Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976)

Karl Schmidt



Fotograf unbekannt; Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung


Der in Rottluff bei Chemnitz geborene Karl Schmidt erhält während seiner Schulzeit am humanistischen Königlichen Gymnasium in Chemnitz privaten Zeichenunterricht bei Otto Uhlmann. Hier entstehen erste Aquarelle und Ölbilder. Bei einer Studienreise nach Nordböhmen fertigt er Landschaftsaquarelle an. 1902 lernt er Erich Heckel (1883–1970) kennen und sie unternehmen gemeinsame Malausflüge ins Chemnitzer Umland. 1904 werden einige Aquarelle von Schmidt in der »Kunsthütte« in Chemnitz präsentiert.
1905 zieht er nach Dresden und studiert an der dortigen Technischen Hochschule Architektur. Kurz darauf gründet er gemeinsam mit seinen Studienkollegen Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), Fritz Bleyl (1880–1966) und Heckel die »Brücke«. Er ergänzt seinen Namen durch seinen Geburtsort und nennt sich fortan Karl Schmidt-Rottluff. 1906 bricht er sein Studium ab und fasst den Entschluss, als freier Künstler zu leben. Die »Brücke«-Künstler sehen in der Galerie Arnold Werke Emil Noldes (1867–1956) und werben ihn als Mitglied an. Auf Einladung Noldes verbringt Schmidt-Rottluff den Sommer auf Alsen, wo viele Gemälde und Tuschfederzeichnungen entstehen. Im Sommer des darauffolgenden Jahres besucht er Dangast, wo er seither alljährlich mehrere Monate verbringt. Während eines Aufenthalts in Hamburg, wo er sich ein Atelier anmietet, lernt er den Kunstsammler Gustav Schiefler (1857–1935) sowie die Kunsthistorikerin Rosa Schapire (1874–195) kennen. Schapire wird seine wichtigste Förderin. Schmidt-Rottluff wird Mitglied des »Deutschen Künstlerbundes« und tritt 1910 der »Neuen Secession« bei. 1911 zieht er von Dresden nach Berlin. 1913 löst sich die »Brücke« wegen Meinungsverschiedenheiten auf. In den Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist Schmidt-Rottluff äußert produktiv. Seine zahlreichen Reisen führen ihn u. a. nach Norwegen, Fehmarn und Nidden. Die Eindrücke der unberührten Landschaften werden in vielen Werken verarbeitet. Auch knüpft er viele wichtige Kontakte zu Sammlern, Malern und anderen Kunstschaffenden.
1915 wird Schmidt-Rottluff zum Kriegsdienst eingezogen und zuerst nach Russland, anschließend nach Litauen versetzt. Durch den Einsatz des befreundeten Dichters Richard Dehmel (1863–1920), der als Offizier dient, wird Schmidt-Rottluff der Presseabteilung »Buchprüfungsamt im Stab Ober-Ost“ in Kowno zugeteilt. Hier kann er, abseits von der Front, künstlerisch tätig sein. Einige Holzschnitte und erste Holzskulpturen entstehen. 1917 werden 60 Arbeiten in der Münchner Galerie Hans Goltz gezeigt. Nach Kriegsende kehrt Schmidt-Rottluff nach Berlin zurück und verarbeitet die Kriegserlebnisse in den Holzschnitten der »Kristus-Mappe«. Von der Novemberrevolution inspiriert, wendet er sich kunstpolitischen Themen zu und tritt der »Novembergruppe« und dem »Arbeitsrat für Kunst« bei.
