Häuser am Felsen

Rudolf Levy

1914

Öl auf Leinwand

Bildmaß 60,0 x 72,0 cm
Rahmenmaß 74,5 x 87,0 x 4,0 cm


Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See


Inventarnummer: 0.00073

Malerei, Ölfarben

KVZ/WVZ: Thesing 33


Sammlungsbereich: Gemälde

Künstler/in: Levy


Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg
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Beschreibung

Rudolf Levy, der in Danzig aufwächst, geht mit dem befreundeten Maler Walter Bondy (1880–1940) im Herbst 1903 nach Paris. Er studiert Malerei bei Henri Matisse (1869–1954) und verbringt ab 1911 die Sommermonate in Südfrankreich, wo 1914 auch dieses Bild entsteht. Es ist malerisch vom Stil Paul Cézannes (1839–1906) geprägt und stellt drei Häuser an einem Berghang dar.

Auf mehreren Seiten wurden am 03.04.1998 von einem unbekannten Autor Erzählungen von Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) zu einigen seiner Sammlungsstücke bzw. deren Erwerbungen stichpunktartig dokumentiert. Diese Archivalie, die im Buchheim Museum gefunden wurde, enthält auch einen Satz zu der Herkunft seiner »Levys«. Titel oder eine Anzahl von Gemälden werden nicht angeführt, so dass eine eindeutige Identifizierung schwerfällt und ungesichert ist, ob sich der Herkunftshinweis auch auf dieses Landschaftsbild von Levy bezieht. Aufgrund der Formulierung »Levys bekam er [gemeint ist Lothar-Günther Buchheim] von Wolfertanges [sic] geschenkt«, muss es sich um mindestens zwei Werke Levys gehandelt haben. Basierend auf den Ergebnissen der werkbezogenen Herkunftsrecherchen aller im Buchheim Museum befindlichen vier Gemälde, kann sich diese Quellenauskunft nur auf drei der vorhandenen Levys beziehen. Das Gemälde »Stillleben mit Kamelientopf auf rundem Tisch«, Inv. 0.00074, wurde von Buchheim auf einer Auktion erworben und weist eine abweichende Provenienz auf, die nicht in Beziehung zu dem Ehepaar Rudolf (1884–1974) und Ilse Wulfertange, geb. von Werner (1889–1982), aus Unkel steht. Dieses Landschaftsbild jedoch könnte aus dem Vorbesitz von Wulfertanges stammen.
Die Identifizierung dieses Ehepaars wiederum basiert auf überlieferten Briefen und Karten aus dem bisher nur in Stichproben erschlossenen Privatarchiv des Ehepaars Buchheim. In den im Ordner, der als »Uralt / ›Familie‹ / Archiv« beschriftet war, aufgefundenen Korrespondenzen wird inhaltlich jedoch kein Bezug auf ein entsprechendes Geschenk oder Gemälde von Levy Bezug genommen. Der Tonfall der Briefe lässt aber auf ein sehr freundschaftliches Verhältnis zwischen den beiden Paaren schließen, bei dem ein solches Geschenk wahrscheinlich scheint.

Rudolf Wulfertange war ausgebildeter Bildhauer und ab August 1911 in Düsseldorf ansässig. Weder im Archiv des Künstlervereins Malkasten in Düsseldorf noch in dem Archiv der Kunstakademie sind Unterlagen zu ihm zu finden. Interessant ist jedoch, dass ein im begleitenden Ausstellungskatalog als »Robert Wulfertange« dokumentierter Künstler drei Porträtbüsten in der Eröffnungsausstellung der Galerie Flechtheim zu Jahresbeginn 1913 in Düsseldorf ausstellt. In dieser Ausstellung zeigt auch Rudolf Levy mehrere Landschaftsbilder und ein Stillleben, die vor 1914 entstanden sind. Auch in der Ausstellung DER »DÔME«, die vom 27.06. bis 24. 07.1914 stattfindet, stellt Flechtheim vier Landschaftsbilder aus Südfrankreich aus, für die Susanne Thesing nur teilweise eine Werkzuordnung gelingt. Gleichermaßen werden gemäß Ausstellungskatalog in der Ausstellung DAS JUNGE RHEINLAND, die vom 22.06. bis 20.07.1919 in der Düsseldorfer Kunsthalle stattfindet, zwei Landschaften aus Südfrankreich von Levy gezeigt. Es folgen weitere Ausstellungen, die anhand einer unspezifizierten Dokumentation aufgrund des Darstellungsthemas einer Landschaft auf das hier untersuchte Gemälde passen könnten. Da dieses jedoch weder eine kunsthändlerspezifische Markierung, wie für Flechtheim durch Beschriftungen und Etikettieren üblich, oder Bezeichnung überliefert ist, die im Kontext einer Ausstellungsbeteiligung zu deuten wären, scheint es wahrscheinlich, dass dieses Werk nie ausgestellt wurde. Die Herkunft des umseitig überlieferten Stempelabdrucks in Schwarz »20 / F« stammt aufgrund des Schrifttypus und der Art der Anbringung eher aus dem Künstlerbedarfshandel.

