Max Kaus (1891–1977)



© Buchheim Stiftung, Bernried; Foto: Lothar-Günther Buchheim


Der in Berlin geborene Max Kaus beginnt 1905 eine Ausbildung zum Maler beim Malermeister Leopold Rupke in Spandau. Während der Lehrzeit besucht er ab 1908 Abendkurse an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Charlottenburg, u. a. in der Klasse von Meinhard Jacoby (1873–1956). Gemeinsam mit dem Studienfreund Mieczeslav Woitkiewicz besucht er die Berliner Museen, vor allem die Gemäldesammlung des Kaiser-Friedrich-Museums. Die hier gesammelten Eindrücke prägen Kaus‘ gesamtes künstlerisches Schaffen. 1911 erhalten er und einige weitere Malerkollegen ein Reisestipendium nach München, das sie intensiv nutzen. Bereits während seiner Studienzeit erhält er einige gewinnbringende Aufträge, u. a. für die Aula des Lyzeums in Kolberg, das er gemeinsam mit Jacoby und Woitkiewicz ausmalt. 1913 besitzt Kaus sein erstes Atelier in Charlottenburg. 1914 unternimmt er gemeinsam mit Woitkiewicz eine Studienreise nach Paris und ist von der dortigen Kunst tief beeindruckt. Der drohende Ausbruch des Ersten Weltkrieges zwingt sie zur Rückreise.
Entgegen der allgemeinen Euphorie lehnt Kaus den Krieg ab. Trotzdem meldet er sich freiwillig zum Kriegsdienst. Er wird als untauglich eingestuft und als Sanitäter an der Front in Flandern eingesetzt. Auf der Reise dorthin begegnet er Erich Heckel (1883–1970) und dem Juristen und Schriftsteller Ernst Morwitz (1887–1971). An der Front lernt Kaus auch Max Beckmann (1884–1950) und den Kunsthistoriker Walter Kaesbach (1879–1961) kennen. Während seiner Stationierung in Gent und Brüssel 1915/16 hat Kaus die Möglichkeit die dortigen Museen zu besuchen. Die holländische und flämische Kunst, v. a. die Malerei von Rogier van der Weyden (1400–1464) und Jan Vermeer van Delft (1632–1675) beeindrucken ihn tief. 1916 wird er nach Ostende versetzt, wo schon Heckel und weitere Künstler stationiert sind. Hier können sie trotz der Kriegsgeschehnisse künstlerisch produktiv sein und sich austauschen. Heckel ermutigt Kaus, wieder zu zeichnen, und führt ihn in künstlerische Drucktechniken ein. Kaus fertigt einige Ölbilder, darunter »Die Freunde« (1917). Im Oktober 1918 beginnt der militärische Rückzug nach Deutschland und Kaus kehrt nach Berlin zurück.
Dank Jacobys Vermittlung erhält Kaus Aufträge für dekorative Arbeiten und kann sich so sein Leben finanzieren. In seinem Atelier entstehen neben Gemälden auch Lithografien und Holzschnitte. 1919 sind einige seiner Werke in der Galerie Ferdinand Möller in Berlin zu sehen. Kurz darauf macht Heckel ihn mit Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) und Otto Mueller (1874–1930) bekannt. 1920 wird er Mitglied der »Freien Secession« und nimmt an deren Ausstellungen teil. Ein Jahr später tritt er der »Berliner Secession« bei. Weitere Ausstellungen folgen, u. a. bei Ferdinand Möller (1882–1956), Paul Cassirer (1871–1926) und Karl Nierendorf (1889–1947). In den 1920er-Jahren reist Kaus häufig durch Europa, wobei Hiddensee sein bevorzugter Aufenthaltsort ist, und malt die dortige Landschaft. Aber auch andere Orte und Städte in Europa werden besucht und für künstlerische Arbeiten genutzt. Seine Werke sind sowohl in Einzel- als auch in Gruppenausstellungen, v. a. mit Heckel und Mueller zu sehen. Das Ehepaar Hugo und Käte Robinson (später Bernard-Robinson) erwerben regelmäßig Werke von Kaus und bauen die größte Sammlung seiner Druckgrafik auf, die Lothar-Günther Buchheim später ankauft. 