Mädchen am Teetisch

Max Kaus

1920

Öl auf Leinwand

Bildmaß 100,0 x 70,0 cm
Rahmenmaß 102,5 x 74,0 x 5,0 cm


Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See


Inventarnummer: 0.00050

Alternativer Titel: Frauenporträt; Dame in Gelb

Dargestellte Personen: Gertrude Kaus

Malerei, Ölfarben

KVZ/WVZ: Schmitt-Wischmann 13


Sammlungsbereich: Gemälde

Künstler: Kaus


© VG Bild-Kunst, Bonn; Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg
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Beschreibung

Obwohl Kaus dem Gemälde rückseitig lediglich den beschreibenden Titel »Mädchen am Teetisch« gibt, ist überliefert, dass es sich bei der Dargestellten um seine Lebensgefährtin und spätere Ehefrau Gertrude Kant, genannt »Turu«, handelt. Er nutzte sie vielfach in seinem Frühwerk als Modell.

Auch dieses Gemälde wird als Leihgabe von Lothar-Günther Buchheim in der KAUS-Ausstellung 1960 im Museum Folkwang und 1960/61 im Kunstverein Hannover ausgestellt. Kaus schreibt Buchheim im August 1960 in Vorbereitung der Ausstellung : »Daß die 7 Bilder von 19–20 hier angekommen sind habe ich schon gemeldet. Gestern habe ich sie nach Essen abgeschickt. Das ›Mädchen am Teetisch‹ habe ich auf einen Keilrahmen gespannt […]. Alle Bilder sind ausgebessert und mit einem Wachsfirnis matt gefirnisst. Ebenso sind alle sieben mit schmalen Rahmenleisten versehn, so dass sie ausstellungsfähig sind.« Er erwähnt in diesem Brief nicht, dass er auf der Rückseite mit blauer Farbe nicht nur den Titel des Gemäldes, sondern auch Buchheim als Besitzer dokumentiert.

Weder im schriftlichen Nachlass von Max Kaus im Deutschen Kunstarchiv in Nürnberg, noch in den ab 1954 erhaltenen Briefen zwischen Kaus und seinem Kunsthändler Eberhard Seel (1900–1978) oder den im Archiv der Eheleute Buchheim überlieferten Korrespondenzen finden sich eindeutige Aussagen zum Jahr und den Umständen für den Erwerb des Gemäldes »Mädchen am Teetisch«, bevor es als Leihgabe von Buchheim ins Museum Folkwang geht. Kaus erwähnt in einem Brief an den Direktor des Museums, Heinz Köhn (1902–1962), dass die Buchheim‘sche Sammlung seiner Arbeiten auf Auktionen und aus Privatbesitz erworben sei. Rechnungsbelege oder andere interne Quellen, die diese Aussage stützen könnten, konnten im Archiv der Eheleute Buchheim bisher nicht identifiziert werden. Auch die Überprüfung der in der Bibliothek der Eheleute Buchheim überlieferten und vielfach annotierten Auktionskataloge diverser nationaler Auktionshäuser in Berlin, Hamburg, Heidelberg, Köln, München und Stuttgart vor 1960 hat keine Hinweise auf einen Erwerb dieses Gemäldes auf einer Auktion erbracht.

Am 15.12.1928 wird im Auktionshaus Max Perl in Berlin ein Damenporträt von Max Kaus als Los 106 angeboten. Der Losbeschreibung nach handelte es sich um ein Ölbild auf Leinwand, 100 x 70 cm, das signiert ist. Ob dieses Bild tatsächlich verkauft wurde, und wer Einlieferer und Käufer waren, geht aus dem annotierten Exemplar der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen Berlin nicht hervor. Es ist kein weiteres Exemplar dieses Ausstellungskataloges bekannt. Schmitt-Wischmanns Werkverzeichnis nach gibt es mindestens sieben weitere Gemälde, auf die die allgemeine Beschreibung »Damenporträt« mit den entsprechenden ungefähren Bildmaßen zutreffen könnte. Von diesen insgesamt acht Bildnissen, gehören drei (inklusive »Mädchen am Teetisch«) dem Buchheim Museum der Phantasie. Da Buchheim im Jahr 1928 erst 10 Jahre alt war, kann er das im Auktionshaus Max Perl angebotene Damenporträt damals noch nicht erworben haben. Sollte es sich bei dem 1928 angebotenen Bild jedoch um das »Mädchen am Teetisch« gehandelt haben, wäre die Auktion ein Nachweis für einen Eigentümerwechsel, weshalb diese Auktion als »evtl.« in die Provenienzkette des Gemäldes integriert wurde.