Das Stadtarchiv Düsseldorf bestätigte freundlich, dass gemäß Meldeakten kein ROBERT Wulfertange in dieser Zeit in Düsseldorf wohnte, so dass es sich wohl um einen Druckfehler im Katalog und tatsächlich um Werke des Bildhauers RUDOLF Wulfertange gehandelt haben muss. In der Ausstellung könnte der Bildhauer mit Levys Werk in Berührung gekommen sein. Folglich ist auch ein Erwerb dieses oder anderer Werke Levys vorstellbar, welche dann vermutlich als Geschenk in die Sammlung Buchheims zu einem unbestimmten Zeitpunkt eingegangen sind.

Buchheim zeigt 1963 nachweislich verstärktes Interesse an Levys Werk. Nicht nur lässt der Maler Heinz Battke (1900–1960) ihn in einem Brief vom 04.09.1963 wissen, dass nicht nur die Reproduktionsrechte von Arbeiten Levys bei ihm lägen, sondern dass er auch den künstlerischen Nachlass von der Witwe Levys, Genia Levy (1894 – 1953), nach ihrem Tod geerbt habe. Buchheims Freund, der Maler Hans Purrmann (1880–1960), der ebenfalls eng mit Rudolf Levy verbunden war, verweist Buchheim in einem Brief vom 04.12.1963 an Battke als Kenner von Levys Werk. Ob Buchheims Interesse genereller Natur war, mit einer geplanten Buchveröffentlichung zu tun hatte oder im Zusammenhang mit einem Erwerb stand, lässt sich aufgrund der eingeschränkten Nutzbarkeit des Privat- und Verlagsarchivs sowie fehlender Inventarbücher nicht mehr rekonstruieren. Im schriftlichen Nachlass des Ehepaars Wulfertange im Stadtarchiv Unkel befindet sich keine Korrespondenz mit Buchheim.

»Häuser am Felsen« ist als Nr. 33 in dem 1979 zunächst als Dissertation erschienenen Werkverzeichnis zu Rudolf Levy von Susanne Thesing verzeichnet. Die Katalogisierungsnummer wird in ihrem 1990 überarbeiteten und erweiterten Werkverzeichnis übernommen. Wir bedanken uns bei Susanne Thesing für die freundlichen Hinweise und die transparente Erläuterung, dass sie Buchheim zwar persönlich in Feldafing in Vorbereitung der Ausstellung MATISSE UND SEINE DEUTSCHEN SCHÜLER, die vom 28.05. bis 17.07.1988 in der Pfalzgalerie Kaiserslautern und im Anschluss in der Ostdeutschen Galerie Regensburg vom 28.7. bis 18.9.1988 gezeigt wurde, getroffen und sich die Bilder seiner Sammlung angesehen, aber keine Auskunft zu ihrer Herkunft erhalten hat. Im Jahr 1979, als Thesings erstes Werkverzeichnis publiziert wird, befindet sich das Gemälde »Häuser am Felsen« nachweislich bereits in Buchheims Sammlung.