1923 erscheint die ihm gewidmete 3. Kestner-Mappe. 1926 erhält er eine Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule im nun nach Berlin eingemeindeten Charlottenburg. Auch werden ihm zahlreiche Auszeichnungen verliehen, u. a. 1928 der Günther-Wagner-Preis des Deutschen Künstler-Bundes und 1929 der Villa-Romana-Preis. In den frühen 1930ern nimmt Kaus regelmäßig an den Ausstellungen der Preußischen Akademie der Künste in Berlin teil. Weitere Ausstellungen folgen, darunter die Wanderausstellung »Acht Maler stellen aus«, Zeugnis der Pläne von Heckel und Schmidt-Rottluff, die Künstlergruppe Brücke mit jüngeren Kollegen neu zu gründen.
Auch in den Anfangsjahren des nationalsozialistischen Regimes werden Kaus‘ Arbeiten noch ausgestellt, v. a. in den Galerien von Paul Cassirer und Ferdinand Möller in Berlin. Kaus wird für seinen Einsatz im Ersten Weltkrieg das Ehrenkreuz verliehen. 1937 erhält er eine Lehrtätigkeit an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg. Im Zuge der Beschlagnahmeaktion »Entartete Kunst« werden zahlreiche seiner Arbeiten aus den Depots der deutschen Museen entfernt. Es erfolgt jedoch keine Aufnahme in die gleichnamige Femeschau. Anfang 1939 muss Kaus seine Lehrtätigkeit aufgeben, da er sich weigert, einer nationalsozialistischen Partei beizutreten. Trotz aller Widrigkeiten sind seine Bilder 1940 in der Städtischen Kunsthalle Mannheim und 1941 im Graphischen Kabinett Günther Franke in München zu sehen. Bei einem Bombenangriff 1943 wird seine Atelierwohnung in Berlin zerstört. Mehr als 200 Gemälde werden dabei vernichtet. Im Frühjahr 1945 wird Kaus zum Volkssturm eingezogen. Einen weiteren künstlerischen Verlust erleidet er, als ein Großteil seiner grafischen Arbeiten bei einem Beschuss auf seine Unterkunft auf der Pfaueninsel vernichtet werden.
Bereits kurze Zeit nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird Kaus von Karl Hofer (1878–1955), dem Direktor der neu gegründeten Hochschule für Bildende Künste in Berlin, zum Lehrer berufen. 1949 wird er dort ordentlicher Professor und Leiter der Abteilung »Freie Kunst«. In den Nachkriegsjahren ist Kaus sehr aktiv an der Gestaltung der künstlerischen Landschaft in Deutschland beteiligt. So ist er Gründungsmitglied des »Schutzverbandes Bildender Künstler« und des »Deutschen Künstlerbundes«. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen werden in ganz Deutschland organisiert. 1953 wird er stellvertretender Direktor der Hochschule für Bildende Künste. Ein Jahr später sitzt er im Gründungsgremium der Akademie der Künste in Berlin. 1955 wird er dort ordentliches Mitglied.
In den kommenden zwei Jahrzehnten unternimmt Kaus ausgedehnte Reisen an die Nord- und Ostsee, nach Italien und Griechenland. Die hier gesammelten Eindrücke verarbeitet er künstlerisch in zahlreichen Arbeiten. Seine Bilder werden in vielen Ausstellungen präsentiert, darunter einer großen Einzelausstellung im Museum Folkwang, Essen (1960). 1963 erhält er den Berliner Kunstpreis. Noch bis 1968 ist Kaus als Lehrer an der Hochschule für Bildende Künste tätig. 1976 wird dort Ehrenmitglied. Bis kurz vor seinem Tod 1977 ist Kaus künstlerisch tätig.

