Blumenfenster

Max Pechstein

1910

Öl auf Leinwand

Bildmaß 78,0 x 107,0 cm
Rahmenmaß 102,0 x 130,0 x 10,0 cm


Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See


Inventarnummer: 0.00026b (Werk auf Vorderseite ansehen)

Malerei, Ölfarben

KVZ/WVZ: Soika 1910/2

Ort: Europa, Deutschland, Nordsee, Dangast


Sammlungsbereich: Gemälde

Künstler: Pechstein


© Pechstein Hamburg/Tökendorf; Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg
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Beschreibung

Es ist ein Phänomen expressionistischer Kunst: beidseitig bemalte Leinwände. Ganze Ausstellungen beschäftigen sich mit dem Thema, ob ein Künstler aus Selbstkritik oder Sparsamkeit eine Leinwand abspannt, neu auf den Keilrahmen zieht und die Rückseite bemalt. Nicht selten kommen heutige Betrachter zu einer anderen Einschätzung, als ein mit seinem Frühwerk unzufriedener Autor. Die hier vorgestellte Leinwand ist dann aber doch etwas Besonderes, wurde sie doch von zwei Künstlern für jeweils eigenständige Werke verwendet. Die Brückekünstler sind für gemeinsames Arbeiten bekannt. Motivisch ähnliche Bilder zeugen von parallelem Arbeiten. Für die Reproduktion im Katalog der Galerie Ernst Arnold in Dresden setzten sie die ausgestellten Gemälde in Druckgrafiken um – oft nicht die eigenen.

Die Weiden werden noch auf der großen Ausstellungstournee der Sammlung Buchheim in den 1980er-/1990er-Jahren als Werk Max Pechsteins präsentiert. Das Blumenfenster auf der anderen Seite ist von Pechstein signiert und war bis 1959 im Bild der Weiden von Pechstein betitelt. 1992 macht Gerhard Wietek Lothar Günther Buchheim auf eine motivgleiche Postkarte aufmerksam, die sich als Schenkung Rosa Schapires im Leicester Museum and Art Gallery in England befindet. Die Postkarte ist von Karl Schmidt-Rottluff aus Dangast geschrieben und am 15.10.1909 abgestempelt. Als Max Pechstein im Sommer 1910 Schmidt-Rottluff in Dangast besucht, hat er vermutlich keine Malutensilien dabei und Schmidt-Rottluff überlässt ihm diese Leinwand für eine eigene Arbeit. Pechsteins Blumenfenster wird wohl kurz darauf an den Berliner Sammler Felix Hollaender (1867–1931) verkauft und verbleibt bis Ende der 1950er-Jahre in der gleichen Privatsammlung. 1952 ist es auf der Biennale als Leihgabe von Felix Hollaenders zweiter Ehefrau, Gina Hollaender, in Venedig zu sehen. 1957 gelangt es im Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer als Einlieferung von Felix Hollaenders Sohn, Michael A. Thomas (1915–1995), zur Auktion und ist im Frühjahr 1959 als Leihgabe Lothar-Günther Buchheims in Berlin in einer Ausstellung zu Pechsteins Frühwerk zu sehen.

Für die Präsentation seiner Sammlung 1959 im Münchner Lehnbachhaus entscheidet sich Buchheim, die damalige Vorderseite zur Rückseite zu machen und die Beschriftung auf der ehemaligen Rückseite zu entfernen. Offenbar gefiel ihm die Landschaft besser als das Stillleben, das er ursprünglich erworben hatte. Selbstverständlich wurde angenommen, dass auch diese von Max Pechstein gemalt worden war. Selbst im Sammlungskatalog von 1998 wird das Werk noch mit der Autorschaft Pechsteins geführt. Mit der Veröffentlichung des Werkverzeichnisses der Schmidt-Rottluff'schen Postkartenzeichnungen durch Gerhard Wietek 2010 besteht jedoch kein Zweifel mehr daran, dass es sich um ein Werk Schmidt-Rottluffs handelt.

Die Geschichte dieses Bildes verdeutlicht, wie schwer es ist, bei beidseitig bemalten Leinwänden eine Vorder- und eine Rückseite zu bestimmen und dass spätere Betrachter Bilder oft anders beurteilen als der Künstler selbst.