Die Recherchen schließen mit ungesicherter Provenienz, auch zwischen 1933 und 1945. Der Verbleib während dieses Zeitraumes ist nicht eindeutig geklärt. Die Herkunft muss weiter erforscht werden. Wir freuen uns über entsprechende Hinweise.

JL

09.12.2021

Beschriftungen

rekto u. r. signiert und datiert (in schwarzer Farbe): R Levy / 1914
verso r. m. Nass-Stempel (um 90° nach links gedreht, in Schwarz): 20 / F
Keilrahmen o. m. Nass-Stempel (in Schwarz): 76
Keilrahmen l. m. Nass-Stempel (in Schwarz): 60
Keilrahmen u. m. Nass-Stempel (in Schwarz): 76
Rückwand o. l. Klebeetikett (bedruckt): 732 Rudolf Levy / Häuser am Felsen 1914 * / Leinwand, 60:72 cm / Bez.r.u.: R Levy 1914 / Thesing 1996 [sic], Nr. 33
Rückwand u. r. Klebeetikett (in schwarzem Filzstift beschriftet): 0.00073

Provenienz

o. D.: vmtl. Rudolf Wulfertang (1884–1974) und Ilse Wulfertange, geb. von Werner (1889–1982), Unkel
spät. 1979–2.02.2007: Lothar-Günther Buchheim (1918-2007) und Diethild Buchheim (1922-2014), Feldafing, vmtl. erworben als Geschenk von dem Ehepaar Wulfertange, Unkel

seit 22.02.2007: Buchheim Stiftung, Feldafing/Bernried, erworben im Erbgang von Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und in konkludenter Schenkung von Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing

JL

Sammlung Wulfertange
Sammlung Buchheim

Ausstellungen

BRÜCKE & SECESSION, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 27.11.2021–26.06.2022

WIR SIND WIEDER DA!, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 21.02.2016–19.06.2016

EXPRESSIONISTEN. SAMMLUNG BUCHHEIM, Haus der Kunst, München, 29.07.1998–18.10.1998

MATISSE UND SEINE DEUTSCHEN SCHÜLER, Ostdeutsche Galerie Regensburg, Regensburg, 28.07.1988–18.09.1988

MATISSE UND SEINE DEUTSCHEN SCHÜLER, Pfalzgalerie Kaiserslautern, Kaiserslautern, 28.05.1988–17.07.1988

Literatur

ALBERT WEISGERBER – LANDSCHAFT UND FIGURENBILD, hrsg. v. Mark R. Hesslinger, m. Texten von Mark R. Hesslinger, Beate Reifenscheid, Susanne Thesing, Ausst.-Kat. Kunstmuseum Hohenkarpfen, Hausen ob Verena (25.03.2018–15.07.2018), Stuttgart: Belser, 2018, Abb. S. 45

EXPRESSIONISTEN. SAMMLUNG BUCHHEIM, hrsg. i. Auftrag der »Freunde des Buchheim-Museums und der Buchheim Stiftung e. V.«, m. Texten von Christoph Vitali, Carla Schulz-Hoffmann, Hans Krieger, Clelia Segieth, Lothar-Günther Buchheim, Ellen Maurer, Ausst.-Kat. Haus der Kunst, München (29.07.–18.10.1998), Feldafing: Buchheim Verlag, 1998, Kat. Nr. 732 (ohne Abb.)

Susanne Thesing: RUDOLF LEVY. LEBEN UND WERK, Nürnberg: Verlag für moderne Kunst, 1990, Kat. Nr. 33, Abb. S. 85

MATISSE UND SEINE DEUTSCHEN SCHÜLER, hrsg. v. Gisela Fiedler-Bender, Heinz Höfchen, Wolfgang Stolte, Ausst.-Kat. Pfalzgalerie Kaiserslautern (28.5.–17.7.1988), Ostdeutsche Galerie Regensburg (28.7.–18.9.1988), Heidelberg: Brausdruck GmbH, 1988, Kat. Nr. 48, Abb. S. 96, Erw. S. 259

Susanne Thesing: DER MALER RUDOLF LEVY 1875-1944?, MONOGRAPHIE UND WERKVERZEICHNIS, Universität München, Diss., 1979, Kat. Nr. 33, Erw. S. 197

Weitere Werke