela, Jill Lloyd, Barbara Butts, Carla Schulz-Hoffmann, Ausst.-Kat. Haus der Kunst, München (04.05.–21.07.1996), Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin (02.08.–20.10.1996); The Saint Louis Art Museum (14.11.1996–26.01.1997), Tate Gallery, London (20.02.–04.05.1997), München, New York: Prestel-Verlag, 1996

Werke

Galerie


Weitere Künstler