CD + RK
Biografie

Der in Berlin geborene Max Kaus beginnt 1905 eine Ausbildung zum Maler beim Malermeister Leopold Rupke in Spandau. Während der Lehrzeit besucht er ab 1908 Abendkurse an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Charlottenburg, u. a. in der Klasse von Meinhard Jacoby (1873–1956). Gemeinsam mit dem Studienfreund Mieczeslav Woitkiewicz besucht er die Berliner Museen, vor allem die Gemäldesammlung des Kaiser-Friedrich-Museums. Die hier gesammelten Eindrücke prägen Kaus‘ gesamtes künstlerisches Schaffen. 1911 erhalten er und einige weitere Malerkollegen ein Reisestipendium nach München, das sie intensiv nutzen. Bereits während seiner Studienzeit erhält er einige gewinnbringende Aufträge, u. a. für die Aula des Lyzeums in Kolberg, das er gemeinsam mit Jacoby und Woitkiewicz ausmalt. 1913 besitzt Kaus sein erstes Atelier in Charlottenburg. 1914 unternimmt er gemeinsam mit Woitkiewicz eine Studienreise nach Paris und ist von der dortigen Kunst tief beeindruckt. Der drohende Ausbruch des Ersten Weltkrieges zwingt sie zur Rückreise.
Entgegen der allgemeinen Euphorie lehnt Kaus den Krieg ab. Trotzdem meldet er sich freiwillig zum Kriegsdienst. Er wird als untauglich eingestuft und als Sanitäter an der Front in Flandern eingesetzt. Auf der Reise dorthin begegnet er Erich Heckel (1883–1970) und dem Juristen und Schriftsteller Ernst Morwitz (1887–1971). An der Front lernt Kaus auch Max Beckmann (1884–1950) und den Kunsthistoriker Walter Kaesbach (1879–1961) kennen. Während seiner Stationierung in Gent und Brüssel 1915/16 hat Kaus die Möglichkeit die dortigen Museen zu besuchen. Die holländische und flämische Kunst, v. a. die Malerei von Rogier van der Weyden (1400–1464) und Jan Vermeer van Delft (1632–1675) beeindrucken ihn tief. 1916 wird er nach Ostende versetzt, wo schon Heckel und weitere Künstler stationiert sind. Hier können sie trotz der Kriegsgeschehnisse künstlerisch produktiv sein und sich austauschen. Heckel ermutigt Kaus, wieder zu zeichnen, und führt ihn in künstlerische Drucktechniken ein. Kaus fertigt einige Ölbilder, darunter »Die Freunde« (1917). Im Oktober 1918 beginnt der militärische Rückzug nach Deutschland und Kaus kehrt nach Berlin zurück.
Dank Jacobys Vermittlung erhält Kaus Aufträge für dekorative Arbeiten und kann sich so sein Leben finanzieren. In seinem Atelier entstehen neben Gemälden auch Lithografien und Holzschnitte. 1919 sind einige seiner Werke in der Galerie Ferdinand Möller in Berlin zu sehen. Kurz darauf macht Heckel ihn mit Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) und Otto Mueller (1874–1930) bekannt. 1920 wird er Mitglied der »Freien Secession« und nimmt an deren Ausstellungen teil. Ein Jahr später tritt er der »Berliner Secession« bei. Weitere Ausstellungen folgen, u. a. bei Ferdinand Möller (1882–1956), Paul Cassirer (1871–1926) und Karl Nierendorf (1889–1947). In den 1920er-Jahren reist Kaus häufig durch Europa, wobei Hiddensee sein bevorzugter Aufenthaltsort ist, und malt die dortige Landschaft. Aber auch andere Orte und Städte in Europa werden besucht und für künstlerische Arbeiten genutzt. Seine Werke sind sowohl in Einzel- als auch in Gruppenausstellungen, v. a. mit Heckel und Mueller zu sehen. Das Ehepaar Hugo und Käte Robinson (später Bernard-Robinson) erwerben regelmäßig Werke von Kaus und bauen die größte Sammlung seiner Druckgrafik auf, die Lothar-Günther Buchheim später ankauft. 1923 erscheint die ihm gewidmete 3. Kestner-Mappe. 1926 erhält er eine Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule im nun nach Berlin eingemeindeten Charlottenburg. Auch werden ihm zahlreiche Auszeichnungen verliehen, u. a. 1928 der Günther-Wagner-Preis des Deutschen Künstler-Bundes und 1929 der Villa-Romana-Preis. In den frühen 1930ern nimmt Kaus regelmäßig an den Ausstellungen der Preußischen Akademie der Künste in Berlin teil. Weitere Ausstellungen folgen, darunter die Wanderausstellung »Acht Maler stellen aus«, Zeugnis der Pläne von Heckel und Schmidt-Rottluff, die Künstlergruppe Brücke mit jüngeren Kollegen neu zu gründen.
Auch in den Anfangsjahren des nationalsozialistischen Regimes werden Kaus‘ Arbeiten noch ausgestellt, v. a. in den Galerien von Paul Cassirer und Ferdinand Möller in Berlin. Kaus wird für seinen Einsatz im Ersten Weltkrieg das Ehrenkreuz verliehen. 1937 erhält er eine Lehrtätigkeit an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg. Im Zuge der Beschlagnahmeaktion »Entartete Kunst« werden zahlreiche seiner Arbeiten aus den Depots der deutschen Museen entfernt. Es erfolgt jedoch keine Aufnahme in die gleichnamige Femeschau. Anfang 1939 muss Kaus seine Lehrtätigkeit aufgeben, da er sich weigert, einer nationalsozialistischen Partei beizutreten. Trotz aller Widrigkeiten sind seine Bilder 1940 in der Städtischen Kunsthalle Mannheim und 1941 im Graphischen Kabinett Günther Franke in München zu sehen. Bei einem Bombenangriff 1943 wird seine Atelierwohnung in Berlin zerstört. Mehr als 200 Gemälde werden dabei vernichtet. Im Frühjahr 1945 wird Kaus zum Volkssturm eingezogen. Einen weiteren künstlerischen Verlust erleidet er, als ein Großteil seiner grafischen Arbeiten bei einem Beschuss auf seine Unterkunft auf der Pfaueninsel vernichtet werden.
Bereits kurze Zeit nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird Kaus von Karl Hofer (1878–1955), dem Direktor der neu gegründeten Hochschule für Bildende Künste in Berlin, zum Lehrer berufen. 1949 wird er dort ordentlicher Professor und Leiter der Abteilung »Freie Kunst«. In den Nachkriegsjahren ist Kaus sehr aktiv an der Gestaltung der künstlerischen Landschaft in Deutschland beteiligt. So ist er Gründungsmitglied des »Schutzverbandes Bildender Künstler« und des »Deutschen Künstlerbundes«. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen werden in ganz Deutschland organisiert. 1953 wird er stellvertretender Direktor der Hochschule für Bildende Künste. Ein Jahr später sitzt er im Gründungsgremium der Akademie der Künste in Berlin. 1955 wird er dort ordentliches Mitglied.
In den kommenden zwei Jahrzehnten unternimmt Kaus ausgedehnte Reisen an die Nord- und Ostsee, nach Italien und Griechenland. Die hier gesammelten Eindrücke verarbeitet er künstlerisch in zahlreichen Arbeiten. Seine Bilder werden in vielen Ausstellungen präsentiert, darunter einer großen Einzelausstellung im Museum Folkwang, Essen (1960). 1963 erhält er den Berliner Kunstpreis. Noch bis 1968 ist Kaus als Lehrer an der Hochschule für Bildende Künste tätig. 1976 wird dort Ehrenmitglied. Bis kurz vor seinem Tod 1977 ist Kaus künstlerisch tätig.