In seiner selbstverfassten Vita an Köhn geht Kaus ausführlich auf den Verlust seines Frühwerks durch einen Atelierbrand in Berlin sowie die Zerstörung der in seine Wohnung auf der Pfaueninsel ausgelagerten Werke kurz vor Ende des Krieges durch einen Panzerbeschuss ein. Er schreibt jedoch auch von einem kleinen Gemäldebestand, der in einem feuchten Keller eingelagert blieb und gerettet wurde. Aus einem der im Archiv der Eheleute Buchheim überlieferten frühen Brief vom 05.07.1958 geht außerdem hervor, dass Kaus den Eheleuten Buchheim »die zuletzt gesandten 3 Leinwände« aus seinem Besitz schenken möchte, bietet ihnen aber auch an, sich andere aussuchen zu können. Auch wenn diese Quelle keine eindeutige Identifizierung der hier erwähnten Leinwände erlaubt, dient sie doch als Nachweis für eine freundschaftliche Beziehungsebene zwischen Kaus und Buchheim. So ist ebenfalls denkbar, dass Kaus sich auf Schenkungen oder Direktverkäufe seinerseits bezieht, wenn er davon spricht, dass Buchheim die Kaus’schen Bilder aus Privatbesitz (und auf Auktionen) erworben habe. Denkbar ist ebenfalls, dass Buchheim nicht nur ein großes Konvolut Kaus’scher Grafik, sondern auch dieses Gemälde des Künstlers von dem Ehepaar Käte Bernard-Robinson (1883–?) und Victor Bernard (Lebensdaten unbekannt) erworben hat. Als Vorbesitzer sind sie schließlich für mindestens ein anderes Ölbild, »Badende II« von 1923, anhand einer umseitig angebrachten Bezeichnung nachweisbar. Schließlich könnte er es jedoch auch von bisher unbekannten Dritten erworben haben.

Die Provenienz des Ölbildes konnte für den Zeitraum von 1933 bis 1945 auf Basis der vorliegenden Informationen nicht eindeutig geklärt werden, es bestehen trotz intensiver Forschung Provenienzlücken. Die Herkunft muss weiter erforscht werden.

JL

Beschriftungen

rekto u. r. signiert und datiert (in schwarzer Farbe): MKaus / 20
verso signiert, betitelt, datiert und beschriftet (in blauer Farbe): 1x gewachst / MAX KAUS / 1920 / Mädchen am Teetisch / Besitzer: / L.G.Buchheim / Feldafing [ab Besitzer eingekreist]
Keilrahmen o. l. beschriftet (in Bleistift): 6665
Keilrahmen o. m. l. Klebeetikett (in schwarzem Filzstift beschriftet): 6
Keilrahmen o. r. Klebeetikett: [mehrere abgerissene, darunter das von anderen Kaus-Gemälden bekannte mit der doppelten Nummer]
Keilrahmen o. r. Klebeetikett (bedruckt): 163 / Rückgabe nur gegen diesen Schein
Keilrahmen o. r. und r.o. Klebeetikett (bedruckt und in Schreibmaschine beschriftet): [AKADEMIE DER KÜ]NSTE / [...FERNS]PRECHER 39 50 31 / [...] / [...]0 x 70 cm / [evtl. noch Weiteres, unklar, weil Fragment]
Keilrahmen l. m. Nass-Stempel (in Schwarz): SP[ITTA & LEUT]Z / RUF: 87 22 84/85
Keilrahmen r. m. Nass-Stempel (in Schwarz): 100
Keilrahmen r. m. Nass-Stempel (in Schwarz): SPITTA & LEUTZ / RUF: 87 22 84/85
Keilrahmen u. m. Nass-Stempel (in Schwarz): SP[ITTA] & LEUTZ / R[UF: 87 22 84]/85