RK + JL

Beschriftungen

rekto o. r. unter Keilrahmen signiert und datiert (in schwarzer Farbe): M. Pechstein / 1910
verso o. m. signiert, betitelt und datiert (bis 1959, dann entfernt, in roter Farbe): M. Pechstein / Blumenfenster / 1910
Keilrahmen l. o. Aufkleber (um 180° gedreht und zum Gemälde verso gehörig, bedruckt und in Schreibmaschine beschriftet): BAYERISCHE STAATS- / GEMÄLDE-SAMMLUNGEN / Inv.-Nr. L. 924 / [Siegel BStGS] / Pechstein Max / Weiden um 1908
Keilrahmen r. o. Aufkleber (um 180° gedreht und zum Gemälde verso gehörig, bedruckt und in Schreibmaschine beschriftet): BAYERISCHE STAATS- / GEMÄLDESAMMLUNGEN / MÜNCHEN / Inv.-Nr. L: 924 / [Siegel BStGS] / Pechstein Max / WEIDEN / um 1908
Keilrahmen u. l. Aufkleber (um 180° gedreht und zum Gemälde verso gehörig, bedruckt und in blauem Kugelschreiber beschriftet): HAUS DER KUNST MÜNCHEN / Ausstellung: Fauves – Expressonisten / Name des Künstlers: Pechstein / Titel des Werkes: Les saules / Leihgeber: Buchheim, Feldafing / Technik: / Maße: / Kat.-Nr.: 251
Keilrahmen u. m. l. Aufkleber (um 180° gedreht und zum Gemälde verso gehörig, in Schreibmaschine beschriftet): Max Pechstein / 100. Weiden, um 1908 / Öl auf Leinwand, 80 x 107 cm
Keilrahmen u. m. r. Aufkleber (um 180° gedreht und zum Gemälde verso gehörig, bedruckt und in Schreibmaschine beschriftet): musée national / d'art moderne / 251 / Exposition / Fauves français et Expressionistes / allemands / Auteur / PECHSTEIN Max / Titre de l'oeuvre Les saules, vers 1908 / Propriétaire Coll. Buchheim, Feldafing
Keilrahmen u. r. Aufkleber (um 180° gedreht und zum Gemälde verso gehörig, bedruckt und in Schreibmaschine beschriftet): hasenkamp / Ausstellung Titel Größe/Material Künstler/Leihgeber / AUSSTELLUNG / BUCHHEIM / Weiden / 80 x 107 cm / Pechstein

Provenienz

in den 1910ern–1931: Felix Hollaender (1867–1931), Berlin, erworben vom Künstler Max Pechstein als »Blumenfenster«
1931–mind. 1952: Gina Hollaender, zweite Ehefrau von Felix Hollaender, Berlin, erworben im Erbgang als »Blumenfenster«
o. D.–1957: Michael A. Thomas (1915–1995), c/o Coutino Caro + Co., Sohn von Felix Hollaender, Düsseldorf, erworben im Erbgang als »Blumenfenster«
27.11.1957: Stuttgarter Kunstkabinett, 30. Auktion, Nr. 835, Stuttgart, eingeliefert von Michael A. Thomas, c/o Coutino Caro + Co. als »Blumenfenster«
27.11.1957–22.02.2007: Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing, erworben im Stuttgarter Kunstkabinett, 30. Auktion, Nr. 835 als »Blumenfenster«
09.08.1962–24.04.2001: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, entliehen von Lothar-Günther Buchheim (1918–2007), Feldafing, als »Weiden«
seit 22.02.2007: Buchheim Stiftung, Feldafing/Bernried, erworben im Erbgang von Lothar-Günther Buchheim (1918–20107), als »Weiden« von Max Pechstein, seit 2010 Karl Schmidt-Rottluff zugeschrieben

JL

Sammlung Buchheim

Ausstellungen

DER JUNGE PECHSTEIN. GEMÄLDE. AQUARELLE UND ZEICHNUNGEN, Hochschule für Bildende Künste, Berlin, 01.02.1959–15.03.1959
XXVI. ESPOSIZIONE INTERNAZIONALE D'ARTE, I Giardini della Biennale, Venedig, Sommer 1952
MAX PECHSTEIN, Hochschule für Bildende Künste, Berlin, 05.01.1952–03.02.1952

Literatur

Aya Soika: MAX PECHSTEIN. DAS WERKVERZEICHNIS DER ÖLGEMÄLDE, Bd. 1 1905–1918; hrsg. v. Max Pechstein Urheberrechtsgemeinschaft, München: Hirmer Verlag, 2011, Kat. Nr. 1910/2, Abb. S. 215
DER DEUTSCHE EXPRESSIONISMUS – ドイツ表現派展, hrsg. v. Asahi-Zeitung, unterstützt vom Außenministerium, dem Kultusministerium und der Deutschen Botschaft, Ausst.-Kat. Saal SSS, 7. Stock, Seibu-Warenhaus, Tokio (13.04.–14.05.1963), 1963, Kat. Nr. 96
DER JUNGE PECHSTEIN, Ausst.-Kat. Hochschule für bildende Künste in Gemeinschaft mit der Nationalgalerie der ehemals Staatlichen Museen, Berlin (01.02.–15.03.1959), 1959, Kat. Nr. 69
30. AUKTION MODERNE KUNST. GEMÄLDE, HANDZEICHNUNGEN, GRAPHIK, PLASTIK, Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer (26.–27.11.1957), Kat. Nr. 835, Erw.-Seite 128
XXVI. BIENNALE DI VENEZIA. CATALOGO, Venezia: Alfieri Editori, 1952, Kat. Nr. 54, Erw.-Seite 291
MAX PECHSTEIN, Ausst.-Kat. Hochschule für bildende Künste Berlin (05.01.1952–03.02.1952), 1952, Kat. Nr. 5

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