Zimmer mit Akten

Erich Heckel

1910

Öl auf Leinwand

Bildmaß 96,0 x 120,5 cm
Rahmenmaß 120,0 x 143,0 x 7,5 cm


Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See


Inventarnummer: 0.00003b (Werk auf Vorderseite ansehen)

Alternativer Titel: Akte im Zimmer

Malerei, Ölfarben

KVZ/WVZ: Vogt 1910/17; Hüneke 1910-64

Ort: Europa, Deutschland, Sachsen, Dresden, Wilsdruffer Vorstadt, Falkenbrücke 2a


Sammlungsbereich: Gemälde

Künstler/in: Erich Heckel


© Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen; VG Bild-Kunst, Bonn; Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg
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Beschreibung

Kurz nach seiner Entstehung im Jahr 1910/1911 wird das Gemälde »Am Waldteich« in der Sonderbundausstellung in Köln als Nr. 407 der Öffentlichkeit im Saal 16 vorgestellt. Es ist eine Ausstellung, die in der Öffentlichkeit Wellen schlägt. Im offiziellen Führer zur Schau schreibt Herman von Wedderkop: »Bildern, wie Heckels ›Fasanenschlößchen‹ oder dem ›Waldteich‹ oder Kirchners ›Boskett‹ ist ein gewisser farbiger Klang nicht abzusprechen, dagegen ist sowohl in Zeichnung wie Farbe soviel Brutalität, daß sich die Wirkung auf eine mehr plakatistische reduziert.« Gemäß Ausstellungskatalog sind die nicht mit einem besonderen Eigentumsvermerk bezeichneten Kunstwerke verkäuflich – so wie auch Nr. 407, Heckels ›Am Waldteich‹. Auch taucht der erste dokumentierte Vorbesitzer des Ölbildes, Felix Weise (1876–1961) aus Halle a. d. Saale, nicht in der allgemeinen Leihgeberliste auf, so dass davon ausgegangen werden kann, dass sich das Ölbild zum Zeitpunkt der Ausstellung noch im Besitz des Künstlers befand und verkäuflich war. Auch im Katalog zur 15. Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes, in dem das Bild als Nr. 99 geführt wird, ist kein Besitzer genannt. Andreas Hünecke verweist im Ausstellungsverzeichnis seines Werkverzeichnisses zu den Gemälden, Wandbildern und Skulpturen Erich Heckels darauf, dass das Bild auch in der Eröffnungsausstellung der Galerie Dr. Goldschmidt und Dr. Wallerstein in Berlin, die im Juni/Juli 1921 stattfindet, ausgestellt worden sei, was ein Hinweis für einen Eigentümerwechsel sein könnte. Geschäftsunterlagen der Galerie oder ein Ausstellungskatalog zur Eröffnung haben sich nicht erhalten. In einer Ausstellungsbesprechung im Juli-Heft des Kunstblattes wird eine »Landschaft mit Badenden« von 1910 als in dieser Schau präsentiert genannt, auf die sich Hünecke mit der Ausstellungsreferenz im Werkverzeichnis bezieht. Ob es sich tatsächlich um den »Waldteich« gehandelt hat, bleibt offen.

Vom 18.03. bis 30.04.1931 veranstaltete die Kunsthütte Chemnitz im Städtischen Museum am Theaterplatz eine Erich-Heckel-Ausstellung, in der auch der »Waldteich« ausgestellt wird. Im begleitenden Ausstellungskatalog wird der Sammler Felix Weise als Besitzer genannt, so dass der Erwerb des Gemäldes spätestens vor Ausstellungsbeginn 1931 zu datieren ist. Im Archiv der Kunstsammlungen Chemnitz konnten keine ergänzenden Archivalien zu der Ausstellung gefunden werden. Weises Interesse an Heckels Kunst ist jedoch über seine Funktion als Vorsitzender des Hallenser Kunstvereins in den Vereinsprotokollen des Stadtarchivs Halle überliefert: Weise schlägt ihn für die Ausstellung im April 1914 vor, die jedoch erst 1919 realisiert wird. Aus einem Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Halle a. d. Saale, Richard Robert Rive (1864–1947), im Dezember 1924 wird deutlich, dass Weise mit dem Werk Heckels gut vertraut ist. Er tritt in beratender Funktion und als Kunstkenner auf, als die Stadt erwägt Werke aus der Sammlung Ludwig und Rosy Fischer zu erwerben und schließt sein knappes Urteil mit den Worten: »Immerhin ist auch der Besitz einiger Bilder von Heckel aus dieser Sammlung ein wünschenswerter Gewinn.« Nach Einschätzung einer Forscherin, die sich mit der Genese der Sammlung Felix Weise eingehend beschäftigt hat und freundlich Auskunft zur Provenienz des Gemäldes erteilt hat, erwirbt Weise die Gemälde Heckels in seiner Sammlung vermutlich zwischen 1914 und 1924 bzw. wahrscheinlich eher zwischen 1919 und 1924.

Als Buchheim 1956 seine erste Publikation zur Künstlergemeinschaft Brücke veröffentlicht, verwendet er auch eine Abbildung des Bildes »Am Waldteich«. Das Abbildungsverzeichnis weist es als Besitz der Sammlung Buchheim, Feldafing, aus. Diethild Buchheim bestätigt den Direkt-Erwerb des Gemäldes aus dem Besitz Felix Weise in einer rechtskräftigen Erklärung viele Jahre später.