Die Jahre zwischen den Kriegen sind für Schmidt-Rottluff äußert erfolgreich. Durch die vielen Ausstellungen in ganz Deutschland wird er immer populärer. Ab 1920 lebt er in den Sommermonaten zurückgezogen in Jershöft in Pommern. Hier setzt er sich künstlerisch vermehrt mit dem arbeitenden Menschen auseinander. 1924 erscheint Rosa Schapires Werkverzeichnis seiner Druckgrafik bis 1923. Auf Reisen nach Italien, Paris und Dalmatien findet Schmidt-Rottluff neue künstlerische Ausdrucksformen. 1931 wird er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. 1932 besucht er auf Einladung der Malerin und Sammlerin Hanna Bekker vom Rath (1893–1983) Hofheim im Taunus. In den folgenden Jahren verbringt er hier die Wintermonate. Die Sommermonate lebt er im abgeschiedenen Rumbke am Lebasee in Hinterpommern.
Bereits kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erfolgt der erzwungene Austritt Schmidt-Rottluffs aus der Akademie der Künste. Er wird Mitglied der Reichskulturkammer und kann so weiterhin als Künstler arbeiten und seine Werke verkaufen. Seine Kunst ist in einigen Ausstellungen zu sehen, darunter 1935 und 1937 in der Berliner Galerie Buchholz und 1936 in der New Yorker Galerie Westermann. Bei der Beschlagnahmeaktion 1937 werden über 600 seiner Werke aus den Depots der Museen konfisziert und in der gleichnamigen Münchner Ausstellung sind über 50 davon zu sehen. Um sich weiteren Diffamierungen zu entziehen, lebt er bis 1939 am abgeschiedenen Lebasee. Durch die zunehmend erschwerten Bedingungen, die 1941 im Ausschluss von der Reichkulturkammer und einem Berufsverbot gipfeln, fertigt Schmidt-Rottluff kaum noch Ölbilder an. Ohne Mitgliedschaft in der Reichskulturkammer erhält er keine Bezugsscheine für das benötigte Material. Daher konzentriert er sich auf die Aquarellmalerei, jedoch immer bedacht, keine staatliche Aufmerksamkeit zu erregen. 1943 wird seine Berliner Wohnung bei einem Bombenangriff getroffen. Die dort eingelagerten Werke gelten als zerstört. Auch viele Werke in anderen Depots, darunter in Kreisau, gelten als verloren. Er zieht kurzzeitig in sein Elternhaus nach Rottluff.
Nach Kriegsende kehrt Schmidt-Rottluff nach Berlin zurück, wo er bis zu seinem Tod malen, arbeiten und leben wird. Er beginnt die Trümmer seiner zerstörten Wohnung zu räumen und kann fast 40 Gemälde sowie einige Holz- und Bronzeskulpturen bergen. Weitere Werke, die den Krieg unbeschadet überdauern konnten, findet er bei Rosa Schapire, die 1939 nach London emigriert ist. 1947 übernimmt er eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Er erhält zahlreiche Ehrungen, u. a. 1952 den Kunstpreis der Stadt Berlin und 1955 den Cornelius Preis der Stadt Düsseldorf. Seine Werke werden national und international präsentiert. 1956 veröffentlich Will Grohmann (1887–1926) eine ausführliche Monografie zu Schmidt-Rottluff. Zu seinem 70. und 80. Geburtstag werden zahlreiche Retrospektiven veranstaltet. 1964 fasst Schmidt-Rottluff den Entschluss, seinen künstlerischen Nachlass der Stadt Berlin zu vermachen. Er regt ein der »Brücke« gewidmetes Museum an, legt mit einer ersten Schenkung seiner Werke den Grundstock der Sammlung und erreicht, dass auch Erich Heckel und weitere Künstler umfangreiche Schenkungen zugunsten des Museums vornehmen. Das Museum wird 1967 eröffnet. Nach dem Tod Schmidt-Rottluffs wird die Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung gegründet, die das Erbe des Künstlers antritt.