Provenienz

[...]
15.12.1928: evtl. Max Perl, Berlin, Auktion 133, Moderne Graphik, Gemälde, Handzeichnungen, Plastik, chinesische und japanische Holzschnitte und Malereien, Los 106
[...]
vor 08/1960–22.02.2007: Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing
seit 22.02.2007: Buchheim Stiftung, Feldafing/Bernried, erworben im Erbgang von Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) und in konkludenter Schenkung von Diethild Buchheim (1922–2014), Feldafing

JL

Sammlung Buchheim

Ausstellungen

JAWLENSKY, BECKMANN, KAUS – SAMMLUNG BUCHHEIM, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 16.02.2019–05.05.2019
BUCHHEIMS VERGESSENE BILDER, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, 05.12.2015–17.01.2016
ERÖFFNUNGSAUSSTELLUNG, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, ab 23.05.2001
EXPRESSIONISTEN. SAMMLUNG BUCHHEIM, Haus der Kunst, München, 29.07.1998–18.10.1998
RÜCKBLICK UND GEGENWART. FRIEDRICH AHLERS-HESTERMANN, ERNST FRITSCH, MAX KAUS, HEINRICH GRAF LUCKNER, GERHARD MARX, RICHARD SCHEIBE, Akademie der Künste, Berlin, 24.11.1963–29.12.1963
MAX KAUS. GEMÄLDE, TEMPERABLÄTTER UND GRAPHISCHE ARBEITEN 1916–1960, Kunstverein Hannover, Hannover, 22.01.1961–19.02.1961
MAX KAUS. GEMÄLDE, TEMPERABLÄTTER UND GRAPHISCHE ARBEITEN 1916–1960, Museum Folkwang, Essen, 9–12/1960

Literatur

EXPRESSIONISTEN. SAMMLUNG BUCHHEIM, hrsg. i. Auftrag der »Freunde des Buchheim-Museums und der Buchheim Stiftung e. V.«, m. Texten von Christoph Vitali, Carla Schulz-Hoffmann, Hans Krieger, Clelia Segieth, Lothar-Günther Buchheim, Ellen Maurer, Ausst.-Kat. Haus der Kunst, München (29.07.–18.10.1998), Feldafing: Buchheim Verlag, 1998, Kat. Nr. 613 (ohne Abb.)
MAX KAUS. WERKE UND DOKUMENTE, hrsg. v. Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, m. Texten von Irmtraut Freifrau von Andrian-Werburg, Claus Zoege von Manteuffel, Claus Pese, Ursula Schmidt-Wischmann, Ausst.-Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg (08.03.–14.04.1991), Staatliche Kunsthalle Berlin (02.05.–04.06.1991), Kunsthalle Darmstadt (15.09.–27.10.1991), Nürnberg: Verlag des Germanischen Nationalmuseums, 1991, Abb. S. 112
Ursula Schmitt-Wischmann: MAX KAUS. WERKVERZEICHNIS DER GEMÄLDE, Berlin: Nicolai, 1990, Kat. Nr. 13, Erw. S. 83
Lothar-Günther Buchheim: »»Max Kaus: Figürliche Bilder««, in: DIE KUNST UND DAS SCHÖNE HEIM. MONATSSCHRIFT FÜR MALEREI, PLASTIK, GRAPHIK, ARCHITEKTUR UND WOHNKULTUR, 63. Jg., H. 9 (06/1965), S. 372–377, Abb. S. 377 (6)
RÜCKBLICK UND GEGENWART. FRIEDRICH AHLERS-HESTERMANN, ERNST FRITSCH, MAX KAUS, HEINRICH GRAF LUCKNER, GERHARD MARX, RICHARD SCHEIBE, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin (24.11.–29.12.1963), 1963, Kat. Nr. 133, Erw. S. 32
MAX KAUS. GEMÄLDE TEMPERABLÄTTER UND GRAPHISCHE ARBEITEN 1916–1960, Ausst.-Kat. Kunstverein Hannover (22.01.–19.02.1961), Essen: Webels, 1961, Kat. Nr. 8
MAX KAUS. GEMÄLDE TEMPERABLÄTTER UND GRAPHISCHE ARBEITEN 1916–1960, Ausst.-Kat. Museum Folkwang, Essen, 1960, Kat. Nr. 8

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