Es ist ein Bild, das von da an, immer wieder für Ausstellungen angefragt wird und regelmäßig öffentlich Anerkennung erfährt. So bittet Heckel Buchheim in einem Brief, es zusammen mit dem »Schlafenden Pechstein« dem Museum in Duisburg für eine Heckel-Ausstellung vom 20. Juli bis Ende August 1957 als Leihgabe zur Verfügung zu stellen. Eine Anfrage, die Buchheim abgelehnt haben muss, da das Bild im Ausstellungskatalog nicht dokumentiert ist. Ewald Rathke oder Roman Norbert Ketterer gelingt es anscheinend jedoch, Buchheim zur Leihgabe des Bildes im gleichen Jahr im Württembergischen Kunstverein Stuttgart zu verpflichten (15.09.–27.10.1957), wo es aus dem Vorbesitz der Sammlung Felix Weise im Ausstellungskatalog als Nr. 22 nachgewiesen werden kann. Am 09. August 1962 geht das Ölbild bis 2001 als Leihgabe Buchheims offiziell in den Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München über. Regelmäßige Ausstellungen im In- und Ausland folgen.

Da die Provenienz des Bildes für den Zeitraum von 1933 bis 1945 vollständig rekonstruierbar ist, kann ein NS-verfolgungsbedingter Entzug ausgeschlossen werden.

JL

09.09.2020

Beschriftungen

rekto u. r. signiert (in schwarzer Farbe): Erich Heckel
verso o. l. signiert und datiert (in schwarzer Farbe, um 180° gedreht und zu Gemälde verso gehörig): E. Heckel / 10
Keilrahmen o. r. Klebeetikett (bedruckt): 745
Keilrahmen o. r. Klebeetikett (bedruckt): [Reste]
Keilrahmen l. m. Klebeetikett (bedruckt): 4431
Keilrahmen o. r. Klebeetikett (bedruckt und beschriftet, um 180° gedreht und vmtl. zu Gemälde verso gehörig): [...]901 / [...] [Erich] Hec[kel]
Keilrahmen r. o. Klebeetikett (bedruckt und in Schreibmaschine beschriftet, um 180° gedreht und zu Gemälde verso gehörig): [BAY]ERISCHE STAATS- / [GEMÄ]LDE-SAMMLUNGEN / [Inv.-Nr.] L. 928 / [Siegel BStGS] / [He]ckel Erich / [Wa]ldteich / 1910
Keilrahmen u. signiert, betitelt und datiert (in schwarzer Farbe, um 180° gedreht und zu Gemälde verso gehörig): Erich Heckel: »Waldteich« 1910

Provenienz

spät. 1931–spät. 1956: Felix Weise (1876–1961), Halle
1956–22.02.2007: Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing, erworben von Felix Weise (1876–1961), Halle
09.08.1962–24.04.2001: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, entliehen von Lothar-Günther Buchheim (1918–2007), Feldafing, als »Waldteich«
seit 22.02.2007: Buchheim Stiftung, Feldafing/Bernried, erworben im Erbgang von Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und in konkludenter Schenkung von Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing

JL

09.09.2020

Sammlung Buchheim

Ausstellungen

ERICH HECKEL. EINFÜHLUNG UND AUSDRUCK, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 31.10.2020/09.03.2021–06.06.2021/20.06.2021

UNBEKANNTE SCHÄTZE AUS DER BUCHHEIM'SCHEN EXPRESSIONISTENSAMMLUNG, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 08.07.2012–07.10.2012

Literatur

Andreas Hüneke: ERICH HECKEL. WERKVERZEICHNIS DER GEMÄLDE, WANDBILDER UND SKULPTUREN, Bd. 1 (1904–1918), hrsg. v. Erich-Heckel-Stiftung, München: Hirmer Verlag, 2017, Kat. Nr. 1910-64, Abb. S. 123, Erw. S. 123

UNBEKANNTE SCHÄTZE AUS DER BUCHHEIM'SCHEN EXPRESSIONISTENSAMMLUNG, hrsg. v. Clelia Segieth, Ausst.-Kat. Buchheim Museum, Bernried (08.07–07.10.2012), Feldafing: Buchheim Verlag, 2012, Abb. S. U1; 2 u.; 25

Hanna Strzoda: DIE ATELIERS ERNST LUDWIG KIRCHNERS. EINE STUDIE ZUR REZEPTION ›PRIMITIVER‹ EUROPÄISCHER UND AUSSEREUROPÄISCHER KULTUREN, Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2006 (Studien zur internationalen Architektur- und Kunstgeschichte 35; Diss. Uni Bamberg 2004), Erw. S. 154

Wolfgang Henze: DIE PLASTIK ERNST LUDWIG KIRCHNERS. MONOGRAPHIE MIT WERKVERZEICHNIS, erschienen anlässlich der Ausstellung im Kirchner Museum Davos (15.12.2002–23.03.2003), Staatsgalerie Stuttgart (12.04.–27.07.2003), Wichtrach/Bern: Verlag Galerie Henze & Ketterer, 2002, Abb. S. 78 r. (Abb. 37)

Paul Vogt: ERICH HECKEL. MIT OEUVRE-KATALOG DER GEMÄLDE, WANDMALEREI UND PLASTIK, Recklinghausen: Verlag Aurel Bongers, 1965, Kat. Nr. 1910/17

ERICH HECKEL. BILDER AUS DEN JAHREN 1906–1930, hrsg. v. Kunsthütte Chemnitz, Ausst.-Kat. Städtisches Museum, Chemnitz (18.03.–30.04.1931), Kat. Nr. 9, Erw. S. 7

Weitere Werke