CD
Biografie

Der in Rottluff bei Chemnitz geborene Karl Schmidt erhält während seiner Schulzeit am humanistischen Königlichen Gymnasium in Chemnitz privaten Zeichenunterricht bei Otto Uhlmann. Hier entstehen erste Aquarelle und Ölbilder. Bei einer Studienreise nach Nordböhmen fertigt er Landschaftsaquarelle an. 1902 lernt er Erich Heckel (1883–1970) kennen und sie unternehmen gemeinsame Malausflüge ins Chemnitzer Umland. 1904 werden einige Aquarelle von Schmidt in der »Kunsthütte« in Chemnitz präsentiert.
1905 zieht er nach Dresden und studiert an der dortigen Technischen Hochschule Architektur. Kurz darauf gründet er gemeinsam mit seinen Studienkollegen Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), Fritz Bleyl (1880–1966) und Heckel die »Brücke«. Er ergänzt seinen Namen durch seinen Geburtsort und nennt sich fortan Karl Schmidt-Rottluff. 1906 bricht er sein Studium ab und fasst den Entschluss, als freier Künstler zu leben. Die »Brücke«-Künstler sehen in der Galerie Arnold Werke Emil Noldes (1867–1956) und werben ihn als Mitglied an. Auf Einladung Noldes verbringt Schmidt-Rottluff den Sommer auf Alsen, wo viele Gemälde und Tuschfederzeichnungen entstehen. Im Sommer des darauffolgenden Jahres besucht er Dangast, wo er seither alljährlich mehrere Monate verbringt. Während eines Aufenthalts in Hamburg, wo er sich ein Atelier anmietet, lernt er den Kunstsammler Gustav Schiefler (1857–1935) sowie die Kunsthistorikerin Rosa Schapire (1874–195) kennen. Schapire wird seine wichtigste Förderin. Schmidt-Rottluff wird Mitglied des »Deutschen Künstlerbundes« und tritt 1910 der »Neuen Secession« bei. 1911 zieht er von Dresden nach Berlin. 1913 löst sich die »Brücke« wegen Meinungsverschiedenheiten auf. In den Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist Schmidt-Rottluff äußert produktiv. Seine zahlreichen Reisen führen ihn u. a. nach Norwegen, Fehmarn und Nidden. Die Eindrücke der unberührten Landschaften werden in vielen Werken verarbeitet. Auch knüpft er viele wichtige Kontakte zu Sammlern, Malern und anderen Kunstschaffenden.
1915 wird Schmidt-Rottluff zum Kriegsdienst eingezogen und zuerst nach Russland, anschließend nach Litauen versetzt. Durch den Einsatz des befreundeten Dichters Richard Dehmel (1863–1920), der als Offizier dient, wird Schmidt-Rottluff der Presseabteilung »Buchprüfungsamt im Stab Ober-Ost“ in Kowno zugeteilt. Hier kann er, abseits von der Front, künstlerisch tätig sein. Einige Holzschnitte und erste Holzskulpturen entstehen. 1917 werden 60 Arbeiten in der Münchner Galerie Hans Goltz gezeigt. Nach Kriegsende kehrt Schmidt-Rottluff nach Berlin zurück und verarbeitet die Kriegserlebnisse in den Holzschnitten der »Kristus-Mappe«. Von der Novemberrevolution inspiriert, wendet er sich kunstpolitischen Themen zu und tritt der »Novembergruppe« und dem »Arbeitsrat für Kunst« bei.
Die Jahre zwischen den Kriegen sind für Schmidt-Rottluff äußert erfolgreich. Durch die vielen Ausstellungen in ganz Deutschland wird er immer populärer. Ab 1920 lebt er in den Sommermonaten zurückgezogen in Jershöft in Pommern. Hier setzt er sich künstlerisch vermehrt mit dem arbeitenden Menschen auseinander. 1924 erscheint Rosa Schapires Werkverzeichnis seiner Druckgrafik bis 1923. Auf Reisen nach Italien, Paris und Dalmatien findet Schmidt-Rottluff neue künstlerische Ausdrucksformen. 1931 wird er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. 1932 besucht er auf Einladung der Malerin und Sammlerin Hanna Bekker vom Rath (1893–1983) Hofheim im Taunus. In den folgenden Jahren verbringt er hier die Wintermonate. Die Sommermonate lebt er im abgeschiedenen Rumbke am Lebasee in Hinterpommern.
Bereits kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erfolgt der erzwungene Austritt Schmidt-Rottluffs aus der Akademie der Künste. Er wird Mitglied der Reichskulturkammer und kann so weiterhin als Künstler arbeiten und seine Werke verkaufen. Seine Kunst ist in einigen Ausstellungen zu sehen, darunter 1935 und 1937 in der Berliner Galerie Buchholz und 1936 in der New Yorker Galerie Westermann. Bei der Beschlagnahmeaktion 1937 werden über 600 seiner Werke aus den Depots der Museen konfisziert und in der gleichnamigen Münchner Ausstellung sind über 50 davon zu sehen. Um sich weiteren Diffamierungen zu entziehen, lebt er bis 1939 am abgeschiedenen Lebasee. Durch die zunehmend erschwerten Bedingungen, die 1941 im Ausschluss von der Reichkulturkammer und einem Berufsverbot gipfeln, fertigt Schmidt-Rottluff kaum noch Ölbilder an. Ohne Mitgliedschaft in der Reichskulturkammer erhält er keine Bezugsscheine für das benötigte Material. Daher konzentriert er sich auf die Aquarellmalerei, jedoch immer bedacht, keine staatliche Aufmerksamkeit zu erregen. 1943 wird seine Berliner Wohnung bei einem Bombenangriff getroffen. Die dort eingelagerten Werke gelten als zerstört. Auch viele Werke in anderen Depots, darunter in Kreisau, gelten als verloren. Er zieht kurzzeitig in sein Elternhaus nach Rottluff.
Nach Kriegsende kehrt Schmidt-Rottluff nach Berlin zurück, wo er bis zu seinem Tod malen, arbeiten und leben wird. Er beginnt die Trümmer seiner zerstörten Wohnung zu räumen und kann fast 40 Gemälde sowie einige Holz- und Bronzeskulpturen bergen. Weitere Werke, die den Krieg unbeschadet überdauern konnten, findet er bei Rosa Schapire, die 1939 nach London emigriert ist. 1947 übernimmt er eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Er erhält zahlreiche Ehrungen, u. a. 1952 den Kunstpreis der Stadt Berlin und 1955 den Cornelius Preis der Stadt Düsseldorf. Seine Werke werden national und international präsentiert. 1956 veröffentlich Will Grohmann (1887–1926) eine ausführliche Monografie zu Schmidt-Rottluff. Zu seinem 70. und 80. Geburtstag werden zahlreiche Retrospektiven veranstaltet. 1964 fasst Schmidt-Rottluff den Entschluss, seinen künstlerischen Nachlass der Stadt Berlin zu vermachen. Er regt ein der »Brücke« gewidmetes Museum an, legt mit einer ersten Schenkung seiner Werke den Grundstock der Sammlung und erreicht, dass auch Erich Heckel und weitere Künstler umfangreiche Schenkungen zugunsten des Museums vornehmen. Das Museum wird 1967 eröffnet. Nach dem Tod Schmidt-Rottluffs wird die Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung gegründet, die das Erbe des Künstlers antritt.