CD + RK

Ausstellungen

MAX KAUS. GRAPHIK AUS DEN JAHREN 1916–1926. SAMMLUNG BUCHHEIM. LITHOGRAPHIEN, FARBLITHOGRAPHIEN, HOLZSCHNITTE, RADIERUNGEN, AQUARELLE, Städtisches Kunstmuseum Duisburg, Duisburg, 30.05.1959–05.07.1959
MAX KAUS. GEMÄLDE, TEMPERABLÄTTER UND GRAPHISCHE ARBEITEN 1916–1960, Museum Folkwang, Essen, 9–12/1960
MAX KAUS. GEMÄLDE, TEMPERABLÄTTER UND GRAPHISCHE ARBEITEN 1916–1960, Kunstverein Hannover, Hannover, 22.01.1961–19.02.1961
MAX KAUS. GEMÄLDE, AQUARELLE, GRAPHIK. AUSSTELLUNG ZUM 80. GEBURTSTAG DES KÜNSTLERS, Brücke-Museum, Berlin, 12.03.1971–25.04.1971
MAX KAUS. GRAPHIK. LITHOGRAPHIEN, HOLZSCHNITTE, RADIERUNGEN. SAMMLUNG BUCHHEIM, Altonaer Museum, Hamburg, 31.10.1973–25.11.1973
MAX KAUS. DAS GRAPHISCHE FRÜHWERK. SAMMLUNG BUCHHEIM, Brücke-Museum, Berlin, 09.03.1974–22.04.1974

Literatur

Ursula Schmitt-Wischmann: MAX KAUS. WERKVERZEICHNIS DER GEMÄLDE, Berlin: Nicolai, 1990
MAX KAUS. WERKE UND DOKUMENTE, hrsg. v. Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, m. Texten von Irmtraut Freifrau von Andrian-Werburg, Claus Zoege von Manteuffel, Claus Pese, Ursula Schmidt-Wischmann, Ausst.-Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg (08.03.–14.04.1991), Staatliche Kunsthalle Berlin (02.05.–04.06.1991), Kunsthalle Darmstadt (15.09.–27.10.1991), Nürnberg: Verlag des Germanischen Nationalmuseums, 1991
Markus Krause: MAX KAUS. WERKVERZEICHNIS DER DRUCKGRAFIK, München: Hirmer Verlag, 2016

Werke

Galerie


Weitere Künstler