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Ausstellungen

SONDERAUSSTELLUNG E. HECKEL/DANGAST, SCHMIDT-ROTTLUFF/DANGASTERMOOR, Augusteum, Oldenburg, 27.09.1908–18.10.1908
KARL SCHMIDT-ROTTLUFF, Galerie Ernst Arnold, Dresden, 1927
KARL SCHMIDT-ROTTLUFF. AN EXHIBITION OF GRAPHIC WORKS AND STONE CARVINGS, Leicester Museums and Art Gallery, Leicester, 9/1953
KARL SCHMIDT-ROTTLUFF ZUM 70. GEBURTSTAG, Schloss Charlottenburg, Berlin, 20.09.1954–10.10.1954
KARL SCHMIDT-ROTTLUFF. DAS GRAPHISCHE WERK. ZUM 90. GEBURTSTAG DES KÜNSTLERS, Brücke-Museum, Berlin, 07.09.1974–08.12.1974
KARL SCHMIDT-ROTTLUFF – DIE HOLZSTÖCKE. WERKE AUS DEM BRÜCKE-MUSEUM BERLIN, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 08.07.2012–07.10.2012
KARL SCHMIDT-ROTTLUFF. DAS RAUSCHEN DER FARBEN, Kunstmuseum Ravensburg, Ute Stuffer, Ravensburg, 04.11.2017–08.04.2018
SCHMIDT-ROTTLUFF. FORM, FARBE, AUSDRUCK!, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 29.09.2018–24.02.2019
SCHMIDT-ROTTLUFF. FORM, FARBE, AUSDRUCK!, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 29.09.2018–03.02.2019

Literatur

Will Grohmann: KARL SCHMIDT-ROTTLUFF, Stuttgart: W. Kohlhammer Verlag, 1956
Rosa Schapire: KARL SCHMIDT-ROTTLUFFS GRAPHISCHES WERK BIS 1923. Photomechanischer Nachdruck der Ausgabe des Euphorion Verlags Berlin, 1924, New York: Ernest Rathenau, 1965
KARL SCHMIDT-ROTTLUFF. DAS GRAPHISCHE WERK SEIT 1923. Fotomechanischer Nachdruck der 1. Aufl. von 1964, hrsg. v. Ernest Rathenau, 2. Aufl., New York: Ernest Rathenau, 1976
Rosa Schapire: KARL SCHMIDT-ROTTLUFF. GRAPHISCHES WERK BIS 1923, Tafelband, hrsg. v. Ernest Rathenau, New York: Ernest Rathenau (vormals Euphorion Verlag Berlin), 1987
KIRCHNER, SCHMIDT-ROTTLUFF, NOLDE, NAY ... BRIEFE AN DEN SAMMLER UND MÄZEN CARL HAGEMANN 1906–1940, hrsg. v. Hans Delfs, Mario-Andreas von Lüttichau, Roland Scotti, 2004
KARL SCHMIDT-ROTTLUFF. DIE HOLZSTÖCKE, hrsg. v. Magdalena M. Moeller, München: Hirmer Verlag, 2011

Werke

Galerie


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